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KC-Blätter · 1913-05-01 · Heft 8 (1.5.1913) · p. Seite 172

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 8 (1.5.1913)
Date
1913-05-01
Page
Seite 172 (sequence 8)
Language
German
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172 <$ciunnbtf)üit und Schlagsertigkeit in der Debatte lernt. Der Konvent ist die kleinste Form parlamentarischer Verhandlungen. Bon hier aus nimmt der junge Redner seinen ersten Flug. Hier lernt auch der Scheueste, der es sonst nie lernen würde, den Mund aufzutun und in gesetzter, längerer Rede einen bestimmten Gedankengang entwickeln. Dag der, der semesterlang Konvente mitgemacht und tzundertemale in ihnen das Wort ergriffen hat, in der so überaus wichtigen Kunst des Redens eine gute Uebnngsschule durchgemachtchnt, braucht wohl nicht lange erörtert zu werden. Mit der Redefähigkeit ivächst auch die Uebung der übrigen Repräsentation, geschult in der nicht immer leichten Vertretung der Verbindung nach äugen hin; es ivächst der Sinn für Disziplin, die Besehlsgewalt und ein gewisses Verwaltungstalent, weil' der Mikrokosmus des Verbindungslebens alle möglichen Anforderungen gestellt hat und der Aktive es gewöhnt ist, sie in verantwortungsvoller und energischer Form zu lösen. Alles dies sind Talente, welche die Freistndenteuschaft niemals zu pflegen Gelegenheit hat. Und wir sehen, dag die Korporation, die doch nur eilt romantisches Ueberbleibsel verschwundener Seiten zu sein scheint, doch in der Lage ist, mehr wie das anscheinend modernere Freistttdententum, ans dein jungen Studenten nicht etwa einen Verächter der Wissenschaft zu bilden, wie die bösen und spöttischen Zungen sage»,, sondern vielmehr einen F ünger aller praktischenLebenskünste,der im Leben gewiß seinen Mann stehen wird, da er das Leben mit seinen Anforderungen in der kleinen Welt seiner Verbindung intensiv und selbsttätig kennen gelernt hat. Die Korporation zwingt zum Handeln, Führen und Wirken. Sie erzieht ihren Angehörigen zu einer wirklichen Aktivität. Und der aktiv gewesene, wird das spätere. Leben auch aktiv für sich gestalten können. So verträumt und in vergangene Zeiten versponnen die Korporation dahinznleben scheint, so aufgeweckt und arbeitvoll mag sie vielmehr ihren Kampf ums Dasein führen. Der freie Student aber, der im schlichten bürgerlichen Rock in der Menge verschwindet, den niemand zum Handeln und Arbeiten antreibt, ist vielmehr der, der hundertmal eher in Gefahr konnuen kann, ein verträumtes und lebensfremdes Dasein - auch heute noch — auf Deutschlands Hochschulen zu führen. Das gilt im allgemeinen für alle geschlossenen Korporationen. Dag der K. (5 daneben noch seine Mitglieder mit ganz bestinunten, für sie unendlich wichtigen Lebensfragen erfüllt, und der Form der Korporation einen noch sehr aktiven C h a r a k t e r g e h a l t mit eitler aktiven Lebenstendenz gibt, muß neben allen übrigen Vorteilen des Korporationslebens die K. C.-Verbindungen zu besonders wertvollen Jnstrumeilten akademischer Erziehungsanstalten machen. . * >1» * Die Raffenmerkmale der Inden. Eine Einführung in ihre Arnhropologie . von Dr. Maurice Fishberg. Mit 42 Tafeln in Kunstdruck. 1013. Berlag von Ernst Reinhardt, München. Besprochen von l)r. Alfred Uloldschmidt tPiadrinae)^BerÜn. Bücher haben ihre Schicksale. Dieses Buch hat sein besonderes Schicksal, indem es in den glühendheigen Kampf des Tages mit einer glühendheigen Frage eingestellt wird. Alle Parteien stürzen sich aus diese Frage ttitb aus dieses Buch, an dem sie nicht ohne Anteilnahme voriibergehen können — leidenschaftlich hassend oder liebend, ablehnend oder zustimmend. So »vollen »vir denn das Eine vorattstellen, ivas »licht umstritten »verden kann: daß ein unendlich grobes Material znsammengetragen und wissenschaftlich bearbeitet worden ist. Die Frage des Buches und die Antlvort des Verfassers, mit der das Werl schließt, ist: Das Judentum »var tlnd ist eine Religion, aber nie»nals eilte Rasse. Die „Frage" des Buches würde keinen besondere»» Schwierigkeiten unterliegen, »venn sie nur vom wissenschaftlichen Standpunkt alis beleuchtet werden könnte, wenn nicht die Politik mit ihren Verzerrungen und Verdrehungen, mit ihren Wünschen und Hoffnungen, kurz mit ihren Deutungen in sie hineinspielte. Gleich anl Anfang des Werkes lesen »vir den Satz: „Für den »vissenschaftlichen Anthropologen ist Rasse ein biologischer Begriff, der im allgemeinen für ihn dasselbe bedeutet wie für den Zoologen »md Botaitiker: eine durch gcmettifmtte Abstammung verbundene Gruppe von Tieren oder Pflanzen. Das hauptsächlichste Rassenkennzeichen ist Typus-Gleichartigkeit »nit nur geringer Ablvcichung voin typischen Beispiel der Gesamtheit." An diesem Satze dürfte, sviveit eine rviffenschaftliche Definition in Frage kommt, nicht gut zil rütteln sein. Der Alltor stützt seine Ailichauung — eine Anschauung, die übrigens ans alle zivilisierten Rassen zlitrifft, — dag die Juden als eine reine Rasse nicht bezeichnet »verden können, auf die Tatsache, dag zu allen Zeiten der jüdischen Geschichte eine Infusion fremden Blutes in dasIudentulll stattgesllnden habe. Er crrvähnt die Aeußerung eines jüdischen Theologen'.„Mischehen zrvischen Jllden und anderen wurden bis z»»r Zeit Esras so hällfig geschlossen, dag hierdurch allein ein Anspruch auf Rassenreinheit der Jllden abgewiesen

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