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KC-Blätter · 1913-06-01 · Heft 9 (1.6.1913) · p. Seite 187

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 9 (1.6.1913)
Date
1913-06-01
Page
Seite 187 (sequence 7)
Language
German
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schon zur Zeit semer nationalen Selbständigkeit und daS beweist auch die beschichte der Diaspora. Wo erzielten die Inden während ihrer Zerstreuung ihre grüßten Erfolge'? (Gerade dort, wo sie in der engen Verbindung mit der Kultur der Umwelt lebte!,: in der griechischen Epoche,während des maurischen Zeitalters in Spanien und in der modernen lvesteuropäischen Kultur seit ihrer Emanzipation haben die Juden ihre glanzvollsten Zeiten gesehen, während die Zeiten des engen Ghettolebens für das Judentum die unfruchtbarsten waren.*) Die Juden haben eben mit der Zerstörung deS alten Reiches die Eigentümlichkeit der Nation überhaupt eingebüßt. Wie das soeben erschienene Buch des Zionisten Kaplun glänzend beweist, hat durch die Jahrtausende hindurch eine systematische Auslese des kaufm ä n n i sch e n Elementes unter ihnen stattgefunden. Dieses hat sich erhalten und verstärkt, während die anderen Schichten des einstigen Volkes unterqegangen sind. Das hindert eine selbständige Volksexistenz. Zugleich hat aber ihre hierdurch erworbene spezeflsche Begabung, insbesondere ihre geistig-organisatorisch Tätigkeit, sie zu wertvollen Teilen und Gliedern der Völker gemacht, denen sie seit Jahrhunderten eng und innner enger zugehören. Diese Tatsachen beweisen klarer, als alle Theorien, daß die Juden in der Arbeit innerhalb der Stationen, zu denen sie heute gehören und mit denen sie aufs engste verwachsen sind, daS höchste erreichen werden. In der nationalen Isolierung müßten ihre besten Eigenschaften verkümmern, in der Mitarbeit an der Gesamtkultur können sie ihre höchsten Fähigkeiten entwickeln. * * * Nationaljudentnm und Staatsbttrqertmn. Nicht minder beeinträchtigt aber das National" jndentnm unsere Stellung zum deutschen Vaterlande. Allerdings wollen die Zionisten zwischen Nationalgefühl und staatsbürgerlichen, Gefühl eine strenge Unterscheidung machen) suchte doch Ludwig Wassern,ann (Jüdische Rundschau v. 11.April 1913) sie als „ganz verschiedene Dinge" als „völlig *) DaS zeigt sich uns auch heute nach täglich in Amerika: ihre vollen Kräfte können die dorthin auS-?gewanderten osteuropäischen Juden erst entfalten, wenn ie in enge Fühlung mit dem amerikanischen Volksleben treten. In überaschender Weise wird dies in der offiziell-zionistischen „Welt" vom 23. Mai 1913 in einem Leitartikel über die amerikanischen Juden bestätigt, wo eS heißt: „Aber die kulturelle Assimilation hat auch ihre guten Leiten. Ini Lande der Freiheit und der Arbeit sind a„S den gedrückten Ghettojuden, den unpraktischen Theoretiker-,, und Ideologen recht energische und weitblickende Menschen geworden, aus dem Volke des Buches ein Volk der Tat." unabhängige Zaktoren" hinzustellen. Wir haben aber bereits oben gezeigt, wie innig daS Staatöbürgertum und das Nationalbewußtsein einander beeinflussen, wie gerade die staatliche Zusammengehörigkeit den wichtigsten nationalbildendenFaktor darstellt. Wasser,„ann beruft sich für seine Ansicht auf daS Beispiel von Oesterreich und sagt: „Pole und Tscheche können gleichartig fühlen als Staatsbürger Oesterreichs". Die Praxis lehrt aber, daß sie das nicht tun. Wird doch durch die nationalen Sonderinteressen der verschiedenen Nationen eine einheitliche, zentrale Neichspolitik in Oesterreich innner wieder durchkreuzt, da jede nationale Gruppe zunächst Befriedigung ihrer Sonderwünsche verlangt und eine möglichst große Autonomie erstrebt. Ist doch in Oesterreich z.B. jede Militärvvrlage von der Gewährung nationaler Sonderrechte abhängig. Haben doch die Südslaven in den, Streit mit Serbien eine direkt antivsterreichische Politik verfolgt. So besteht tatsächlich in Oesterreich ein ständiger Konflikt zwischen den, Nationalgestthl und dem Staatsbürgerbewußtsein. Ost genug wird das staatsbürgerliche Gefühl durch den Nationalismus so überwuchert, daß es vollständig dahinter zurücktritt, so bei den zentrifugalen Bestrebungen mancher Alldeutscher, der Großpolen und der Jrredentisten. Es kann uns daher keineswegs gleichgültig sein, wenn ein Teil der deutschen Juden ihr Ideal in der Loslösung von der deutschen Heimat erblickt. Das will aber ein Beschluß des letzten Delegiertentages der deutschen Zionisten in Posen, worin es heißt: „In Konsequenz der iiberragenden Bedeutung der Pa lüstinaarbeit für die Befreiung der Einzelpersönlichkeit, sowie als Mittel zur Erreichung unseres Endzieles, erklärt es der Delegiertentag für die Pflicht jedes Zionisten — in erster Äieihe der wirtschaftlich Unabhängigen — die Uebersiedelung nach Palästina in ihr Lebensprogramm aufzunehmen. In jeden, ^alle sollte jeder Zionist für sich persönliche Interessen in Palästina schassen. Dieser Beschluß betrachtet Deutschland also nur noch als Nothafen für diejenigen, die sich infolge ihrer wirtschaftlichen Abhängigkeit von Deutschland nicht loslösen können, er verlangt auch von diesen — wenn sie zwar ihre materiellen Interessen in Deutschland haben — daß sie ihre persönlichen Interessen in Palästina suchen sollen. Der Beschluß zieht die letzten Konsequenzen deS Nationaljudentums, entsprechend dem radikalen Chauvinismus, der heute im Zionismus die Herrschaft erlangt hat. Es kann uns fernerhin auch nicht gleichgültig sein, wenn man auf national-jüdischer Seite dahin

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