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KC-Blätter · 1913-05-01 · Heft 8 (1.5.1913) · p. Seite 169

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 8 (1.5.1913)
Date
1913-05-01
Page
Seite 169 (sequence 5)
Language
German
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16!) verehrt Zwar gehört er nicht zur zünftigen Germanistik, dafür aber besitzter „inneresSchauen" und jene „sichere Stimme des Blutes", die, nach Ansicht eines seiner Anhänger „tausendmal beweiskräftiger ist als die scharfsinnigsten rein von außen geschöpften und nach außen gerichteten logischen Ableitungen eines semitischen Gehirns". — Mit solchen Gaben ausgerüstet hat Guido von List nun ivichtige Entdeckungen gemacht. Als erste ist zu nennen die Entdeckung der „Armauen", einer altheidnischen Kultgesellschast, die der Träger einer uralten geistigen germanischen Kultur sein soll, ferner die Entdeckung der Halgadome (der Name ist verballhornt ans angelsächsisch Haligdom christliches Heiligtum), heidnischer Zentren des Unterrichts und des Kultus. List hat auch das „Geheimnis der Runen" entziffertsie werden erklärt alls einer urarischen Mysterirnsprache, welche die gemeinsame Grundlage säst aller Sprachen der Erde sein soll, des Latein nnd des Griechischen, des Persischen, Sanskrit, Ehinefischen, und natürlich auch unserer deutschen Muttersprache und der ihr verwandten Idiome. In seinem Werke, die Rita der Ariogermanen, schildert List daS altgermanische Recht und zeigt au oittev Reihe von mittelalterlichen Institutionen, wie z. B. der Fehme, die heimliche Iortivirknng des alten „Armanenrechtes". Es seien schließlich noch die Titel der folgenden Werke angegeben: DieReligion derAriogermmiender Uebergaug vom Wuvtanismus zum Christentumdie Völkernamen der Ariogermanendie Bilderschrift der Ariogermanen. Die Ergebnisse dieser Schriften sollen nun die deutsche Geschichte in einem ganz neuen Lichte zeigen. Aber wichtiger als für das Verständnis der deutschen Vergangenheit nnd die Listschen Schriften, die sich in vielem mit denen eines Willy Pastor und eines Jörg Lanz von Liebenfels berühren, für die Zukunft des deutschen Volkes. In der Dezembernummer der „Wartburg" (Zeitschrift siir den ostmärkischen Burschenschafter) heißt es am Schlüsse eines mit PH. St. (Philipp Staufs'?) unterschriebenen Artikels: „Je mel)r diese Erkenntnisse im deutschen Volke Gemeingut werden, desto klarer werden wir auch sehen in bezug auf die deutsche Zukunft imb auf die Wege, die in diese führen. Guido von List aber wird künftigen Zeiten sicher als eitler der größten Männer gelten, die ihrem Volke je geschenkt worden sind." Die eben genannte Zeitschrift hat sich aber nun auch das Verdienst erworben, den Guidovon-List-Kultus in seiner ganzen Lächerlichkeit bloßznlegen. In der gleichen Dezembernummer, in der PH. St. einen Guido von List als einen der größten Männer des deutschen Volkes feiert, deckt ein Germanist vom Fach, Or. Viktor Waschnitius (Libertas-Wicn) in einem Artikel „Ein offenes Wort über die Guido-von-List-Berehrung", den Schtvindel der Listfchen Weisheiten auf und zlvar Ullter Anlehnung an eine vernichtende Kritik, die der bekannte Wiener Germanist, Professor Mlich im Mvnatsblatte des Vereins für Landeskunde von Niederösterreich (8. Jahrgarrg, Nr. 18, Juni 1!K>9) der Listfchen Arbeit angedeihen ließ. Der Artikel des lir. Waschnitius verdient, in der breitesten Oesseut lichtest bekannt zu werden, damit endlich den» Unfug gesteuert wird. So lange die Bewunderung für List, stthrt Dr. Waschnitius aus, außerhalb der akademischen Kreise ihre Anhänger fand, lohnte es sich nicht der Mühe, ctivas dagegen zu hm. „Es handelt sich da eben mn ein nationales Agitationsmittel, das seine Wirkung auf die breiten Massen nicht versagt und es ist schließlich gleichgültig, ob deren Anschauungen der Wirklichkeit mehr oder minder nahe kommen, ivenn sie nur national gefärbt sind, und das wird durch Lift s Werk wohl erreicht." Wenn aber auch die akademisch «Gebildeten anfangen, List ernst zu nehmen,') dann sei eS höchste Zeit, dagegen aufziltreten, bnmit nicht innerlich ganz wertlose Werke und Persönlichkeiten gepriesen werdetl, „nur weil sie sich ein nationales Mäntelchen umhängen." Waschnitius beginnt damit ein paar Beispiele zu geben, wie Lift feine Behauptungen zu belegen und zu beweisen sucht. List bedient sich dabei einer Art philologischer Riethode aus der Wortdeutung z»lr Sachkenntnis zu kommen, und spiegelt durch Zitate, Etymologien nstv. eine Art wissenschaftlicher Beweisführung vor. „Aber wie treibt es dieser „Gelehrte imb Seher"? Er erklärt z. B. ein Wort „Urda" als das, was zur „Ur- Zeit-da" war. Nur gibt es diese» Wort in gar keiner germanischen Sprache. Es ist ihm das Malheur passiert, eine der jüngsten Zeit nngehörige au» lateinischen Uebersetzungen stammende Latinisierung des altnordischen Wortes urdh zu erwischen .... Solche Wortdentnngen hat aber List in Menge. Z. B. Edda als das, was „ehda" war, nstv. Das sind ja Wiste, die für eine Kneipzeitllng blöd genug wären. Und solches Zeug wagt man „inneres Schauen" zu nennen. Es kommt aber noch besser: So soll dem Wort Schule, das, wie jeder Gyntnasiast weiß, ein Lehnwort aus dem lateinischen Schola ist, ein sa-nl oder sa-ol zugrunde liegen, Wurzeln, die sich List aus den Fingern gesogen hat. Man glaubt es mit einem Wahnsinnigen zu tun zu haben, wenn man hört, daß Jülich (das lateinische Iuliacum) Wissenslicht, Oleron, (französicher Ört) Wifsens- ') In» Oktober- und Novemberheft der „Marburg" hatte Dr. Patscheider in einem Artikel: .Betrachtungen z»rr germanischen Morschung" List als „2eher" gegen die zünftige Germanistik ausgespielt.

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