KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1912-1913
- Issue
- Heft 9 (1.6.1913)
- Date
- 1913-06-01
- Page
- Seite 183 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Israeliten laut an. Kein Geringerer als der Staatskanzler Fürst Hardenberg schreibt am 4. Januar 1815: „Die Geschichte unseres letzten Krieges wider Frankreich hat bereits erwiesen, das; die Inden des Staates, der sie in seinen Schah ausgenommen, durch treue Anhänglichkeit würdig geworden. Die jungen Männer jüdischen Glaubens sind die Wafsengefährten ihrer christlichen Mitbürger geworden, und wir haben auch unter ihnen Beispiele deS wahren Heldenmutes und der rühmlichsten Verachtung der Kriegsgefahren nachzmveisen, sowie die Übrigen jüdischen Einwohner, namentlich auch die Frauen, in Aufopferung jeder Art den letzter» sich angeschlossen haben." Vielleicht könnte man Hardenberg einer gewissen Vorliebe sür die Juden zeihenaber einer ihrer schlimmsten Gegner, der preußische Geheime Finanzrat Wolfart, der in einem amtlichen Gutachten vorn 28. November 1816 sie ans das bitterste herabsetzt und bekämpft, muß doch zugeben: „Alles, waS man ehedem gegen die Möglichkeit ersprießlicher jüdischer Kriegsdienste hat ausstellen wollen, ist durch Erfahrungen bereits widerlegt." Es wäre iiberfliissig hervorzuheben, welche bedeutenden Spenden die Inden damals auf den Altar des Vaterlandes niedergelegt haben. Die Eigenschaft großer Opserwilligkeit für Wohlfahrtszwecke wird ihnen ja von keiner Seite bestritten. „Die Juden geben alles, was sie nur besitzen", schrieb Nahet Lewin am 20. April 1813. Die erste patriotische Spende überhaupt waren die 700 Taler der Ressource der jüdischen Kaufmannschaft in Berlin. Aber auch an persönlichen Bemühungen zugunsten des Heeres ließen die Inden eS nicht fehlen. „Tatsache ist es", bemerkte znsannnenfassend der christliche Jurist Buchholz, „daß jüdische Aerzte und Wundärzte ihr Leben den Gefahren der Hospitäler auSsetzten und als heilige Opfer fielen. Tatsache ist es, daß jüdische Frauen und Mädchen keine Anstrengungen, keine Gefahren scheuten, um den Verwundeten Trost und Hilfe angedeihen zu lassen. Tatsache ist es endlich, daß alle israelitischen Bürger durch die zahlreichsten freiwilligen Geldopfer Beweise der Anhänglichkeit an König und Vaterland gaben." So ist die preußische Judenheit wohl berechtigt, die Jahrhundertfeier der Befreiungskriege auch als ein besonderes Ruhmesfest ihrer Gemeinschaft zu begehen. Sie hat das Recht und bei dem noch immer währenden Kampfe für ihre Ehre und ihre Würde auch die Pflicht, auf die glänzende Betätigung ihrer vaterländischen Gesinnung unter den hemmenden Verhältnissen . jener Zeit hinzuweisen. Schon die Morgenröte der Freiheit hatte in ihr die schönsten Bürgertugenden, in ihrer männlichen Jugend das herrlichste Beispiel der Hingabe und des kriegerischen MuteS hervorgerufcn: ein Beispiel, das gewiß für Gegenwart und Zukunft seine Wirkung üben wird. * * * Rationaljudentum. Bon Rechtsanwalt Karl Löwenstein, Aachen. (Lieariae, Rheno-Tilesiae.) Gekünsteltes Nationaljudentum. „Allerdings waren die Juden einst eine Nationaber sie sind als solche seit zwei Jahrtausenden untergeqangen." „Wir sind nicht eingewandert, wir sind eingeboren, und »veil »vir es sind, haben »vir keinen # Anspruch anderswo auf eine Heimat. Wir sind e»ltlveder deutsch oder wir sind heimatlos." ,/Nicht durch irgendein einzelnes Moment, das er entbehren könnte, ist der Mensch an sein Vaterland gekettet, sondern durch alle Bande des Lebens, durch seine Sprache, seine Gefühle, seine Erinnerungen und seine Hoffnungen, sein Streben und sein Wirken, durch die Form seiner Vorstellungen selbst, die dtlrch die Sprache erst Leben und Dasein erhaltendie Seele kann diese Bande nicht lösen, ohne zu verbluten. Wer niir den Allspruch al»f mein deutsches Vaterland bestreitet, der bestreitet nrir das Recht auf meine Gedanken, meine Gefühle, auf die Sprache, die ich rede, auf die Lllft, die ich atmedarum muß ich mich gegen ihn wehren, »vie gegen einen Mörder." Mit diesen Worten ehrlicher Entrüstung trat vor achtzig Jahren Gabriel Riesser seinen antisemitischen Gegnern gegenüber. Er sprach damit Gedanken aus, die allen deutschen Juden seiner Zeit eine Selbstverständlichkeit waren. Niemand hätte es damals für möglich gehalten, daß solche Ablvehr je gegen Glaubensgenossen erforderlich sein könnte. Durste sich aber Riesser, dessen Zeitgenossen zum Teil noch das Ghetto gesehen hatten, mit Recht als Nationaldeutscher bezeichnen, »vie viel mehr »vir, nachdem drei »veitere Generationen Juden unter dein Einfluß deutscher K»»ltur gelebt, an dein nationalen Leben ihres deutschen Vaterlandes teilgenommen und sich stets als Deutsche gefühlt Haber». U»n so unverständlicher erscheint es, wenn heute ein allerdings geringer Teil der deutschen Juden behauptet, sie seien nicht Nationaldeutsche, sondern Nationaljuden, ja, »vie es jüngst in der „Jüdischen Rundschau" geschehen ist, den deutschen Juden das Recht abspricht, sich als Nationaldeutsche zu bezeichnen. Ihre Väter und Großväter haben es nie anders gewußt, als daß sie Deutsche seien. Die große Masse der deutschen Juden empfindet durchaus deutsch und lehnt das Nationaljudentum entschieden ab. Können da jene nationaljüdischen Gesinnungen/ die doch über-