KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1912-1913
- Issue
- Heft 7 (1.4.1913)
- Date
- 1913-04-01
- Page
- Seite 152 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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152 singt uns ein Lied von der gestrengen Herrschaft deS Winters. Wer wagte sich da früher ai»8 der warmen Stube heraus? .Höre ich da nicht Stimmen utib lallte Rufe? Und dann jagt es heran aus surretldeul Ski und fliegt an mir vorbei. ES knattert der Schriee und sprüht uns um die Ohren, und ein jubelndes „Ski heil" dringt zu uns. Wie ein Blitz ist es vorüber. Ja, daS ist eS, das ist er, der Sport! Er rief sie, seine Getreuen, er ries sie hülter dem Ösen hervor zu sich ins Gebirge und zeigte eS ihnen in feiner ganzen wnnderherrlichen Winterpracht. Und sie käme», llnd sie alle, alle kommen wiederwen es gepackt, ben lässt eS nicht mehr loS, und das Bild der Sonne und des Schnees tritt Immer wieder vor uns, lvenn wir längst wieder daheim inl trüben Alltag sitzen, es bringt einen erfrischenden Hauch voll Winterkälte unter unser dmnpfes Dach. Ein anderes Bild! EinSvmmertag. Flimmernd liegt eine glühendeSvnne über dem glatten Spiegel des Wassers. Doch seine Fläche, die sollst vereinsamt dnliegt, ist heute belebt von hnrrderten von Booten, die sich alle dort hinten zusammendrängen. Eine breite Gasse liegt zwischen ihnen. Sfruun brauche ich nach denl Anlaß zu fragen. Da tallcht eS dort hinten auf, eills, zwei, drei Boote schießen herall. Sehnige Arme, voll der Sonne gebräullt l»nd vom Training gestählt treiben sie durch daS hochallfjchäumende Wasser. Jetzt geht das erste durchs Ziel, und ein jubelnder Zlrrlls der Tausende grüßt sie, die jetzt von der harten Arbeit erschöpft, mit denl Kranze des Siegers gekrönt lvvrden. Zwei Bilder urrr. Reizen sie Euch nicht, locken sie Ellch nicht? Möchtet ihr es denen nicht gleichtun oder »nit ihnen wettzueisern versuchen. Gewiß, ihr treibt Sport. Der ritterliche Sport des FechteilS, der deutsche Strldent hat in herüber gerettet in unsere Zeit. Und es ist ein schöner Sport. Er besitzt in ganz besonderem Maße das, was der »vahre Sport besitzen soll, er erzieht zur Selbstzllcht und znr Mannhaftigkeit. Aber glaubt nicht, daß ihr, wenn ihr täglich eine Stunde aus de»n Fechtboden standet, dann genug für Euer körperliches Wohl getan habt. Hinaus in die freie Natur! ' Unter der dumpfen MaSke bekvlnnlt ihr ihn nicht, den frischen Hauch, der kräftigend bei der Arbeit im Freien Euch durchdrilkgell soll. Jnr Freien arbeiten. Freiluftsport, das sei unsere Devise! Turnen, Ihr tut es jede Woche und es arbeitet sicherlich den Körper gut durch. Aber glaubt nur, ein Nachmittag iin Freien gewandert, es schafft Euch mehr Lebensmut und Jngendkraft als eine Stunde der schlvierigsten Uebungen am Neck oder Barren. DaS Turnen ist gut, es erfordert vor alle»n große körperliche Kraft und bildet sie bei denen, die sie nicht besitze!», aus. Deshalb »vollen lvir es nicht vernachlässigen als einen Sport, dem wir auch an trüben Winterabenden huldigen föimcK. Aber wenn es rnöglich ist, hinaus,' heraus aus der Stube, hineit» in den Wald, auf die Felder und ins kühle Wasser. Treibt Freilustsport! Seine tausendsättigen Möglichkeiten auszuzählen ist hier nicht der Ort. Führt Eure Leute durch die Welt und zeigt ihnen ihre Mannigfaltigkeit a»ts allen Wegen. Schwimmt mit ihnen täglich, r»»dert »nid segelt »lnd sie »verdeu sie kennen lernen, die magische Anziehungskraft, die deS Wasser besitzt, die es als Dnnmelfläcye für den Sportsmann bildet. Da »vird n»ir aber einer sagen: „DaS ist alles recht schön und gut und klingt wundervoll, aber wo sollen wir die Zeit hernehmen? Wir sind doch kein Sportverein, sondern eine Bereinigtlng von jungen, gleichgesinnter! Studenten, die genug mit ihrer Erziehung u»rd der ihrer jüngeren Mitglieder zu tun haben". Gut! Aber vergebt nicht: Mens sank», in corpore sanck". Wenn Eure Leute in körperlicher Beziehung ebenso aus. gebildet sind, »vie in geistiger, dann ist die Erreichung Eurer Ziele hundertmal leichter, dann treten sie noch viel eher mit einer ganzen Persönlichkeit für ihre Bestrebungen ein. Es ist nicht »kleine Sache, f)ler bis inS einzelne gehende Vorschläge zu ,nachen, wie nun die einzelnen Verbindungen der Berwirklichrrng der in obigen Zeilen kurz gezeichneten Ziele zustreben sotten. Nur vielleicht ein paar kleine Leitgedanken, »vie ich mir etrva die weitere Ausgestaltung der sportlichen Bestrebungen denke. Viele unserer K. C.-Berbindungen haben günstige Wasferverhältnisse. Warum »vird nicht ein Ruderboot, ich meine kein Sonntagsnachmittagsboot, sondern etwa ein richtiger Vierer oder dergleichen, wenn auch vorerst nur leihlveise angeschafft? Gerviß, es ist nicht leicht, für eine derartige größere Ausgabe sofort die Mittel auszn!>ringen. Aber rvo ein Wille, da ist auch ein Weg. Ich bin überzeugt, die Alte-Herren-Verbände würden sicher gern das ihre tun, um so gute 'Bestrebungen zu fördern. Und dann findet sich sicher auch einrnal eine Mannschaft, die an einer Regatta teilnimmt, vielleicht auch den Sieg davon trägt. Glanbr Ihr nicht, daß das uns und unseren Bestrebungen von Nutzen »väre? Aber auch im kleinen vorerst läßt sich viel auf sportlichem Gebiete erreichen. Es bralrcht ja nicht gleich ein Ruderboot zu sein, der Tennisschläger in der Hand oder hu Winter der Ski untern» Fuß, sie »verden uns, »venn nur regelmäßig gehandhabt, schon bald den sportlichen Geist beibrinaen. Aber regelmäßig, das ist die Hauptsache. Heute einmal eine Stunde Tennis gespielt und morgen einmal geschwommen,