KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1912-1913
- Issue
- Heft 8 (1.5.1913)
- Date
- 1913-05-01
- Page
- Seite 171 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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An diesem Punkte möchte ich einsetzen, um zu beweisen,das; derjenige,welcher in einer Korporation die studentischen Jahre verbringt, nicht blos; das Schönere, sondern auch daS (Gescheitere lvühlt, als der Freistndent. ES ist ein kostbares Gut um die Freundschaften der Jugend und das Frischbleiben derselben, und jeder ivird danach lechzen, sie für das Gebell sich zu bewahren. Gibt eS da nun ein besseres Konservierungsmittel als das Band der Verbindung oder des Kartells, das sie alle umschlingt. die jemals ans der Hochschule sich nahe und lieb waren? Wie leicht trennt das Leben, trennt die mörderische Zeit, die Verschiedenheit der Orte und Berufe und wie senkt sich bald Vergessenheit oder neues Interesse trennend zwischen die früheren freunde. Die Korporation hält sie aber sür immer wach und kräftig am Leben. Man bleibt im Verbände, und der Verband fordert zu gemeinsamen Tagnngen, zu gemeinsamen Forderungen und Interessen ans, so das; stets ein gewisser Komplex gemeinsamer Dinge neubelebend und nie vergehend die Personen zu der Korporation und dadurch die Personen auch zueinander führt. So greift, nur was die Freuudschast angeht, die Korporation lebendig in die späteren Zeiten ein, ein Bindemittel, das der Freistudent stets vermissen ivird. Gerade so enge kettet aber die Korporation mich in der Zeit der Aktivität und verhütet ein AuSeinandersallen begonnenerFreundschaften, indem sie immer wieder die jungen Köpfe, die sich vielleicht einmal entzweit haben, wieder zusammensührt. Wie manches wertvolle Band ist dadurch neugekniipft worden und erhalten geblieben, das ohne Korporationszwang getrennt worden luiive! Wir können in der Erzeugung von Freundschaftsverhältnissen das Verbindungsleben gar nicht hoch genug einschätzen. Wenn auch der freie Student sich seine Bekanntschaften frei nuSsuchen kann und er nicht gezwungen ist, mit ihm nicht genehmen Menschen zusammen zu sein, so fehlt ihm doch anderseits die Gelegenheit, mit solchen Kommilitonen zusammenzukommen, die ihn von vornherein weniger anziehen. Er ivird daher nur dem sich anschließeu wollen, und sich daher tatsächlich anschliesten, der ihm sofort gefällt. Welch eine Fülle von Bekanntschaften wertvoller und interessanter Art geht ihm dadurch verloren! Ist es nicht eine Regel des Lebens, das; zwei Menschen sich oft erst schätzen und lieben, nachdem sie eine Strecke Weges ohne Spmpathie zusammen zurttckgelegt haben, gerade weil wertvollere unb innerliche Naturen erst mit der Zeit und nicht gleich jedem gegenüber als solche enthüllen? Die Korporation mit ihrer Fülle von Angehörigen und der Gemeinsamkeit des Betriebs stellt die verschiedensten Charaktere mit Notwendigkeit einander gegenüber. Und der eine entdeckt dann im andern Anziehungspunkte, die er bei kürzerer Bekanntschaft nie hätte finden oder vermuten können. Man tritt in eine Varietät zufällig zusammengekommener Menschen. Man ist gezwungen mit solchen zu verkehren, die wesensfremd sind oder so nur scheinen. Alls diese Weise hebt die Korporation bei'den jungen Studenten sehr rasch die Menschenkennt n i s. Wv gibt es denn sonst eine (Gelegenheit, das; man bis dahin fremde Menschen bei intimen Anlässen nnb während längerer Zeit beobachten kann. Man lebt mit ihnen und ist deshalb gezrvungen, mit ihrer Art auszukommen und sie zu studieren. Ungeniert rvird man sich gegenseitig kritisieren, und ums; nnm sich verstehen lernen. Man blickt tief in die Schicksale des Andern ein, lernt kennen wie er daS Leben anpackt und ivird von den Sitten ungeivvhnter .Kreise berührt. Für einen jungen Wtenschen, der bis dahin nur im engen Kreise seiner Familie und seines Heimatortes lebte, gewis; eine neue Welt. Unb weil man diese neue Welt intim kennen lernt, bildet und fördert sie den jungen Aktiven für das Leben mehr, wie daS vielleicht einige Abende tun können, die der Freistudent für Vorträge und Theater übrig hat, indes der Korporationsstudeut die Zeit bei seinen Bundesbrüdern verbringt. Dabei ist aber heute das Verbindungsleben nicht mehr so intolerant wie früher, wo die Verbindungen ihre Angehörigen gleichsam von der Welt absperrten und sie für jede Stunde an die Korporation banden ^Bekannt ist es, das; hellte fast alle Verbände ihren Angehörigen die grös;te Freiheit zum Betreiben ihres Studiums lassen, unb das; sie auch für die Abende dispensieren, lvelin llicht gerade offizielle Veranstaltungen stattfinden. Also der Korporationsündent, der sogar oft zll eifrigem Studiunl angehalten wird, damit er den» Verband keine Unehre antnt, wird den Kontakt mit der Universität ln,d der Stadt und ihren Genüssen nicht verlieren Die Verbindung wird sogar darüber hinaus erzieherisch aus ihren Angehörigen lvirken. Ich meine hierbei nicht blos; die spezifisch studentischen Eigenschaften, die sie dein jungen Studenten anerzieht, sondern er lvird auch in allgelneinen praktischen Dingen in der Regel viel voll seiner Korporation lernen können. Die älteren Verbandsbrüder werden Lebensart, Auftreten, gesellschaftliche Notwendigkeiten, kurz jeden Schliff und Schneid den» jungen Fuchsen beizubringen verstellen, »md dieser »vird schon nach dem ersten Semester als ganz anderer nach Hause kehren, als er gekonunell ist. Del»! mag eine gute Kinderstube noch soviel mitgegeben haben, etwas bleibt an der Aktiven doch ilnmer noch zu lernen übrig. Ganz unschätzbar ist aber, was der junge Student auf dem Konvent an rednerischer