KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1912-1913
- Issue
- Heft 10-11 (1.7.1913)
- Date
- 1913-07-01
- Page
- Seite 203 (sequence 3)
- Language
- German
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Gerechte Beurteiler der jüdischen Geschichte haben mit ihrer Verwunderung nicht zurückgehalten, das; ein so kleines Volk inmitten von Assur-Babel und Egypten sich so lange in seiner Selbständigkeit, in Unabhängigkeit der Sprache, Miiltiiv und Religion erhalten konnte. Palästina, die Brücke zwischen Asien und Afrika, war der Tummelplatz wogender Völkermassen, der Zankapfel zwischen den Machthabern. Tvnft nnbegreislich erscheint die Bildung des zweiten Staatswesens uttb dessen mutige Verteidigung durch Rehemia. (5s rvar jetzt freilich keine volle Selbständigkeit mehr möglichder gesalbte Priester, als Vertreter der erst jetzt verwirklichten Theokratie, muffte seine 5?berherreu in den persischen Grogkönigen, später im Reiche Alexanders in den Lagiden und Seleneiden anerkennen. llm so bedeutsamer ist es, das; die kriegerischen Tugenden im Volke nicht verkümmerten, und der Jude vielfach ,;nm KriegSknecht, zum Söldner in fremden Heeren ivard. Alan must das dicke Vorurteil überivinden, als ob die Kulturgeschichte eigentlich nur den Geld- und Schacherjuden kenne - eine Vorstellung, die heute ja mit groffem, ivissenschastlichen Applomb genährt und verbreitet wird; denn die Urkunden strafen sie tilgen. In den Zähren tiK)4—07 traten die berühmten Papprnsfnnde voll Elefantine jdem egnpt. Job) ans Vicht, und erzählten der erstaunten Welt von einer jüdischen Militärkolonie daselbst, die zuerst den Pharaonen, etwa seit Psammetich I. (064— 000) Dienste leistete, dann seit Kambnses den vorgeschobensten Posten des Perserreiches im Südwesten bildete. (Eine ivissenschaftliche Würdigung dieser neuen Tatsachen findet man bei Ed. Meyer „Papyrusfnnd von E." Leipzig 1912; eine populäre Darstellung bei Veezynski im Jahrbnch der jüdischen Literatnrvereine 19l:l). Schon lange war bekannt, das; die Juden unter den Ptolemäern in grvs;er Zahl im Heere dienten, und das; die Kommandanten der Festungen aus ihrer Mitte genommen wurden. Zur Psendohekatäns ist ans der verloren gegangenen egnptischen Geschichte des echten.Hekatäns eine Episode anfbewahrt, die ntan ausführlicher in Stades Gesch. Israels (II. Band S. 284) Nachlesen mag. Ein von allen gepriesener jüdischer Bogenschütze Mosollamos (hebr. M schnllam) schiegt auf einer Seefahrt einen Vogel im Fluge herunter, der eben einent Haruspex zu einer tiefsinnigen, von dem Juden verhöhnten Weissagung gedient hat. Eine prächtigere Widerlegung des .Heidentums durch die Kraft des Geistes zugleich und des Armes ist nicht leicht denkbar. * * Richtig ist es, dag im palästinensischen Judentum seit dem 3. vorchristl. Jahrhundert die Ausbildung einer friedlichen, religiös gerichteten Jnnenkultur die Oberhand gewannaber es wäre ein sehr voreiliger Schlug, wollte man das gleichzeitige Einsetzen einer Verweichlichung oder körperlichen Degeneration nitcf) nur bei der Gemeinde der Frommen (den Assidäern) vermuten. Auch der Widerstand gegen die eindringenden hellenischen Sitten hat damit gar llichts zu tungrade ans den .Kreisen der Frommen strömten den Makkabäern die Kämpfer zu, die die prachtvollen Siege über die Syrer bei Ennnans und Bet-Zur errangen. Wenn wir diese zugleich als Triumphe religiöser Kraft und Begeisterung feiern, wo eine verschwindende Minderheit ein Weltreich niederrang, so haben wir als Inden alle Ursache dazu. Aber auch in der allgemeinen Kriegsgeschichte behaupten jene Waffentaten ihren Rang, und Inda Makkabi hält selbst vor einem Monnnsrn stand, obgleich er nur unter Anrufung seines jiwischen Gottes in die Schlacht zog. Man preist den Römer, der mit seinem Rosse in den gähnenden Abgrund sprengt, der nur über einem so kostbaren Lpfcr sich schließen will. Nicht geringeres Lob verdient daher der Makkabäer Elafnr, der sich unter den Elefanten stürzt, ans dem er den feindlichen Feldherrn vermutet, um jenen zu töten und unter ihm sein Grab zu finden. Kaum einer der vorderafiatifchen Kleinstaaten leistete Rom, das seit Pompejns seine eiserne .Hand darauf gelegt, so lange tapfersten Widerstand, nne Judäa. Das Ringen dauerte vom Jahre 03 vor bis 70 nach (51* i ifti. 5kein Epos ist den .Helden dieser Zeit gesungen worden, aber als ein solches in Gefchichtsform kann das Bellum Judaicum in sieben Büchern des Flavins Jvfephns gelten, der an dem sterbenden Juda gut gemacht, u>as er dem kämpfenden schuldig geblieben. Josephus hat dem unterlegenen, seinem eigenen Volke das Lob der Tapferkeit gesungen. Vielleicht würden Johann von Giskala und Simon bar Giora ruhmreicher dastehen, wenn der Erfolg sie gekrönt hätte. Noch in den Jahren 132 bis 3.> stand den Römern in dem falschen Messias Simon bar .Kvchba ein Kriegsheld voll verzweifelten Mutes gegenübermit seinem Halt verhauchte die jüdische Nation ihre Seele. * * * Vor uns liegt die Nacht des Exilsihre Schatten reichen bis zum Ansgang des 18. Jahrhunderts. .Hätte ein Vvlkerrat getagt, um auszuklügetn, wie man der jüdischen Gemeinschaft Lust und .Kraft zu kriegerischer Betätigung bis auf den letzten Rest aus der Seele tilgen könne, er hätte nicht vorbedachter handeln können, als der anscheinend blinde Gang der Geschichte. Wir erkennen in dieser letzteren von rückwärts her deutlich die göttliche Leitung neben und über