KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1912-1913
- Issue
- Heft 6 (1.3.1913)
- Date
- 1913-03-01
- Page
- Seite 139 (sequence 23)
- Language
- German
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139 So schrieb Bischof Nüdister von Speyer in seinem Pnvilegimn von 1034: „Da ich nus dem Flecken Speyer eine Stadt machen wollte, habe ich die Juden ausgenommen. Ich habe geglaubt, die Ehre unserer Stadt tausendfach zu mehren, da ich die Inden in nnserern Mauern ansannnele." Und im Privilegium des Erzbischofs von .SUWii von 1252 steht: „Wir glauben, das; es nicht wenig zuin Wohlstände und uns zur Ehre beitragen wurde, wenn die Juden, welche sich uns anvertrnnen und in der Hoffnung aus unfern Schub und unsere Gnade sich unserer Herrschaft unterwerjen wollen, auch ivirklich dieses Schutzes teilhaftig werden." Die Inden haben in der ersten Entwicklung des nordischen Handels (bis zum 12. Jahrhundert! eine hochbedeutsmne Atolle gespielt. Und doch haben sie sich auch hier im Norden nicht auf diesen einen Berus beschrankt. Gregor von Tours berichtet, das; die fränkischen und burgnndischen Juden Ackerbau, Gewerbe und Handel betrieben und mit eigenen Schiffen die Flüsse und das Alcer befuhren. Nach Graetz trieben die fränkischen jund spanischen) Juden Ackerbau, Wein- und Delbau. In Polen gab es um 1530 gegen 10t>00 jüdische Handwerker, dagegen fast gar keine christlichen. Die ehemals viel verbreitete Handwerkertätigkeit auch der westeuropäischen Juden ist noch heute an ihren Familiennamen zu erkennen, z. B. Bäk (Bäcker), Drucker, Fteischmann, Glaser, Goldschmidt, Silbermann, Kleinperer (.Kleurpner), Lederer (Gerber), Schindler (Dachdecker), Schreiber ußv. Die eigentliche geschichtliche Bedeutung der Juden liegt allerdings, wie bekannt, auf anderen Gebieten. In den ersten Jahrhunderten beirn Handel. Sie konnten darum eine besonders starke Wirksamkeit entfalten, weil sie, im Gegensatz zu andern Völkern, sich heimatlich im Lande niederlies;en, nicht nur, wie die Kapitalisten von Mailand und Florenz, in fluchtigen Faktoreien. Im späteren Mittelalter war aus dem Schoße der Nordvöller ein eigener ttansmannsstaud erwachsen. Nun ivar diese ökonomische Lücke geschlossen, und es begann die bekannte beschränkende Judengesetzgebung. Landbau, Handwerk und Warenhandel verschlossen sich in Westeuropa auf lange Jahrhunderte. Dennoch fand sich eine neue „ökvttvniische Lücke": Der Geldverkehr, daneben später der Trodelhandet. Auch im Geldgeschäft »varen die Inden aber keines- »vegS konkurrenzlosandere Südvölker (Italiener und Südfranzosen) tvaren, wie erwähnt, ihre Älebenbuhler. Ferner rvar die Geldverleihung seitens heimischer Kapitalisten Geistliche, Adlige, Bürger), mcift in verhüllter Nechtsform oder geheim, so bedeutend, das; FenchtwanAer lJ. f. G. u. B., 35) von einer optischen Täuschung spricht, der Sombart lind andere anheimgefallen seien, ivenn sie die Juden für die hauptsächlichen Geldverleiher des späteren Mittelalters halten. Jedenfalls fand in dieser Jeit eine immer stärkere Kommerzialisierung der Juden statt. Immer rationeller wurde ihr kapitalistischer Wirtschnstsgeist gestaltet. Sv war es möglich, das; nach dem großen wirtschaftlichen Zusammenbruche Deutschlands im 17. Jahrhundert, die Juden alle ihre aufgespeicherte Fähigkeit bei dem Neuaufbau (1050 bis 1900) in ungeahntem Maße entfalten konnten. lrchltts; folg»., Verbands-W ach richten. Thurinyia. „Schon wieder ein Semester »ml Potz tansend Clement! Grad' ivoltt ich ins .Kollegium, da l,at die Sach' ein End." Die Verse des allen Viadrineuliedes können anch ivir getrost siir nnser letztes Semester in Anspruch trehmen. Unsere Aktivitas ,var z,var diesmal nicht sehr stark, doch dafür war das VerbindungSleben bei strammer Disziplin ein urgemütliches. Die Tanzstunde hat unS ein besonders enges Verhältnis zur hiesigen Philisterschast eröffnet, das, mic wir mit Bestimmtheit hoffen können, auch in -Zukunft nnhalten wird. Daö tomniende Sonunersemester aber verspricht besonders reizvoll zu werden. Soll doch hier in Breslau, der Stadt des „Ausrufs an inein Volk", der Stadt der ^ützvwfchen Freischar, die Jahrhundertfeier der Freiheitskriege als ein Fest der gesamten deutschen Studentenschaft begangen werden. Abgesehen davon, das; die große mit dein Feste verbundene Ausstellung Fremde altS ganz Deutschland hcrbeisiihren wird, diirste aud) daS vom hiesigen „Ällgemeinen StttdentenanSschuß" entworfene großzügige Festprogramm viele deutsche Akademiker anlocken. Bei dieser Gelegenheit möchten wrr auch nochmals unsere l. Kb. Kb., A. H. A. p. und i. a. B. i. n. B. zu den Feierlichkeiten freundlichst einladen. Das Fest soll vom 15—1^ Juni stattfinden. 1ö. Juni: Fackelzug und Begrüffnngsabend) 10. Juni: vormittagsStndentenvrrsammlung) abds.: Feftanffnhrnng im ^tadttheater: Die Hermannsschlacht) 17. Juni: Großer FestkonnnerS in der Jahrhunderthalle) Itf. Juni: Feier in Avgan zur Erinnerung an die Einsegnung der Lützvtvschen Freischar. Hierzu »verden noch die internen Veranstaltungen unserer Verbindung Hinz»» koinmen. Wir erwarten, daß die Feier beträchtlich dazu beitragen »vird, das Vorurteil gegen Breslau, das an manchen Orten leider noch besteht, endlich zu beseitigen. Wer Breslau nämlich kennen gelernt hat, der hat es artch lieben gelernt. Es vereint die Vorzüge der Großstadt mit den Reizen der kleinere,! Universität, an der das Studentenleben zur Geltung kommt. Außer Theater und Konzerten bietet Breslau die verschiedenartigsten geistige»! Genüsse. Die landschaftliche Umgebung —