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KC-Blätter · 1913-06-01 · Heft 9 (1.6.1913) · p. Seite 184

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 9 (1.6.1913)
Date
1913-06-01
Page
Seite 184 (sequence 4)
Language
German
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184 Haupt erst infolge der antisemitischen Bewegung entdeckt wurden, einem wahrhaft natürlichen Empfinden entspringen? , Wenn wir die nationaljüdischen Aeußerungen hören, wenn wir das Tun der „Nationaljuden" beobachten, dann zeigt fick auch das Gekünstelte, Unechte in ihrem Wesen. Alan sucht sich künstlich einen Gegensatz zwischen deutscher und jüdischer Ärt 51t konstruieren, der die Juden zur Ausnahme deutscher Kultur-werte unfähig mache. Ganz in dem Sinne des im letzten öffentlichen Heft deS „Jüdischen Studenten" 373) enthaltenen Ausspruches: „kleinliche Scheidung wollen wir: jüdische und deutsche Art solleil jede nach dem Gesetze ihrer Entwickluug leben und schaffen." äusterte vor weniaen Wochen ein B.J.St.er in Karlsruhe: „Ich bin kein Deutscher, ich bin Jude und zwar Nationaljudeich bin kein Deutscher, denn ich erfasse ihre Art nicht. l5's gibt überhaupt keine deutschen Juden, die jemals ein deutsches Volkslied tief empfunden haben, oder es empfinden können!" Kann man sich eine unwahrere Phrase denken? AlS ob nicht die Loreley Heinrich Heines, den die Zionisten so merklvürdig gern und oft für sich reklamieren, seit 70 Jahren zu den liebsten Liedern gerade des „Volkes" gehörte. Bei diesem Beispiel tritt das Gekünstelte und Verworrene der nationaljüdischen Anschauungen besonders krast zutage. WnS hat der junge Mann denn als Knabe anders gesungen, als deutsche Volkslieder? Jüdische hat er doch jedenfalls biS vor kurzem gar nicht gekannt. Diese „Nationaljuden" suchen sich gewaltsam einen Gegensatz zum Deutschtum zu suggerieren und halten sich vielleicht sür waschechte Hebraisten, wenn sie auf dem nach urdcutscher Sitte abgehaltenen Kommers anstatt ,?Hvch" ,,Hedad" rufen. * Stammesgemeinschaft bedingt nicht Nationalgemeinschaft. Woraus wird denn daS Nationaljudentum gestützt? Womit kann man die Behauptung, wir feien mit de»n Ostjudeutum zu einer einheitlichen Nation verbunden, begründen? Wir leugnen keineswegs die starken Momente, die uns mit den Inden außerhalb Deutschlands verbinden. Wir haben auf Grund der Gemeinsamkeit der Religion, der Stammesgenleinschaft und infolge gemeinsamer Leiden durch antisemitische Verfolgungen ein warmes Mitgefühl mit unseren osteuropäischen Glaubensgenossen, und die großartigste Hilsstätigkeit, die vielleicht jemals entfaltet worden ist, läßt dieses Solidaritätsgefühl im hellsten Lichte erstrahlen. Aber diese Gefühle sind nicht nationaler Natur. ES besteht kein gemeinsames nationales Zusammenleben zwischen den deutschen und den ostdeutschen Juden. Insbesondere ist es durchaus irrig, wenn man — wie cd neuerdings in nationaljüdischen Kreisen vielfach vorkommt — den Begriff der Nation mit dem des Stanunes identifiziert und eine jüdische Nation einfach aus der Stammesverwandtschast abzuleiten sucht. So heißt es irr einer offiziellen Erklärung deS Zentralkomitees der zionistischen Vereinigung für Deutschland: „Der jüdische Nationalismus beruht auf der unbestrittenen Tatsache der gemeinsamen Abstannnung aller Juden und ihrer gemeinsamen Ueberlieferung." Krasser tritt dieS noch in einem „National" überfchriebenen Leitartikel der „Jüdischen ^lundschau" vom 2. Mai 1013 hervor: „Was wir unter national verstehen, ist die aeburtsmüßige Stammeszugehörigkeit. Nationalität ist keine Sache der freien Wahl, sie ist daS unveränderliche Resultat des. Faktums der Geburt. Geborene Juden falls jüdischem Stamm geborene) körnten nur jüdischnational sein. Deutscher Nation — d.h. deutschen Stammes — sind wir nicht und können es nicht sein. Delitscher und jüdischer Nation — waS manche fein invchten — find sehr wenige: nänllich Kinder aus Mischehen zrvischen Deutschen u»rd Juden." Die Konsegllenzert, zu denen eine derartige Anschauung fuhrt, zeigen sofort ihre Unsinnigkeit. Wäre nämlich die Nationalität das unveränderliche Resultat deS Faktums der Geburt, dann könnte selbstverständlich auch z. B. die Taufe eine Aenderung der Nationalität nicht mit sich bringen. Man würde also gläub iger Ch rist und Nationaljnde zugleich sein können.*) Denn zweifellos »vird daS Faktum der Geburt durch eine spätere Taufe nicht mehr geändert. Da aber die Nationaljuden entschieden diese Konsequenz ablehnen, müssen sie wohl auch die Voraussetzung ablehnen und zugeben, daß die Geburt keineswegs entscheidend seiil kann. *) Diese Konsequenz ist absolut z,vingend. Wenn die zionistische Partei sie damit zu „widerlegen" glaubt, das; sie aus den Ausfchlust der Täuflinge aus der Partei hinweist, so liegt die Spiegelfechterei auf der Hand: Denn das 'fiel des Zionismus ist doch nicht eine Partei, sondern ein Staat oder ein sonstiges Gemeinwesen auf Grund der Stammeszugehörigkeit zum Judentum. In diesem Staate muh auch der Jude, der Christ gervvrdell ist, nach »vie vor ein vollgültiges Bolksmitglied fein — lvenn der Indenstaat nicht noch iveit unduldsamer sein ivollte, tute alle christlichen und mohammeda« nischen Staaten des durtkelsten Mittelalters. Dast diese Konsequenzen nicht unbedenklich sind, zeigt der Umstand, daß die christliche Iudenmission in Amerika und England tatsächlich ein nationaljüdisches Christentum (!) predigt!

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