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KC-Blätter · 1913-03-01 · Heft 6 (1.3.1913) · p. Seite 128

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 6 (1.3.1913)
Date
1913-03-01
Page
Seite 128 (sequence 12)
Language
German
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128 4. Eine Erschwerung des Unterrichts bildet auch die Sprachverschiedenheit. Gerade bei den Disziplinen der Technik und der Medizin, bei welchen Hebungen am Objekt eine große Rolle spielen, ist die Verständigung der Lehrer mit ausländischen Schülern, die der deutschen Sprache nicht genügend mächtig sind, eine erschwerte und mit Zeitverlust zum Nachteile der anderen Unterrichtsteilnehmer verbunden. Die gleiche Erschwerung ist im Verkehre zwischen Studenten unter sich und hauptsächlich bei Medizinern zwischen Ausländern und Patienten gegeben. Allein diese Erschwerung, die durch entsprecheude Vorschriften über den Besitz der erforderlichen Sprachkenntnisse leicht beseitigt werden kann, dürste für die hier behandelte Frage eine untergeordnete Bedeutung beanspruchen. 5. Untergeordnete Bedeutung hat auch sür unsere Frage daS an sich gewiß schutzbedürstige Interesse des Staates vor der Konkurrenz des Auslandes und das Interesse der einheimischen Akademiker vor der Konkurrenz ausländischer Akademiker im Erwerbsleben. Die Disziplinen, in welchen die Ausländerzahl überhaupt nicht besonders groß vertreten ist (Jurisprudenz, Geschichte, Philosophie, Philologie, Kameralia rc.), können schon deshalb außer Betracht bleiben, weil hier die Gefahr einer wirtschaftlichen Konkurrenz des Auslandes durch die im Jnlande gebildeten Ausländer bei der Natur der Disziplinen selbst soviel wie ausgeschlossen ist, vielmehr sogar im Interesse der internationalen Kulturentwicklung und im Interesse der gegenseitigen Rechts- und Wirtschaftsbeziehungen durchaus eine Einweihung von Ausländern wünschenswert ist, weil ferner in diesen Disziplinen eine Erwerbsmöglichkeit für Ausländer im Inlande praktisch kaum gegeben ist. Auch in der medizinischen Fakultät ist eine Konkurrenz der in Deutschland ausgebildeten Ausländer für inländische Mediziner nicht zu besorgen, da von vornherein das Gros der Ausländer die Absicht der Rückkehr in ihre Heimat hat und da auch hier die Erwerbsmöglichkeit sür Ausländer im Inlande eine geringe ist. Ebensowenig besteht bei dieser Disziplin eine Gefahr sür das Inland durch Leistungen des Auslandes; es ist vielmehr aus Gründen der Humanität und der Hygiene nur zu wünschen, daß das Ausland einen möglichst hohen Bildungsgrad ultter seinen Medizinern aufweist. .Konkurrenzgefahr durch das Ausland kann tatsächlich nur auf technischen und naturwissenschaftlichen Gebieten in Frage kommen. Auf diese Konkurrenzmöglichkeit wurde nicht mit Unrecht von Orlog, in den burschenschaftlichen Blättern W. H. 1912/13, S. 144 und in Heft 9 der Zeitschrift Deutscher Burschenschafter vom Dezember 1012, hingewieien. An letzter Stelle wird jedoch mit gutem Grunde die.Konkurrenzgefahr deshalb als nicht bedeutend geschildert, weil das Hochschulstudium allein die Erzeugung von Konkurrenzleistungen noch nicht ermöglicht. Es gehört dazu, ganz abgesehen von der Notwendigkeit der Investierung großer Kapitalien, nicht nur praktische Detailausbildung des UnternehmerS, sondern auch ein herangezogener geschulter Arbeiterstand. Auch ist der Borsprung deutscher Technik auf einzelnen Gebieten derart, daß eine Einholung desselben kaum zu besorgen ist, zumal nicht anzunehmen ist, daß Deutschland auf technischem Gebiete stehen bleiben wird. Eine Konkurrenz durch das Ausland auf technischen Gebieten ist viel weniger von den im Jnlande studierenden Ausländern, als wie von der nicht geringen Auswanderung technisch geschulter deutscher Kräfte in das Ausland (vor allem nach England und Nordamerika) zu befürchten. Hier könnte nationale Arbeit verrichtet werden, indem sich Staat und Privatunternehmungen zu einer wirtschaftlichen Besserstellung der einheimischen Kräfte entschließen, um die meist aus finanziellen Giünden erfolgende Abwanderung zu mindern. Immerhin besteht durch das Studium vvu Ausländern auf deutschen Technischen Hochschulen eine gewisse Gefahr der Konkurrenz des Auslandes. Soweit dieselbe durch geeignete Maßregeln (es wird z. B. vorgcschlagen, daß Ausländern die Teilnahme an praktischen Hebungen auf besonders gefährdeten Gebieten, wie Lustjchifsahrt, drahtloseTelegraphie, Turbinenbau verboten luirb) gemindert werden kann und soweit Hiewegen nicht empfindliche Retorsionen vom Ausland zu besorgen sind, kann man hiermit recht wohl einverstanden fein. 6. Als Ursache der Bewegung gegen die Ausländer wird vereinzelt auch erwähnt, daß die Ausländer, insbesondere die Russen, mit ungenügenden Mitteln zum „standesgemäßen Leben" ausgerüstet feien; ferner wurden sie der Sittenlosigkeit, ja direkter Neigung zu Vergehen, Hauptsächlich Eigentumsvergehen geziehen. Was den ersten Punkt anlagr, so mag richtig sein, daß gerade die um ihre LebenExistenz ringenden südrussischen Juden wenig Reichtümer aufweisen und weit entfernt sind, die Ausgaben sür die Lebenshaltung einesKorpvrationsstudenten leisten zu können. Aber auch von Reichsangchörigen müssen gar viele eine entbehrungsreiche Zeit auf der Universität durchmachett und sich unter dem Niveau des allgemein als „standesgemäß" beurteilten Auftretens eitles Studenten halten. Anerkannt muß aber bei in- und ausländischen Studenten mit geringen Mitteln ihre Opferfreudigkeit werden, die sie zur Hingabe ihres

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