Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1913-04-01 · Heft 7 (1.4.1913) · p. Seite 160

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 7 (1.4.1913)
Date
1913-04-01
Page
Seite 160 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2268830-2268832-2268840--0797-2270012
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

sondern dieAusnahme aller jüdischen Kommilitonen oO. Am betrübe,tdsten m,5 »venia cfircnuoll sitr die Corpv erscheint es, tvenn sie sich l>ei der Ablehnung aus die Wünsche einiger charakterloser jüdischer Mitglieder berufen. Ist eS denn dem Verfasser nicht bekannt, das, die große Mehrzahl der jüdischen CorpSstudenten den Ausschluß der Inden mißbilligt bat nnd daß zahlreiche von ihnen charaktervoll genug rvaren, ihre Bänder zttrückzusenden? Ergebnisse der großen juristischen Staatsprüfung in Preußen im Jahre UM2. Der im preußischen Justiz. Ministertalblatt vom 14. Februar d. I. veröffentlichte Bericht des Präsidenten der Justiz Prüfungskommission zeigt miedernttt eine außerordentliche Berschlechter,«ng des Ergebnisses der Prüfung. Die Zahl der Referendare, »velche die Prüfung nicht bestanden haben, ist abermals gestiegen und beträgt jetzt fast genau l/4 aller Geprüften. Das Ergebnis der Prüfung in bcn letzten Jahren ergibt sich aus der nachstehenden Tabelle: Jahr Zahl der Geprüften Zahl der Bestandenen Zahl der Nichtbestandenen Prozentsatz der Nichtbestandenen 1005 1002 821 181 18,1 1000 1118 940 178 15,9 17,5 1007 1248 1029 219 1908 1209 1041 228 18,0 18,4 1909 1385 1130 255 1910 1538 1258 284 18,2 1911 1552 1217 335 21,0 21,8 1912 1540 1102 384 Die Zahl der geprüfte,! Referendare hat sich also in den lebten 8 Jahren nicht erheblich geändert. Dagegen hat sich das Verhältnis der Nichtbestandenen zn den Bestandenen wesentlich verändert. Sind doch die Bestandenen in den lebten 3 Jahren um 00 zurückgegangen, während zugleich die Zahl der Nichtbestander,en um 104 hiuanfschuellle. Der Prozentsatz der Nichtbestaudeuen ist daher in derselben Zeit um 0,0°/« aus 24,8% gestiegen, eine Zahl, die bisher nieruals erreicht »vorden ist und wohl auch bei keiner anderen Staatsvrüsung erreicht wird. Dabei hat sich gleichfalls die Zahl derienigen Kaudidateu, die zum wiederholten Male die Prüfung ohne Erfolg ablegten und daher ihre Prüfung nicht nrehr rviederliolen dursten, nnedernn, erheblich "erhöht. Es ivaren in diesen» Jahre nicht »veniger als 74 gegen 5<r tut Ja Irre 11)11, 47 im Jahre 11)10 und 33 tut Jahre 1000. Der Präsident der Prüsungskommission gibt für die ungünstigen Prüfnttgsergebniffe folgende Gründe an: „Gestützt ans vielfache Beobachtungen und Erfahrungen glaube ich die Zunahme der Mißerfolge bei der Priifung zun» Teil daraus znriickfiihren zu müssen, daß niit den» iibergroßen Andrange zur juristischen Laufbahn die Zahl derjenigen stark gervachsen ist, die sich nach Veranlagung und Begabung für den juristischen Berns nicht eignen. Diesen mangelt es in der Regel an wissenschaftlicher Durchbildung, klarer Anssassnng nnd selbstständigem Urteile; sie können daher zur Ausübung des Richterauits nicht fiir befähigt erachtet rverden, auch wenn redliches Bemühen im Vorbereitungsdienste sorvie ein rein gedächtnismäßiges Einprägen von Rechtsstoff nicht zu verkennen ist. ES ist gervitz für die Betroffenen ein herbes Geschick, nach einer langen Ausbildungszeit von der begonnenen Lebensbahn ausgeschloffen zu werdenaber nicht die Prüfungskominission kann darin Wandel schassen, die Beteiligten selbst werden aus eigener Entschließung oder ans Eiinvirknng von Vorgesetzten, Angehörigen