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KC-Blätter · 1913-03-01 · Heft 6 (1.3.1913) · p. Seite 138

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 6 (1.3.1913)
Date
1913-03-01
Page
Seite 138 (sequence 22)
Language
German
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138 marke entstanden, die Buchführung erfunden,, das Seerecht, das VersichernngS-, Urkunden- und Bankwesen voll ausgebildet worden usw. Das mittelalterliche Italien deS 12. bis 16. Iahrbunderts ist der Heimatboden des modernen Kapitalismus. Interessant ist es mm, das; die Juden an diesem Werke nur recht geringen Anteil baden. Svmdart schreibt in» „Modernen Kapitalismus": „Gerade in den italienischen Städten sind sie doch schon an Zahl zu unbedeutend, um eine entscheidende Rolle spielen zu könne»». In Ge»»»»a »vohnten in» 12. Jahrhundert »u»r z»vei jüdische Fa»»»ilien. Pisa, L»»cea, Mantua hatte»» nur kleine Gemeinden. Venedig hatte llf>2 etwa 1300 Inden, Florenz dagegen hat aus Konk»»rreuzneid bis in die spätesten Zeiten den Juden den Aufenthalt verrvehrt." „Nirgends hören »vir von besonders hervorrage»»der Bedeutung der Juden. Sie si»»d in de»» Zentren des Handels ein Handelsvolk »vie viele anderei»n übrige»» sind sie in Südenropa und sonst a»n Mittelm'eergest»rde auf alle Berufe verteilt. In Spa»»ien »vare»» sie hervorragend Seidenzüchter und Seidenspinner. Gin sizilianischer König Roger holte aus diesen» Grn»»de spanische Juden in sein Land." lGraeP.j ,,I»» Spanien betrieben sie überhaupt alle Haud»verkeans einen» kastilia- »»ische»» Dekret um 1440 erkennt man, das; sie vielfach Zeugweber, Gvldarbeiter, Zimmerlente, Barbiere, Schuhmacher,'Schneider, Nlüller us»v. »varen. In Sizilier» bittet der königliche hohe Rat 1402 den spanische»» König um Aufschub der Iudenvertreibung. Fast alle Handwerker seien Indenzöge»» sie alle auf einmal ab, so trete ein empfindlicher Mangel an Arbeitern ein, namentlich an Eisenarbeitern, Erd»»rbeitern und Schistsausrüster»»." lGiidemann.) „In Süditalie»» erscheinen die Färberei, in Griechenland die Seidemveberei, in Tyrus die Glasbläserei als typisch jüdische Ge»verbe. I»u »»»ittelalterlichen Sizilien gehören gerade die Bankiers der dort zahlreichen Bevölkerung nicht a»r. In Spanien »vie in» Orient erscheirien sie durchweg als Hand- »verker. A»»Sschlies;lich als Händler treten sie uns dort entgegen, »vv es galt, Lücken der ökono- »nischen Organisation auszufüllen" jZollschan). Bon Südenropa ist die erste kapitalistische Anregung Nordeuropas ansgegange»», »vie jede wirtschaftliche A»»regung überhaupt. Die Juden »vare»» i»» den» großen Borgange der wirtschastlichen Er»veck»n»g des Wiardens r»»»r eines von vielen Völkern. Schon in» Anfänge des 13. Jahrhunderts, vielleicht »»och früher, begannen italienische Bankiers, a»»ch jenseits der Alpen Geschäfte zu'machen. „Anfangs »varen es besonders Bewvhner lombardischer Städte, daneben eine Zeitlang Bürger von Calors in Südfrankreich, die als erste ber»»sene Kreditver»»»ittler christlichen Glaubens in Frankreich, .England und Deutschland anftrare». und so gros; »var der Eindruck, den das hervor brachte, das; seither an allen diesen südländischen Geschästsle»»ten gleicher Art die Ra»»»en Lombarden und Calorsiner haften blieben. Diese »vurden i»n 13. Jahrhundert durch Toskaner, im 14. Jahrhundert d»»rch Florenliner verdrängt. Die Italiener errichtete»» iu allen gros;en Stadle», Filiale»», ihre Faktorer» bereisten ganz Europa, überall führten sie ihre Wechselbriese ein und ebenso ihre ganze sonstige Geschäftstechnik". lEhrenberg.j Die Italie»»er »varen die Begründer der Depositen-, Girv-Wechselbanker» smvie der öfferltlichen Banken. A»»ch Katalonien hatte früh ein ausgebildetes Banklvesen. Die Tätigkeit der Äliittel,neerro»»»anen i»»r nordischen Ware»»- ,»»»d Geldhnndel haben neuerdings Schaube iHaudelsgeschichte der rouianischen Volker) und Ashle») geschildert. „Unter de» Cahorsinern verstand »»»an die südfranzösischen .Kapitalisten, »velche Iahrhlmderte hindurch England auffudjtcu »tnd gleich den Inden Gelder verliehen. Es »var natürlich, das; Vvlksivirtschaften, deren Handel ursprünglich von fremden Händlern ins Leben geriifen »var und in denen nun Handel und Industrieausänge errvachei», das; i»» solchen »»»eist noch geldar»nen Volkswirtschäften der srentde Geldman»» eine überragende Rolle spielt. Als Geldgeber aber, »vie zuvvr als Händler, ka»»»e»» nur die rechtgläubigen Italiener »nrd Südfrarizosen in Äletracht. Die anderen kapitalistischen Mitteln,eervölker »vare»» entlveder Schisrnatiker oder Ungläubige." Die geivaltige Bedeutung de.- hochentivickelten südländischen Wirtschaftslebens für den Norden »vird auch d»»rch eth»u»»ologische Hinlveise klar. Italienische, südsrar»zösische, spanische »»nd arabische Handelsausdrucke bürger»» sich bis zu»»» 17. Jahrh»u»dert »nassenhaft i»n Norden, namentlich »»» Deutschlaild ein, sie bilden den Hauptbestandteil unserer heutigen Kaufmannssprache. Auch die Gewerbe des späteren Mittelalters erhielten ihre e»»tscheidende»» 2lnregungen über »viegend a»»s de»»» Süden. Die erste Baumwoll indnstrie, die ersten Barchente, die in Augsburg gekauft »vllrde»», find von Kauflenten dieser Stad! aus Italien eingesührt »vorde»». In der ersten Hälfte des 14. Iahrhlinderts hat da»rn die Bau»»»- »volliveberei selbst Einzug gehalten, jStrieder.» Rach Schulte nah»,» die neue Kunst ihren Weg von Mailand aus über Koustanz und Basel, dann nach Ulm, Augsburg und Bieberach. Nur eines von den Völkern also, »velche die Wirtschaftskultur des Südens nach dein Norden tragen, sind die Juden. Sie »vurde»», »vie erwähnt, seit früher Zeit von den Territorial Herrn mit allen Mittel»» im Lande festgehalten.

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