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KC-Blätter · 1913-03-01 · Heft 6 (1.3.1913) · p. Seite 137

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 6 (1.3.1913)
Date
1913-03-01
Page
Seite 137 (sequence 21)
Language
German
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137 Als mm mm» 4. Jahrhundert der Verfall der Mittelmeer-Kulturwelt größere Fortschritte machte, waren die Kultnrkeime im Äkorden bereits stark genug entlvickelt, n»n nicht wieder vom Hauche der Primitivität zerstört zu werden. In steigendem Älkaße gaben Ansiedlungen, Städte, Klöster wirtschaftliche tt'uUimucYtc an die Umwelt weiter. „Die Mönche sind eS gewesen, ivelche altS Italien mit mancherlei neuen Gebrä»»»he»» und Bedürfnissen auch die Kenntnisse importierten, hierfür ^Befriedigung zu schassen und die menschliche Arbeitskraft mit den verschiedensten Hilfsmitteln auSz,»statten. In den von ihnen gegründeten Klöstern bildeten sich Werkstätten ans, in denen die »nanigfaltigsten Gegenstände angefertigt »vnrden. Zuerst übernahmen die Atönche selbst die betreffende HandlverkStätigkeit, dann lernten sie die Eingeborenen an, die sie alS Arbeiter heranzogen. Bon de»r Klöstern übertrugen sich diese Fertigkeiten zuerst ans die Güter der geistlichen »md weltlichen Fürsten, dann mtf die kleineren Fronhüse, wo die hörigen Arbeiter zu bestimmtem Handiverk angehalten »vnrden" sConrad). Stärkste »virtschastliche Anreg»»ng brachte der Handel südländischer Stmifleute, die seit Beginn unserer Zeitrechnung West- und Mitteleuropa übersch»ve»l»mei». Unter ihnen »varen na»nentlich Grieche»», Jtalier, Blilgaren, Syrer und Jtlden. (Au»h ger»»»anische Stä»»»i»»e, »vie die Friesen, wurden früh zu Händlern). Die Juden, vv»>» Heilnatboden gervaltsam losgelöst u»»d nicht mehr durch ein irgendlvie organisiertes Ge»nein»vesen, nicht einmal durch eine zentrale Provinzialstadt an die Heimat gefesselt, »varen unschwer bereit, sich in fremden Ländern danenld niederz»»lassen. Daher »v»»rde»» sie von de,» herrschenden Gewalten (Mrtijm,, Königen, Bisä»öfen,Herre»ll, »velche den »virtschastliche»» Fortschritt »vollten, besonders geschäht und mit Privilegien bedacht. „Jinnitten einer »venig zivilisierten Bevölkerung »um konnten sie vorerst »licht daran denken, Handrverker oder "Bauern zu rverden" iZollschan). Erst später »vandten sie sich a»»ch diesen Gelverben z»l, kurz vor der großen Katastrophe des mittelalterlichen Antisemitismus. In» Dosten Europas dagegen, vereinzelt auch später in» Westen (Amsterdam), schlugen sie eiustlveilen ungehindert diese Ent- »vicklung ein und si»»d daher bis heute z»»»n großen Teil Handiverker und Bauern. In Südeuropa »var auf den Verfall der antiken Welt ein langes Vaknn»»» gefolgt. Erst in» 10. Jahrhundert erivacht »vieder regeres Leben. Der ältere Handel der Byza»»ti»»er, der et»va in» 8. Iahrh»»ndert ge»valtig einsetzende Großhandel der Araber »»nd der Ha»»del der Mittellneer-Rvmanen, nau»entlich der Italiener, greift n»»n ineinander und erzeugt eine hohe »virtschastliche Blüte. An den Gestaden deS Mittelrneeres erblüht nun auch »vieder das Gerverbe. Es entsteht »iberall »»enes Leben, Reicht»»»»», Kapital, Kapitnlisn»»iö. Die Italiener gingen bald führend voran. Die Italiener »v»»rde»» die Erbe»» des Alter* t»»l»»S, sie vor alle»»» erbten de»» künstlerisch-wissenschaftlichen, aber auch den wirtschaftlichen Oleist der Alter». So erblühten hier Gewerbe, Handel,' Verkehr, Ullterneh»»»»n»gsgeist,kapitalistischer WirtschastSgeist. Ältehrere gute neuere Mouographier» führen »ms mitten hinei»» in dieses stark kapitalistische Getriebe. „Die Zusammenhänge mit der Wirtschaftsknltnr des Altert»»»»») find nienrals erloschen. ES gab in Italien einzelne Orte, die niemals das Gefühl der Zusammengehörigkeit mit dein oströuüscheu Gleiche verloren hatten. Hier wurde inunerhin einige Tradition des altrölnifchen Kaiserreichs fvrtgepflanzt, »mter denen eine ziemlich entivickelte Geldrvirtschast obenan sta»»d" lHe»i»»enj. In Oberitalicn hat »md) den» frühen Untergang Ravennas Seevenetieu diese Rolle gespielt. Rievlo Ze»»v »»»eint in der „El»tsteh»»ng Venedigs," Gort habe hier gleichsam in einer Arche Bruchstücke des alten Rörnervolkes vor der Sündflnt der Bölkerivandernng geborgen. In "Venedig blühte schon zu Beginn der Kreuzziige »vieder reiches Leben und großes kapitalistisches Treiben, Handel, Seeverkehr, Geld- »u»d Kreditlvese»» setzten schon früh in große»»» Stile ein. In der Lebensgeschichte des Kapitäns, Reeders »u»d Großkanfn»an»»s Ro»»iano Rtairano lcirka 1150— 1200) tritt uns ein prächtiges Bild dieser Zeit entgege»». In großartiger Weise »vnrden Handel und Schisfahrt durch Seedarlehn »n»d Gesellschaftsverträge finanziert. I>» Flore»»z nah»»» schon früh das Gerverbe, na»»»e»»tlich die Wollentuchind»tftrie, großkapitalistische For»ne»l an. Der „Industrielle" ist hier der kapital »nächtige Verleger, für den viele kleine Meister mit ihre»»» Personal arbeiten »md der den Vertrieb der Tuche über ganz Italien und rveit darüber hina»»S überni»»»mt idie nötigen Summen streckt ihr»», »vie heute, der Bankier vor). Er »vohnt in stattlichen» Hanfe, in» schönsten Viertel der Stadt, »mterstützt Kunst und Knnstgerverbe »»s»v. lDvren.) In Jtalier» ist die Technik »n»d das Recht des neuzeitlichen Kapitalisnills geschaffen »vorden. Hier lebte alöbalb das rö»nische Riecht in der »»»anchesterlichen Fvrn» des eorpu» iuris »vieder a»»f und »vurde in der Praxis der (Geschäftsleute d»»rch ein neuentstehendes spezielles Handelsrecht ergänzt. Hier sind die modernen Formen der Kapitalvereinigung el»tsta»lden (offene Handelsgesellschaft, comnrenda, Aktienoereinj, hier ist der Kaufmanns- und Firmenbegnff, die Handels-

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