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KC-Blätter · 1913-06-01 · Heft 9 (1.6.1913) · p. Seite 190

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 9 (1.6.1913)
Date
1913-06-01
Page
Seite 190 (sequence 10)
Language
German
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190 « reicherer Weise werde führen können als jene, die durch ihren verzweifelten Vorstoß gegen den Zionismus ihre Unfähigkeit verdecken wollten st), auf ihrem ursprünglichen Arbeitsgebiet etwas Positives zu erreichen." (Leitartikel der Nr. 19 der Jüdischen Rundschau vom 9. Mai 1913.) Warten wir's ab! Schon mancher Jüngling stieß „mit lausend Masten" in den Ozean, der nachher als Greis „still" in den Hafen zurückkehrte. Warum sage ich das alles? Zwar stehe ich nicht auf dem Standpunkte, daß man sachliche Angriffe mit hochmütigem Schweigen übergehen solle, andererseits weiß ich genau, daß man jenen zionistischen Heißspornen vergeblich predigt, und wenn man mit Engelzungen redete. Und doch rede ich, und rede nicht ohne Absicht in den K. C.-Blättern. Mit der seibstsichern Wertung, die man so oft in zionistischen Aeußerungen findet, rühmen jene sich, daß sie den wertvollsten Teil der deutschen Judenheit an ihre Fahnen zu fesseln verständen. - Ob wir Aelteren und Alten wirklich so ganz nebensächlich sind,so völlig „viuantitä nL8Ubva.bIs", wie jene meinen, bezweifle ich zwar in aller Bescheidenheit,' gerne erkenne ich aber an, daß die jüdische Jugend, wenn auch nicht der entscheidende Teil, so doch eine mit allem Eifer zu erstrebende Gefolgschaft in unserem Kampfe ums Recht ist. Darum wende ich mich hier an sie, und besonders an den K. C., der Geist von unserem Geiste ist. Lasset Euch nicht irre machen! es ist nicht bloß eine gltie Sache, für die wir gemeinsam kämpfen, sondern auch eine große. Denn wenn jene mit kaum verhüllter Geringschätzung darauf Hinweisen, daß „der Zentralverein mit seinen doch immerhin beschränkten Aufgaben" in keiner Weise an „die weltumspannende Idee" heranreiche, welche der Zionismus vertritt, so holtet ihnen entgegen, daß, wenn man schon den Boden der nüchternen Tatsachen verlassen will, der Zentralverein die Adee der Gerechtigkeit verficht, indem er für Menschenrecht und Menschenwürde kämpft, der Gerechtigkeit, von der ein .Kant geurteilt hat, es habe keinen Wert mehr, daß Menschen auf der Erde lebten, wenn sie untergehe. ES ist nicht wahr, daß Ihr weniger treue Söhne deS Judentums seid, weil Ihr hier im deutschen Vaterlande und nicht in einem geträumten Judenstaate Juden, allerdings freie, gleichberechtigte Juden fein wollt! Ist das nicht ein Ziel, „des Schweißes der Edlen wert"? Gewiß, jener oberschlesische Berbandsvorsitzende hatte recht: gemütlich und angenehm ist die zentrale Tätigkeit nicht, und wo die Phantasie des Herrn Professor Dreyfuß titel-, orden- und ämterlüsterne Menschen sieht, da sind in Wirklichkeit Männer, die alles andere eher erwarten und ernten, als Lohn und Ehren. Das aber kann und »vird nie ein Grund sein, gute Juden vom Kampfe gegen das Unrecht abzuschrecken, ist doch unsere ganze jüdische Vergangenheit — und am letzten Ende auch die Gegenwart — nichts anderes als ein entsagungsvoller Verzicht auf materielle Vorteile zugunsten einer sittlichen Idee. Wer aber ist begeisterungsfähiger als die Jugend? Darum kämpfet unentwegt weiterund werbet neue Freunde für Eure Ziele, dann werden auch künftig wie bisher aus Eurer Mitte die besten Streiter für unsere Sache hervorgehen! * * * Richard Wagner und das Judentum. Von Arthur Wolfgang, Breslau. Der 22. Mai 1913 hat dem deutschen Volke Gelegenheit gegeben, eines seiner größten Musiker, zugleich eines großen Erziehers, dankbar zu gedenken. Richard Wagner war, so müssen wir heute bekennen, nicht nur „das letzte Weltereignis deutscher Musik", wie Hermann Bahr von ihm sagt, sondern ein bedeutender Faktor des gesamten deutschen Geisteslebens im 19. Jahrhundert. Wagner streifte, von seiner Spezialkunst, der Musikdramatik, ausgehend, fast alle literarischen, philosophischen, religiösen, politischen, kulturellen Fragen seiner Zeit. Ueber Kunst und Revolution, Kunst und Politik,deutsches Wesen, Regeneration des Menschengeschlechtes, Deutschtum und Christentum hat sich Wagner geäußert, — was Wunder, wenn er sich auch mit der „Judensrage", die doch nicht erst heute aktuell ist, beschäftigte? Seine Ansichten darüber hat Wagner in erster Linie in einem Aussatz „Das Au den tum in der Musik" zusammengesaßt, den er zuerst 1850 in der vonFranzBrendel re0tgierten„NeuenZeitschriftsürMusik"unterdem Pseudonym „K. Freigedank" veröffentlichte. Diese Schrift hat die widersprechendsten, heftigsten Beurteilungen erfahren, die Gegenwart pflegt sie als Zeugnis für Wagners Antisemitismus anzuführen) doch erscheint mir das als zu weit gegangen. Die große Mehrzahl der heutigen Juden ist in einem grundlegenden Irrtum über Wagners Aufsatz befangen,' sie kann der Versuchung, eine scharfe Kritlk der Juden von 1850 mit dem Aufkommen des Rassenantisemitismus gegen Ende des Jahrhunderts in Ber-

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