Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1913-04-01 · Heft 7 (1.4.1913) · p. Seite 154

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 7 (1.4.1913)
Date
1913-04-01
Page
Seite 154 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2268830-2268832-2268840--0791-2270006
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

- -UMGWchMMWk 154 suchens die Herausgabe abgelehnt hat. Und auf die Mitwisserschaft des Antizivnistischen Komitees deutet nicht nur das Interesse, das dieses an mlsererBelänkpfnng überhaupt hat - zu ähnlichen Zwecten ist es ja gegründet worden-, sondern vor allem auch die Art der Verbreitung und Berwendung in Köln. Wir haben urtö nur sehr schwer zu dem Schritt an die staatlichen Liehörden entschlossen. Erst als alle anderen Mittel, auch iuiensive Nachforschung in »»seren eigenen Reihen und giitiiche Berhnndlungeu mit der» .N.E., erschöpft rvaren, »nifften rvir ihn tun. DaS Verfahre» »»sererGegner ist nur geeignet, unsere Korporation zu schädigen, sondern es zeigt sich hier eine derartig niederträchtige .Nampfeswelse und eine so unanständige Gesinnung, das; eine ^üchiigung mit den schärfsten Mitteln gerade im Interesse der Reinigung des jüdisch - politischen Lebens uotwendig ist." (Ls wird nunmehr wohl niemand mehr im Zweifel darüber sein, was er davon zu halten hat, wenn das Präsidium des B. I. C noch leugnet, das; es Mitglieder des K. (5. der „niederträchtigen Kninpsesweise" und der „unanständigen Gesinnung" bezichtigt habe und kühn behauptet, cü dabe nur diejenigen gemeint, die angeblich die Hefte des „Jüdischen Studenten" entivendet haben, von denen aber in Wirklichkeit an der fraglichen Stelle überhaupt nicht die Rede ist. Die Herren möchten sich heransreden, »veil sie vielleicht nachträglich doch ein Gefühl der Schani beschlichen hat, vielleicht auch nur deshalb, weil sie begriffen haben, das; die von ihnen gewählte Kampsesweise ans denjenigen znrücksällt, der sie übt. (Ls wird aber dem B. I. (5. nicht gelingen, irgend einen Menschen, der die Erklärung vom 18. Februar a. c. gelesen hat, über die Jadenscheinigkeit seiner „Berichtigung" hinwegzntänschen, uma! angesichts der Tatsache, das; das Präsidium cs B. I. (5. bereits in dem öffentlichen Februar- Heft 1012 des „jüdischen Studenten" die Entlarvung seiner zufällig zu unserer Kenntnis gelangten hinterhältigen Zettelnngen, als Anwendung von Mitteln bezeichnet hat, „mit denen sich politische Parteien bekämpfen, wenn die Leidenschaft der Wahlagitation alle Zügel gelockert hat". Den Herren vom Präsidium des B. I. E. scheint wohl llachträglich vor ihrer eigenen „Eourage" bange geworden zli sein. Rechtsanwalt Karl Löwenstein. Studie zur Entstehungsgeschichte des modernen Mrtschastsgeistes. (Eine Entgegnung auf Svmbart: Die Juden und daS Wirtschaftsleben.) Bon vr. phil. et jur. Erich Marx (Rheno-Silesiae), Essen. (Schluß.) Aus allem Gesagten geht hervor, daß die Völker des Mitlelmeers die entscheidende Rolle in der wirtschaftlichen und speziell kapitalistischen Anregung deö VkordenS gespielt. ES entwickelte sich mif Grund dieser Einwirkung schon früh ein verhältnismäßig starkes kapitalistisches Leben in manchen Gegenden RordeuropaS. Die Entwicklung des neuzeitlichen Kapitalismus setzt in folgenden Etappen ein: Um 850bis050 beginnt das Nenansleben des uralten hochintensiven Wirtschaftsgeistes (Kapitalismus) der Mittelmeervülker, zuerst tut arabisch-jüdischen Spanien, dann in Italiert. Der neue Geist wird allmählich nach dem Norden Europas getragen (1100 bis 1500). Als das Wirtschaftsleben der Mittelmeervölker seit 15M erschlafft, ist der neue Geist im Norden schon heimisch gelvorden. ES hat die neuzeitliche WirtschaflSentwicklnng NordenropaS begonnen, auf dem Kontinent durch starke Rückschläge unterbrochen (Religionskriege, fürstliche Machtkämpfe, Oievolutionen). Zn diesen Vorgängen in Ätordeuropa haben die Inden eine bedeutendere Ol olle gespielt als in der Entlvicklung deS südeuropäischen Kapitalismus (eine größere Rolle haben sie int Süden nur in Spanien gespielt). Aber keineswegs durchweg, überall, zu allen Zeiten. An bem Kapitalismus SüddentfchlandS von 1400 biS 1600, der Hanseaten von 12()() bis 1600, der Niederländer von 1300 bis 1550 haben die Inden nur sehr geringen Anteil, ja eigentlich gar keinen. Wo nun aber der neue Geist seine Wurzeln a»n kräftigsten schlägt und wo die rechtlichen Voraussetzungen gleichzeitig gegeben Und, da sehe» wir die Juden himvandern und gewaltig fördernd in die Entlvicklung eingreisen. Andererseits ist eS richtig, daß dort, wv die Inden fortziehen, daS Wirtschaftsleben verdorrt. Daraus ergibt sich: Kapitalistisch disponierte Völker ziehen die im Laufe ihrer Geschichte kommerziell hochintensivierten Juden an, aber kapitalistisch nicht disponierte Völker stoßen die Juden ab. Oder sie bringen den jüdischen WirtschaftSgeist zu einer Rückbildung. Unter heutigen Verhältnissen, wo eine Ausweisung der Inden nicht mehr in Betracht konlnlt, tritt durchrveg diese Rückbildung ein. In Galizien sind'nach der Volkszählung von 1000 von der jüdischen Bevölkerung nur 01398 Personen (darunter 47050 Selbständige) — 28,4 auf einen Artikel der Allgemeinen Zeitung des Judentums findet, bezieht sich offensichtlich nur auf diejenige», die Hefte deö Jüdischen Studenten entivendet haben, und kann daher nicht aus Mitglieder deö K.C. bezogen werden; daß Mitglieder des K. E. bei der Entwendung der Hefte mitgewirkt habe»!, hat der N. I. E. nie behauptet.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.