KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1912-1913
- Issue
- Heft 6 (1.3.1913)
- Date
- 1913-03-01
- Page
- Seite 143 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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143 Akademische Nachrichten go SB (Eine jüdische Akademlfer-Verfamlnlung war Vollmitgliedern deS V. I. St. und des tt. Z. V. in den Svphien- Sälen in Berlin am 20. Januar zusanttnenberufen worden, um zu der AnSländerfrage Stellung zu nehmen. In der zahlreich besuchten Bersammlnng erstattete zn»»üchst i)r. Okvse»»berg (K. 's. V.) ein Referat über die Stellung der Kliniker zur AuSländersrage. Er führte ans, die Belvegnng fei eine antisemitische. Man suche die russischen Inden, die in der Heimat nicht studieren t'önmen, auch hier zu vertreiben. Man stelle die unerhörtesten beleidigendsten Behauptungen über sie ans. DaS schlimmste sei aber,das; jüdische Akademiker sich ans die Seite dieser Antisemiten stellten. Ein jüdischer Akademiker habe sogar noch Berschärfnngen vorgeschlagen (Zwischenruf: „Verleumdung"). Die assimilantischen Inden könnten den Antisemitismus nicht überwinden; das könne nur den ihres BolkstnmS bemühten Nationaljnden »»»öglich fein. Dem Referate, das in einer Berherrlichnng des Zionismus gipfelte, traten mehrere M. C.er und andere Studenten, die auf deutsch-vaterländischem Boden stehen, entgegen. CzapSki (Lie.) rügte es, das; man eine solche Sache zum (Gegenstand einer Propaganda-Bersammlnng für den Zionismus gemacht habe. In den Forderungen der Kliniker sei vieles Berechtigte enthalten, was der Redner Im einzelnen ansfiihrte. Dies müsse man anerkennen; mit «in so gröHeren Erfolg werde man dann die antisenlitischen Fordernngeli bekämpfen können. Im La»»fe der Debatte ergriff sodann Professor l)r. Karl Lewin (Bad. Sprev.) im Allftrage des „GeschäftSführenden Ausschusses des K. C." das Wort. Er führte allS, das; der 5k. C. nuf dem Standpunkt stehe, das; alle berechtigten Forderungen der Kliniker zil nnterstüben seien, dah ina>» dagege»» alle speziell gegen die russischen Juden gerichteten Forderungen, insbesondere die Prozentnornl, ablehnen müsse. Dies sei die Stellung des 5k. E.; behaitpte jetnand etlvnö anderes, so sei das ein Outsider Auch er rügte es, das; man die .Klinikersrage zi« national-jüdischer Propaganda benutzte. Rach einer lange»» DiSkllssion, die sich zu»»» grohen Teil ans jüdischen Parteifragen erstreikte, »vurde von l)r. Bier (Lie., Rheno-Sil.s im EinverständlliS tntt anderen 5l. E.ern folgende Resolution eingebracht: „Die an» 29. Januar in de»» Sophien-Sälen versammelten jüdischen Akademiker erkenne»» die Forder»,ng ci»»eS PH»,sikn»»»S für die ausländischen Studenten für berechtigt an, erheben aber schärfsten Protest gegen Mahnahitien, die, »oie die Einfnhrnng einer Prozentnorm, der rilssischen Jugend die Möglichkeit deS Studinins nirrilnt." Rachde»»l die von de»» Einbernser»» der Bersan»»ilung vorgeschlagene Resolution zurückgezogen »vorder» »var, sa»»d die von de,» K.C.ern vvrgeschlagene Resollltivr» einstimmige Annahrne. stand, unter der Aegide deS „Reichsham>»»erbandeS", der „Deutsch-völkische Studentenverband". Der neue Verein erlies; kürzlich eine»» Aufruf an die »rational gesinnte St»ide»»ter»schaft von Groh-Berlin »rnd lud z>» einer ersten vaterländischen Knndgebtmg der »rationalen Stirdente»»- schaft und Biirgerschast Berlins ein.?lk- 0kebner >v»»rde Adolf Bartels angekündigt; das Thema lautete: Deutscher Versal!. In der Einladung findet inan die blödeste»» Angriffe mit die Inden. Was haben die I»»den nicht alles auf den» .Kerbholz! Sie kennen keine Vaterlandsliebe und keine Religion. Sie »mrergraben den Familiensinn d»»rch Verherrlichung des