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KC-Blätter · 1913-05-01 · Heft 8 (1.5.1913) · p. Seite 173

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 8 (1.5.1913)
Date
1913-05-01
Page
Seite 173 (sequence 9)
Language
German
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173 werden muß". Drakonische Anordnungen wurden während der babylonischen Gestmgenschaft gegen die Mischehe erlassen. Immer wieder hat die katholische Kirche im Mittelalter Verbote der Mischehe mit Juden ausgesprochen. Die Verhältnisse der Reuzeit sind uns allen zu sehr bekannt, als daß ivir sie hier zu berühren brauchten. Der Typus oder der phyfivgnvmische Charakter einer Voikschaft oder sozialen Gruppe ist — wie Fischberg bemerkt — nicht anthropologisch - wir möchten ergänzend bemerken: nicht nur anthropologisch , sondern sozial. Ein psychischer Faktor' ist nicht zu Unterschüßen: Lange Leiden und Verfolgungen drücken einen gemeinsamen Stempel mi}. Die eingeborenen Christen Aegyptens sKopten), die Basken in Frankreich und Spanien, die Armenier sollen „wie Juden auSsehen". Auf die vielen Einzelheiten, auf die Fishberg seine Anschauung stützt, kann natürlich im Rahmen einer kurzen Besprechung nicht eingegangen werden. Hier must auf das Original verwiesen werden. Wenn Politik durch Wissenschaft zu lösen wäre, dann könnte mau mit stecht sagen, das; den chauvinistischen Inden der Stolz ans die vieltausendjährige Stammesreinheit der Juden entzogen sei, ebenso wie auch den Antisemiten die Grundlage dafür fehle, das; jüdisches Blut sich mit nicht jüdischem Blute nicht mischen könne, das; die jüdische Rasse in ihrer Isoliertheit eine Gefahr für ihre Umgebung bilde. Der Verfasser betont mit Recht: die schriftlichen) Gegner sprächen von einer Präponderanz des jüdischen Blutes, weil nur der jüdische Durchschlag positiv gebucht werde. Die jüdischen Gegner haben den Verfasser und sein Blich geschmäht, indem sie ihm vorwarsen, eS ebne in glänzender Weise den Weg zur Taufe. Nun — das Buch ist zu ernst, als das; man den Verfasser vor solchem Amvurf zu schützen brauchte. Es wird gewis; Fishberg nicht einfallen, einen jüdischen Stamm und jüdische Eigentümlichkeiten - ttt gutem und bösem Sinne — zu leugnen. Die Wirkung, die die Gesamtheit als solche, als Ganzes auöübt,ist da, fraglich sind nur die Schlüsse, die man aus ihr ziehen zu dürfen glaubt. Was hat das Birch von Fishberg gewirkt, wenn man sich seine Anschauungen ,\n eigen macht? Rur das chauvinistische Moment auf jüdischer und christlicher Seite, daS den Streit um die sogenannte Frage der „Assimilation" zu einem so abstoßenden gemacht hat, ist verschwunden. Auf dies Moment sei noch mit einigen Worten eingegangen. Alan hat den Begriff Assimilation zu einem Überalls häßlichen Wort gelllacht, man hat diesein Wort geradezu Gewalt angetan. Aus Annäherung in Ehren hat man Aussaugung ohne Würde geinacht. Was versteht „um denn nun eigentlich unter Assimilation, lvie wir sie allsfasseil, wenn man dem Wort die Würde nicht nimmt, die in ihm liegen kann? — Annäherung! — an rven? — Annäherung an was? — Run, wir antworten: Annäherung an diejenigen, die llnter freiesten Bedingungen zu den höchsten Zielen menschlicher Gesittung gelangen können) Annäherung an daS, ivas uns das höchste Ziel menschlicher Kultur bedeutet. .Kein ernsthaft und aufrichtig Denkender rvird behaupten »vollen, das; es dazu der Aufgabe der jüdischeil Gellleinschaft bedürfe, kein anständig Denkender wird mu dieses Zieles willen sich von seiner angestnnll»»ten Gemeinschaft trennen wollen. Das Verwerfliche in der Taktik unserer Gegner ist, daß sie in der sogenannten „Assimilantenfrage" die charakterlich achtbarsten Elemente mit derl charakterlich verwerflichsten in eine Reihe stellen und nun gegen alle ihren Hohn, ihren Haß, ihren Geiser richten. — Das Buch von Fishberg - ist ein überaus empfehlenöivertes, lesenswertes Blich, das viel zur .Klärlmg strittiger Fragen beizutragen imstande ist. Verbands-Nachrichten. Bavaria. Wir eröffnet».'»» das Sommersemester am 14. April mit dem alttradilioneUen Frühschoppen im „Weihen Bock", und zwar mit 10 aktiven Burschen und 1 Brandfüchsen. Dazu kam noch unser a. B. Arthur Fsay ans Eöln (A. .£>. einer l. K. B. Rheno-Silesia», der hierseldsl Viaiionnlökvnvmie studiert und sich in dankenswerter Weise rvieder aktiv meldete und der von einer I. M. B. Sprevia überwiesene Brandfuchs Hellmnth Marens ans Pyrmont. Was dasBerbindnngsleben anbelangt, so köllnen wir in jeder Beziehung recht zufrieden sein. Die in» herrlichsten Frühlittgsschniltlke prangende Umgebung Heidelbergs durchstreifen lvir in fröhlichen Wanderungen. Anderseits vernachlässigen »vir auch »licht ein echt studentisches Korporationsleben, so daß auch schon den jilngen Füchse»» unser altes Heidelberg lieb u»ld vertraut geworden ist. Sv veranstalteten »vir am 22. April eine fenchtsröhliche Bvlvle auf der Kneipe, die einen äusterst gemiitlichen Berianf nahm. Auch hatten »vir schon vielfach die groste Freude, einige anSrvärlige Alte Herren und Inaktive begrühen zu dürfen. Schließlich halten wir nach »vie vor einen strannnen Fechtbetrieb ao, der es uns ermöglicht, in kllrzer Zeit tüchtige Fechter heranzubilden. Die am 14. April ftattgefnlidene»» interimistischen Chargenwahlen hatten folge»»des Ergebnis: Willy Loewenthal X, a. i., F. W., 1. C. W., Schrv. W., B. e. A. für Leibesübungen, Berthold Guthmann XX, a. i., 3. K. W., Ludwig Speier XXX, a. i., S. W.,

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