oder 'Beratern von Beginn oder Fortsetzung der juristischen Laufbahn abstehen rnttffen. Die Zahl derer, die während deS Vorbereitungsdienstes solcher 'Einsicht oder Anregung Folge geben, ist leider sehr gering." Diese Gründe können die starke Steigerung des Prozentsatzes der Nichtbestandenen nicht erklären. Denn diese Gründe haben ja friiher in derselben Weise bestanden. Die ungünstigen Ergebnisse der letzten Jahre waren eigentlich tun so weniger zu erwarten, als zrveifellos der Fleiß nnd die Leistrtnge» der Referendare während der Vorbereitnngszeit ,uov auch der Präsident der Iustizpriisuugskomtttission sowohl ln den vorigjährigen als anch in diesem 'Bericht anerkannt hat — erheblich getuachsen sind. Das Ergebnis der Priifung kann daher wohl nur auf eine übermäßige Steigerung der Anforderungen tut Eramen znrückgefnhrt werden. Ob eine derartige Erschrvernng des EramenS berechtigt ist, kann wohl bezweifelt werden. Denn das Eramen bietet an und fiir sich noch keine unbedingte Gewähr für die Tüchtigkeit dev einzelnen und unter denen, die nicht bestanden haben, «tag sich ntancher befinden, der in der Praxis mehr zu leisten in,stände ist als ein anderer, der das Prädikat „Gut" erlangt hat. Wenn eine schärfere Auslese getroffen werden soll, dann wäre eS jedenfalls im Interesse aller Teile, wenn diese bereits durch eine Verschärfung des Rrierendareramens oder in ersten Jahren des Vorbereitungsdienstes erfolgte. Auf eine Erschwerung des Examens rveist auch die trotz der Steigerung der Leistungen geringe Zahl der Prädikat-Assessoren hin. Bon den 1103 Kandidaten, die in diesen, Jahr das Eramen bestanden haben, erhielten 10:14 die Zensur „Ausreichend", 125 das Prädikat „Gut" nnd 0 das Prädikat „Auszeichnung". Der Prozentsatz der Bestandenen, die das Prädikat „Gut" oder „Auszeichnung" erhielten, betrug noch im Jahre IDOS 14,0 und fiel dann im Jahre lix») ans 13,5, 1010 ans 12,8, 1011 ans 11,8 nnd in diesem Jahr auf 11,0. Im letzten Jahre ist übrigens ein neues Zwischenpradikat „Fast gut" geschaffen worden, das zwar nicht offiziell in dein Zeugnis niedergelegt wird, sondern lediglich als „Aktenverinerk" in den 'Akten geführt und bei der Anstellung berücksichtigt rvird. 'Bon den Referendaren, die „Ausreichend" bestanden 1>uben, haben 183 diesen Aktenvermerk erhalten. Ein sehr großer Unterschied besteht auch in den Leistungen der Kandidaten aus den verschiedenen Oberlandesgerichtsbezirken. Die besten Resultate weist der Kannnergerichttzbezirk ans, wo nur l 7,8 % der Geprüften nicht bestanden, ivührend 1-5,". "/„ das Prädikat erhielten. Am schlechtesten schnitt dagegen der Bezirk Hamm ab, nw 07 Kandidaten (Ot)der Geprüften! durchfielen, darunter 10 zürn zrveiten Male. Eine jüdische Akademiker-Aersamrnlnng. Dr. Moses, der Leiter der Bersanunlung, über die wir im letzten Heft unserer Zeitschrift (S. 148) berichteten, legt Wert auf die Feststellung, daß die von der 'Versammlung angenommene Resolution ursprünglich von den Einbernfern eingebracht worden und von diesen gemäß dem Anträge von Dr. Bier jLic., Rhen.-Sil.) abgeändert worden ist. Wir bringen diese Mitteilung zur .Kenntnis, trotz der. ungebührlichen Form,in die Dr. 'Moses sie eingekleidet hat. Die Darmstadter Studentenschlägerei hat jetzt ihre Sühne durch das Gericht gefunden. Nachdem nunmehr der Sachverhalt des traurigen Vorfalls durch die Gerichts Verhandlung vollständig geklärt ist, erscheint ein Bericht hierüber tun so mehr angebracht, als über die Motive der Tat viele irrige Anschauungen verbreitet waren.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.