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KC-Blätter · 1913-03-01 · Heft 6 (1.3.1913) · p. Seite 129

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 6 (1.3.1913)
Date
1913-03-01
Page
Seite 129 (sequence 13)
Language
German
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letzten Pfennigs für die Erreichung ihres Zieles bestimmt. Das Moment der hinreichenden finanziellen Ausrüstung verdient nur insoweit Interesse, als Schädigungen von Kreditgebenden vermieden werden müssen. Diese Schädigungen werden durch Ausländer schon um deswillen selten erfolgen, tucil dieselben viel schwerer Kredit erhalten. Es soll hier ein anderes Kapitel, inwieweit die einheimischen Studenten nicht selten über ihre Verhältnisse leben, um „standesgemäß" zu erscheinen und welche Schädigungen, sei es nuf Seiten der Eltern oder der Kredltgeivährenden, Vorkommen, nicht näher beleuchtet werden. Jeder Anwalt besitzt wohl hierüber Material. „ Ebenso verdient der andere Punkt, die angebliche Neigung zu Vergehen, keine ernstliche Beachtung. Es liegt hier doch zu wenig tatsächliches und kontrollierbares Material vor. Es sollen hiermit Verfehlungen von Ausländern weder geleugnet noch verteidigt werden, allein verwerfenswert ist auf alle Jälle dre Generalisierung. Wenn einzelne Vergehen Vorkommen, so ist es eben so ungerecht, hierfür alle Ausländer oder bestimmte Gruppen verantwortlich zu machen, als umgekehrt mit Recht eine Generalisierung einzelner Übeltaten von Reichsangehörigen mit Entrüstung zurückzuweisen ist. Cs soll hier nur an die Erklärung der gesamten Darmstädter Studentenschaft gelegentlich des Vorfalles Weiser erinnert werden. B. Weit mehr als die zuletzt erörterten Punkte objektiver Art sind bestimmend für die Bewegung gegen die Ausländer subjektive Momente. Es ist das Verdienst Mehrings, in dem bereits erwähnten Artikel gerade die subjektiven Momente eingehend erörtert zu haben. Er sieht die tieferen Gründe der Zwistigkeiten zwischen deutschen und slawischen Studenten in einer „Kette von Eindrücken, die sich zu einem Gesamteindruck zusammenschloß". Er sucht auch mit einem anerkennenswerten Bestreben den fremdländischen Verhältnissen gerecht zu werden, die übertrieben subjektiven Empfindungen aus ein gerechtes Mast herabzustimmen. 1. In erster Linie sei hier die aus dem Stammesunterschied zwischen Deutschen und Slawen sich ergebende Abneigung gegen Slawen erwähnt. Diese Abneigung ist zum Teil aus politischen Gegensätzen, aus der Verschiedenheit in der Kultur sowie in der Auffassung iiber soziale Verhältnisse erklärlich. Diese Abneigung ist infolge der Gefahr, welche dem deutschen Volke durch die panslawistische Idee in politischer und kultureller Hinsicht droht, derart angeruachsen, daß eine Entspannung in absehbarer Zeit nicht zu erwarten ist. Die Erfüllung der von den internationalen Studentenvereinen — es existieren solche ln Berlin, Bonn, Göttingen, Leipzig, München, Heidelberg — angestrebten Aufgabe: „Bei ausländischenStudenten das Verständnis für deutsche Kultur, bei den deutschen Studenten das Verständnis für fremde Kultur zu erwecken", wird, soweit das Verhältnis zwischen Deutschen und Russen in Betracht kommt, auf erhebliche Schwierigkeiten stoßen. Jedenfalls ist aber das „Sichverstehenlernen" der beste Weg zum „Sichvertragen". Zu diesem Ziele könnten auch die russischen Studcmenvereine, die in letzter Zeit an vielen Universitäten und technischen -Hochschulen entstanden sind sso in Zreiburg, Halle, Jena, Leipzig, München, Breslau, Berlin, Darmstadt, Karlsruhe), beitragen- Voraussetzung wäre allerdings, daß diese Vereine mehr wissenschaftlichen und kulturellen als politischen Zielen sich widmeten, mögen letztere nun panslawistische oder fortschrittliche sein. Der Gedanke, das; uns Deutschen die Abneigung gegen die Slawen so eingeboren sei, daß eine Verständigung überhaupt nicht möglich sein kann, ist unbedingt abzuweisen. Die Geburis- und Geldaristokratie in Deutschland und Rußland haben schon manche Beziehungen untereinander begründet und in diesen gesellschaftlich hochstehenden Kreisen ist von einer gefühlsmäßigen gegenseitigen Abneigung nur wenig bemerklich. Auch beweist das Beispiel der Engländer, die doch den Russen ungefähr gerade so „wesensfremd" gegenüberstellen" wie die Deutschen, daß gefühlsmäßige Abneigung durch nüchterne verstandesmäßige Polink recht wohl zum Schwinden gebracht werden kann. 2. In zweiter Linie ist die gerade für die Beurteilung der Auslanderfrage vom Standpunkte unseres Verbandes außerordentlich wichtige Tatsache klar zu legen, daß bei einem nicht unbedeutenden Teil der Studentenschaft antisemitische Gründe das Hauptmotiv für ihr Auftreten gegen die ausländischen Studenten bilden und daß ihr Hauptziel auf eine Entfernung der jüdischen Studenten von Hochschulen geht, das sie am liebsten nicht auf die ausländischen jüdischen Studenten beschränkt sondern auch bei den deutschen jüdischen Studenten erreicht sehen möchten. Wenn die Leitsätze des deutsch-völkischen Studentenoerbandes es „für nicht wünschenswert" deklarieren, „wenn jüdische und andere Kreise, die dem deutschen Wesen fern stehen, Einfluß im akademischen Leben besitzen", so ist es nicht verwunderlich, daß dieser Verband gegen ausländische Juden von doppeltem Hasse beseelt ist. Daß bei der in diesem Verbände sowie dem Vereine deutscher Studenten und leider auch in vielen anderen

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