KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1912-1913
- Issue
- Heft 6 (1.3.1913)
- Date
- 1913-03-01
- Page
- Seite 126 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Für die Zulassung von Ausländern bestehen nun wesentliche Verschiedenheiten: In Aachen nndHannover können Ausländer unter den gleichen Bedingungen wie Reichsangehörige zugelassen werden. In Berlin, Breslau, Danzig entscheidet der Minister über die Zulassung. Diese Genehmigung soll nach einem in der Zeitschrist deS Rüdesheimer Verbands Deutscher Burschenschafter, Jahrgang 1912, Heft 8, ers.-n-rtnru Axulrl ur H-auzig Russen verargt werden. Zn Karlsruhe wird von Ausländern verlangt, das; sie der deutschen Sprache mächtig sind. Stuttgart hat das Gegenseitigkeitsprinzip, d. h. es läßt Ausländer auf Grund ausländischer Reifezeugnisse nur zu, wenn in ihrer Heimat Angehörige des Deutschen Reichs mit einem deutschen Reifezeugnis als ordentliche Studenten zugelassen werden. In München darf die Ausländerzahl 10% nicht übersteigen. Außerdem haben spezielle für russische Stu-- deuten bestimmte Vorschriften: Berlin, Dresden, München, welche den vorhergehenden Besuch einer russischen Hochschule verlangen- Aachen, Berlin, Braunschweig, Darmstadt, Dresden, Hannover, Karlsruhe, München, welche den Nachweis verlangen, das; die russischen Studenten die Ausleseprttfung bestanden haben oder von dieser auf Grund hervorragender Schulleistungen befreit und zum Besuche einer Technischen Hochschule in Rußland zugelassen rvorden sind. In Darmstadt wurde eine Zeit lang von Russen zur Diplvmvorprttsung das Maturum nicht verlangt. (Burschenschaftliche Blätter, W. H. 1912/13 S. 144.) Ein weiterer, gerade für Ausländer mit geringerer Vorbildung sehr in Betracht kommender Unterschied besteht in den Vorschriften über Zulassung von Ausländern als Hörer. Im allgemeinen entscheidet über die der Befähigung zum Einjährigen-Freiwilligendienst entsprechende Vorbildung der Rektor. In Breslau ist jedoch ministerielle Genehmigung vorgeschrieben, in Karlsruhe ist bestimmt, daß Ausländer als außerordentliche Studenten nur „ausnahmsweise" zugelassen iverden können. München . nimmt Ausländer als Zuhörer im allgemeinen nicht auf- Ausnahmen bestehen nur für Angehörige deutscher Sprachgebiete. Eine ziemliche Rolle für den Besuch der Technischen Hochschulen durch Ausländer spielen auch die im allgemeinen liberalen Bestimmungen für die Zulassung als Gastteilnehmer (Hospitanten). Es besteht hier im allgemeinen die Vorschrift, daß Personen reiferen Alters (manche Hochschulen verlangen 17 Jahre), welche an ein- . zelnen Borträgen oder Uebungen teilzunehmen wünschen, ihrer äußeren Lebensstellung nach aber weder als Studierende, noch als Hörer ein¬ 126 treten können, dem Unterricht als Gastteilnehmer beiwohnen können. An einigen Technischen Hochschulen (Breslau, Darmstadt, Karlsruhe) ist dazu das wohl selten versagte Einverständnis der betreffenden Dozenten erforderlich. . Es ist begreiflich, das; die Ausländer, insbesondere die ausländischen Hörer und Gastteilnehmer, am liebsten die Hochschule wählen, welche die geringsten Anforderungen für die Zulassung vorichrervt, oder in der Anwendung der besthendcnVorschristen taOächlich oder vermeintlich am weitherzigsten verfährt. In Berlin betrug der Prozentsatz der Ausländer im Jahre 1912 21,7%. In Darmstadt bewegte er sich seit 1908 zwischen 22 und 28%- daran sind Russen mit ungefähr % beteiligt, so das; Darmstadt in den Ruf einer „Russenhochschule" kam. In den letzten Semestern hat, offenbar durch strengere Handhabung der Zulassungs. bedingungen für Ausländer, insbesondere für Hörer und Gastteilnehmer, nicht nur die Gesamtzahl der Studierenden an den Technischen Hochschulen als auch hauptsächlich die Zahl der Hörer und Gastteilnehmer bereits bedeutend abgenommen, wie aus der Statistik des Kalenders der Technischen Hochschulen zu entnehmen ist. W.-S. 19l 1/12 S.-S.1912 Studierende 11340 10785 Hörer 17:M 1205 Gastteilnehmer 3367 1277^ Gesamtzahl: 16447 13207~ Die Zahl der Studierenden hat in den genannten Semestern fast an allen einzelnen Technischen Hochschulen, wenn auch nicht bedeutend, abgenommen. Die Zahl der Hörer sank besonders: in Berlin von 404 auf 305 „ Karlsruhe „ 185 „ 85 „ Stuttgart „ 390 „ 127. Ein außerordentliches Sinken der Gastlei ln ehmer weisen auf: Aachen von 265 auf 123 Berlin „ 404 „ 207 Braunschweig „ 156 „ 57 Danzig „ 612 „ 69 Darmstadt „ 411 „ 130 Dresden „ 350 „ 110 Hannover „ 761 „ 203. An diesem Rückgänge der Zahl der Besucher, hauptsächlich der Hörer und Gastteilnehmer. sind sicherlich Ausländer stark beteiligt. Trotz des Rückganges ist das Ausländerelement an den Technischen Hochschulen, und zwar besonders an einzelnen, wie z. B. Darmstadt, noch immer in einer merklich starken Weife vertreten. Auch an den Technischen