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KC-Blätter · 1913-06-01 · Heft 9 (1.6.1913) · p. Seite 188

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 9 (1.6.1913)
Date
1913-06-01
Page
Seite 188 (sequence 8)
Language
German
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188 strebt, die Kluft zwischen Juden und Nichtjuden zu vertiefen und einen Kulturkonflikt zwischen Deutschtum und Judentum 511 konstruieren. Denn sie führen damit tatsächlich die Geschäfte der Antisemiten. DaS zeigt die Wirkung ihrer Tätigkeit: hat doch vielleicht feit Jahrzehnten kein "Zeitungsartikel den Antisemitismus so gefördert,. als jener Aussatz GoldfteinS im Kunst- »vart, dessen unsinnige Uebertreibungen den Antisemiten die beste Grundlage für ihre Angriffen geben, und die daher in' ihren Zeitungen und Flugblättern ständig wiederkehren. Es ist begreiflich, wenn der bayerische antisemistische Abgeordnete Beckh gesagt hat: „Mit den Zionisten könnten sie die größten Sympathien haben, sie könnten sich keine besseren Bundesgenossen denken als die Zionisten." * . * K. C. und Nationaljudentnm. Die national-jüdischen Bestrebungen widersprechen dem nationalen Empfinden der deutschen Juden, sie widerstreben auch den wahren Interessen des Judentums. In klarer Erkenntnis dieser Konsequenzen hat der K. C. von jeher die national-jüdischen Bestrebungen mit Entschiedenheit abgelehnt. Bereits im Jahre 1894, zu einer Zeit, als die zionistische Bewegung überhaupt noch nicht existierte und als von national-jüdischen Regungen in Deutschland kamtt envas zu merken war, schrieb die Badenia, als man sie mit einer nationaljüdischen Liederversammlung in Beziehung brachte, in ihrem Semesterbericht: 1. Die freie Verbindung Badenia in Heidelberg steht fest auf deutschnationalem jdeutschvaterlündischem) Standpunkte,' 2. jede Zumutung anderer Tendenzen lehnt dieselbe entschieden ab, insbesondere hat die Verbindung mit den jüdisch-nationalen Bestrebungen nichts zu tun. Es entsprach daher nur den stets vertretenen Anschauungen, wenn der K. C. in seinem Statut klar zum Ausdruck brachte, da fl er seine Mitqlieder in dem Beumfltsein erziehe, „daß die deutschen Inden einen durch Geschichte, Kulturnnd Rechtsgemeinschaft mit dem deutschen Vaterlande unlöslich verlnmdenen Volksteil bilden", und wenn er schließlich mif dem Breslauer K. C.- Tag im Jahre 1911 in unzlveideutiger Weise „Bestrebungen zur Lösung der deutschen Judenfrage außerhalb Deutschlands" ablehnte. Wir können es mit Freude begrüflen, daß heute der Zentralverein, der gleich dem K. C. stets die „unbeirrte Pflege deutscher Gesinnung" auf seine Fahnen geschrieben hatte, jenenBestrebungen entschieden entgegentritt, welche an die Stelle deS natürlichen deütschnationalen Bewußtseins ein gekünstelte» jiidischnationales Bewußtsein zu setzen sucht. Die klare Scheidung dieser Richtungen mußte einmal kommen. Nichts ist unwahrer als die Darstellung, der Zentralverein habe leichtfertig den Streit vom Zaune gebrochen. Bereits vor einem Jahre bei der Eröffnung deS Delegiertentages in Posen sagte doch der Vorsitzende der zionistischen Vereinigung für Deutschland: „So trennt uns von allen anderen Richtungen im Judentum eine breite Kluft. Wir dürfen nicht versuchen sie auszufüllen . . . ." Es handelt sich eben um zwei verschiedene Weltanschauungen: Hie Nationaljuden! Hie jüdische Deutsche! * * * Im Zrntralverein. Bon Justizrat Salinger-Oppeln. Es war auf der letzten Tagung des Oberschlesischen Synagogengemeindeverbandes, als ich, still beobachtend, die glänzende Versammlung überschaute. Da sagte plötzlich der Verbandsvorsitzende zu mir: „Nicht wahr? das sieht bei uns doch anders aus als im Zentralverein." Ich konnte dies nicht bestreiten, eS sieht wirklich anders aus, äußerlich und innerlich. Dort die angesehensten Männer aus jeder Gemeinde in großer Zahl, während bei uns*) im Zentralverein gerade die sogenannten Spitzen, die uns so viel nützen könnten, sich gleichgültig kühl, oder gar ablehnend verhalten, wenn schon natürlich glücklicherweise auch rühmenswerte Ausnahmen vorhanden sind. Bei den Gemeindeverbandsversammlungen eine ruhige, freundliche, von Dankbarkeit gegen die leitenden Männer getragene Debatte, deren sachlicher Ton wohltuend von den nur zu oft so erregte» Verhandlungen unseres Vereins absticht. Woher dieser auffallende Unterschied? Ist die Arbeit des Zentralvereins im Interesse unserer Menschenwürde und Mannesehre weniger wichtig? Wird sie nicht auch von Juden für Juden geleistet? Die Ursache ist nicht schlver zu finden: wir sind eben eine Kampfesorganisation, und wo Kamps ist, da gibt es auch Wunden. Es ist aber nicht jedermanns Sache, sich verletzenden Angriffen auszusctzen, am allerwenigsten, wenn diese nicht bloß von dem Feinde, den wir bekämpfen, den Antisemiten, ausgehen, sondern mehr noch von einer Seite, die unsere Glaubensgenossen sind, die ebenfalls das Beste des Judentums anstreben, allerdings auf einem Wege, den wir nicht mitmachen können,den wir in seiner neuesten Richtung sogar für schädlich und verhängnisvoll halten. *) Verfasser spricht aus seinen Erfahrungen als Leiter des Landesverbandes Oberschlesien des Zentralvereins und als Mitglied des Gesamtvorstandes.

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