Dirnenivefens und deS Ehebruchs. Den» Verlange»» des deutschen (Gemütes bieten sie platten Witz oder freche Zote zur Rahr»»ng. Bon ehrlicher Arbeit locken sie hinweg durch den Trug deS mühelosen Spekillatio»»sgelvin»»S. Das ist der „Edelantisemitismus". Er unterscheidet sich von älterer» Formen deS IndcnhaffeS nur dadurch, das; er nicht »»»»mittelbar .;»» körperlirlren» Angriff ausfordert. Wird nun eine neue Aera des Antisemitismus hera»»fziehr»? ES hängt dies in» Grunde von der Ent- »vicklung nnserer ivirtschaftlichen Berhältniffe ab; g»»te Zeiten rverder» ihn lähmen, schlechte Z,eiten »vcrden ihn fördern. Iede»»falls aber firrdet ein ne»»es Aufleben ein anderes Geschlecht uriter den deutschen Juden als ehedem in den achtziger »md neunziger Jahren des voriger» Jahrhunderts. Wir sind nirtjt mehr zerstreut, sondern gesammelt; »vir sind nicht mehr ängstlich, sondern von beso»»nenern Mut; der Feind überrascht uns nicht mehr, sondern »vir sind vorbereitet; wir schär»»e»» »»,»S nicht »»nseres jüdischen Ttnmn»es, foridern bekennen n»»S zu ihm mit Liebe und Stolz. Aber »vir fittb auch weit entfernt von jerien grenzenlosen Uebertreibungen, »vie sie in der .Knristivartdebatte a»»fgestellt »»»»»rden, die uns nur schade»» können, obrvohl ihre ll»»richtigkeit a»»f der Hand liegt. ES »var zu errvarter», das; nllsere Feinde Moritz «>loldsteins AuSführrlirgen im Ktmstwnrt ver»verren »vttrden: „Wir Inden verivalten de,» geistigen Besitz eines Volkes, das »»ns die Berechtigung und Befähigling dazu abspricht. -Immer mehr gewinnt es den Anschein, als sollte daS deutsche Kulturleben i»r jüdische Hände übergehen. Diese ungeheuerliche Tatsache, die Inden wie Nichtjrlden ansregen »»»»»ft, fordert unerbittlich zu Mahregel»» a»,s. — - - DaS derartige törichte Behauptungen, von Juden selbst a»»sgestellt, den» Feinde dankbares Material biete»», liegt auf der Hand. Vielleicht erkennt Moritz Goldstein an diesen» Fl»»gblatte, das fast ganz auf seine»» Anssührnngen aufgebant ist, »vie solche unbedachtsarnen »»nd unrichtigen Bchairptnngen aufgegriffen nttb anögeschlachtet »verder»; er »vird sich dann »vohl künftig mehr der grohen Verantwortung bemüht sein, die er bei solchen Veröffentlich,»ngen »ibcrniinmt. Erich Marr. verlln. Der „EdelantisenritiSinus" lägt von sich hören. In» Herbst berichtete ich von den neue»» „edela,»tise»nitische»»" Vereinen; zu ihnen trat inzivischen eine »veitere Gründung Theodor FritschS: der Gernra»»enorden. Dieser, ein logenartigeö Gebilde, soll in der Stille arbeiten. Einige vielgelesene Bücher »virker» in» gleichen Sirme; anher der älteren Deutschen Literaturgeschichte von Adolf Bartels ne»»erdingS die „Deutsche Geschichte" von Einhart (Rechtsanwalt Clah, Vorsitzender deS Alldeutschen Verbandest utib „Wenn ich der Kaiser »väre" vor» Jrlimann (Pseudoi»»;»»» eir»eS höherer» Regier»»ngSbearr»le»»). Wie bereits in» letzten Heft der K. C.-Blätter »nitgeteilt »vurde, sucht diese Richtung nun auch auf den Hochschule»» Boden zu fassen. In Berlin entvie bevorstehende Eröffnung der frankfurter Universität. Au» 22. Februar ist bei dem früheren Oberbürgermeister AdickeS ein Schreiben des Kultusministers eiirgetrvffen, in dein dieser in» Einverständnis »nit dem Fina»rzmi»»ister mitteilt, dah der Rachweis der für die Universität erforderlichen Mittel in vollem Umfang als erbracht a»»z»lsehen sei. Die Eröffnung der U»»iversität wird Anfang Oktober 1014 erfolgen. Das Königsberger Kaiser hoch. Zu» Veranstaltung des Fackelz»rges gelegentlich der Anrvefenheit deS 5taiserd zurIahrhundertfeier an» 5. Februar »vurde die Studentenschaft il» Grnppen eingeteilt, von denerr fünf je einen Vertreter als Deputation der Studentenschaft vor Sr.