Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1913-03-01 · Heft 6 (1.3.1913) · p. Seite 125

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 6 (1.3.1913)
Date
1913-03-01
Page
Seite 125 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2268830-2268832-2268839--0753-2269967
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Ziel der freien Niederlassung, verbunden mit wirtschaftlicher Cxistenzmöglichkeit, zu erreichen. Auf Grund des im Auslande erworbenen Doktortitels wird nämlich der jüdische Student zum medizinischen Staatsexamen in Rußland zugelassen und fmm narb Ablegung dieser Prüfung sich als Arzt im russischen Reiche niederlassen und praktizieren. Es ist selbstverständlich, das; sich der Zustrom der russischen Studenten und insbesondere der Mediziner aus die einzelnen Universitäten durchaus nicht verhältnismässig verteilt, sondern daß bestimm ie Universitäten, sei es wegen ihrer benachbarten Lage, sei es wegen der allgemeinen Bedeutung des Uuiversitätsortes, sei es wegen deS Namens bestimmter Professoren, sei es wegen der tatsächlich oder vermeintlich größeren Gastfreundlichkeit gegenüber Ausländern, mit besonderer Bvrliebe ausgesucht werden. Vorschriften, welche Russen an Universitäten vollständig ausschliesten, bestehen nichtwohl aber haben, soviel bekannt, die bayerischen Universitäten eine Kontingentierung auf eine bestimmte Zahl, so München mif 200, eine Zahl, die schvsi überschritten ist, weshalb die weitere Aufnahme von Russen zurzeit nicht wehr gestattet wird. Die beigesügte Tabelle gibt eine Uebersicht über die Zahl der Studenten, über die Zahl der Ausländer, insbesondere der Mediziner und über die Zahl der Russen an ben einzelnen Universitäten. Die Tabelle ist absichtlich nicht alphabetisch, sondern nach dem prozentualen Anteil der russischen Studenten an der Ausländerzahl angeordnet. AuS der Tabelle ergibt sich, daß Berlin mit 16,3 % prozentual die größte, Münster mit 0,42 % prozentual die kleinste AuSlünderfrequenz, Königsberg mit 95,32 % prozentual die größte, Greifswald mit 21,42 % prozentual die niedrigste Russenfrequenz aufweist. Bei einer Anzahl von Universitäten wie Rostock, Gießen. Breslau, Tübingen, Freiburg ergibt sich eine verhältnismäßig hohe prozentuale BeteiligungSziffer der Russen nur dadurch, daß an diesen Universitäten die absolute Zahl der Ausländer sehr gering ist. Ueber die russischen Mediziner an den einzelnen Universitäten existiert nun genaues Material nicht. Aus der Tabelle ist jedoch so viel zu ersehen, daß an den Universitätspiätzen, an welchen die Zahl der Mediziner unter den Ausländern eine große ist, auch die Zahl der Russen bedeutend ist. In den deutschvölkischen Hochschulblätrern ist für München angegeben, daß sich die Zahl der Russen mrter den Medizinern in den lebten Jahren nie unter 85% bewegt habe. In Leipzig sollen im Jahre 1912 von 291 ausländischen Medizinern 265 Russen gewesen sein. Sicher ist, daß von ausländischen Medizinern weit mehr als die Hälfte Russen sinddie Annahme eitles Durchschnittssatzes von 70—75% dürfte gewiß nicht zu hoch gegriffen sein. Universität f'WiniHtbcc SIE Wt'flTlllt - inder : Mrdi | 4)rot. 2uy & Russen z.d, Ausländ. .Oüuigoberg 15,71 214 108 18.« 52 •204 05.82 5M oft ort 1)7", 10 2.7« 10 70.87 Wieweit 1850 80 1.22 .!« «8.15 Ctraßburg •2074 147 07 7.0« 01 «1.00 Breslau 201K) 140 70 5.58 00 «0.40 Heidelberg 2024 280 100 11.01 155 58.08 Leipzig "ES «02 281) 18.78 850 50.57 Tübingen 2048 80 10 1 75 18 50.- Freiburg :bjoi 152 70 4.00 74 48.08 Hatte 2S71) 200 02 lo.o7 187 47.24 Ai buchen 0855 720 807 10.50 204 40.88 Berlin 8200 15587 005 10.80 588 150.8« Güttingen 2724 105 10 0.05 47 88.48 Erlangen 1218 47 12 8,s7 18 88.20 Jena 1048 121) 88 0.08 44 84.10 Kiel 2814 50 88 2,12 1» 88.02 Würzburg 1447 20 17 ' 2"0; 0 81.08 442« 150 8.1 1 477 i 45 150. - Marburg 2802 87 15 24 27.58 Münster 2111) 0 j o,i2 Greifswald 1400 42 12 | 8.00! 5 21.42 | r>ü48i | 4824 1 2O00 S.IO 2218 f 45.5)7“ Für die Technischen Hochschulen seien hier nur einige wenige statistischen Zahlen aufgesührt: im Jahre 1907 betrug die Zahl der Ausländer 2697 „ 1912 „ „ „ „ „ 4409. Darunter waren: Russen 1998 d. i. 45% Oesterreicher 760 Schweizer 953 Franzosen 45 Italiener 43 Dünen 11 Atlch hier sehen wir einen großen Prozentsatz Russen. Die Gliederung nach den eiitzelnen Hochschulen weift viel größere Differenzen als die bei den Universitäten erörterte aus. Es rührt dies daher, daß die Aufnahmebedingungen für die Technischen Hochschulen unter sich weniger gleichartig sind, als die der Universitäten. Im allgemeinen erfordern die Technischen Hochschulen für Studierende das ReisezeugntS ernes Gymnasiums, Realgymnasiums, einer Oderrealschule, einer bayerischen Industrieschule oder der Gewerbeakademie zu Chemnitz, für Hörer den Nachweis wissenschaftlicher Befähigung zum Einjährigen-Freiwilligen-Dienst. Bon Deutschen, welche im Auslande die Mittelschule absolviert haben, wird der Nachweis einer in dem betreffenden Lande zum Besuche einer Hochschule berechrigendett, der einheimischen gleichwertigen Bildung verlangt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.