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KC-Blätter · 1913-03-01 · Heft 6 (1.3.1913) · p. Seite 122

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 6 (1.3.1913)
Date
1913-03-01
Page
Seite 122 (sequence 6)
Language
German
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Da — wie sich im folgenden zeigen wird — die durch die Allsländerbewegung Betroffenen zu einem beträchtlichen Teile russische Studenten jüdischen Maukens sind, haben auch die deutschen jüdischen Studenten sich verpflichtet gefühlt, nicht nur die Ursachen nnd Ziele der Ausländerbewegung eingehender zu untersuchen, sondern auch ihrerseits Steüung zur Ausländerfrage zu nehmen. Unser Verband hat von Anfang an die Ausländerfrage mit Allfmerksamkeit verfolgt und unser geschastsführender Ausschuß hat im Dezember 1912 die Richtlinien für unseren Verbaild und die demselben angehörigen Verbindungen festgelegt. Auch bei der am 29. Januar 1913 stattgefundenen Versammlung jüdischer Akademiker in Berlin, die sich mit den Forderungen des -.Uinikerverbandes besagte, war m»ser Verband ossizieÜ vertreten. Auf dieser Versammlung hat namens deS gelchäftssührenden Ausschusses des K. E. unser Verbandsbruder Prost ssor Or. Lewin den Standpunkt des 51. C. zum Ausdruck gebracht, der, soweit die Fvrderungen der 5Uinikerschast in Frage kommen, in seii'.em Kernpunkte in der Resolution enthalten ist, ivekche von unserem Verbände beantragt imd einstimmig angenommen lvurde. Dieselbe lautete: „Die am 29. Januar in den Sophiensälen tagende jüdische Akademikerversammlnng erkennt die Forderung des Phgsikums als berechtigt an, erhebt aber energischen Protest gegen Maßnahmen, die wie die Einführung der Prozentnorm im russischen Staate der jüdischen Jugend alle Bildungsmöglichkeiten abschneidet." Eine von jüdischen Verbindungen an der Münchener Universität beabsichtigte Versammlung jüdischer Studenten, an der teilzunehmen auch an die Verbindung im 5k. C. Licaria jMünchen) die Allfforderullg erging, ist auf freundschaftliche Anregung der Licaria vorlättsig unterblieben, da eine nur von jüdischen Akademikern besuchte Versammlung nicht als zwecksördernd angesehen wird und da gerade bei Behandlung der Ausländersrage eine Hereinziehung zionistischer oder uationaljüdischer Propagandaideen, die nach dem Vorgänge der Berliner Versammlung zu besorgen war, unbedingt ferngehalten und damit ein allenfallsiger Zwist innerhalb der jüdischen Studentenschaft vermieden werden muffte. Die Münchener K. C.-Verbindung hat jedoch im Vereine mit den jüdischen Verbindungen an der Münchener Universität eine Petition an die zuständigen Behörden eingereicht, deren wesentlicher Inhalt sich mit der Berliner Resvlutiott deckt. Das Vorstehende sollte lediglich dazu dienen, einen Ueberblick über die äußere Entwicklung der AuSländerbewegnng zu geben und den gegenivärtigen Stand dieser Bewegung und die Teilnahme unseres Verbandes an derselben kurz zu kennzeichnen. Um den Standpunkt des K. C. gegenüber den im Verlause der Bewegung von der Studentenschaft aufgestellten einzelnen Forderungen auseinanderzusetzen, ist es notwendig, zunächst auf die Ursachen der Bewegung näher einzugehen. II. Die Ursachen der Ausländerfrage. Die Ursachen, welche die Alwl8nderbewegung hervorgerufen und die Richtung der Bewegung bestimmt haben, sind teils objektiver, reilsubjektiver Natur. A. 1. Von den objektiven ist in erster und hauptsächlichster Linie das Za hkenverhältnis der. Ausländer zu den einheimischen Studenten zu erwähnen. Für die Studierenden an den Universitäten ist hierüber genaues statistisches Material in den neueren Jahrgängen — die früheren enthalten keine Angäbet» über die Zahl der Ausländer — des deutschen Unioersilätskalenders zu finden; ihm sind im wesentlichen die hier benützten Zahlen entnommen. Für die Technischen Hochschulen ist der .Kalender der Technischen Hochschule, in ivelchem sich bis zum lausenden Semester getrennte Angaben über die ''Ausländer nicht sitldett, für gegenwärtige Frage leider nur ein mangelhafter Behelf. Für diese Hochschulen konnte daher nur zerstreut sich findendes Material benützt werden. Statistisches Material für Universitäten und Technische Hochschulen lieferten auch die zahlreichen Artikel der Tagespreise, sowie der studentischen Zeitschriften, insbesondere ein bereits im Oktober 1912 in Nr. 5 der deutsch-völkischen Hochschnlblätter erschienener Aufsatz von Oswald Orlvg lBerlin), der zu Beginn dieses Semesters zahlreiche Verbreitung fand und dem trotz oder gerade wegen des prinzipiellen Gegensatzes der Auffassung unseres Verbandes zu dem deutsch-völkischen Studentenoerband mit seiner ausgesprochenen unb auch in dem genannten Artikel unverhohlen zum Ausdruck gekommenen antisemitischen Tendenz unbedingt Beachtung entgegenzubringen ist. Der Besuch der deutschen llnioersitäten durch deutsche Studenten hat im letzten Dezennium trotz der bestehenden llebersüllung der akademischen Berufe in Deutschland außerordentlich zngenommen. Während sich die Zahl der deutschen Studenten vor 10 Jahren noch ans rund 35000 belief, erreichte dieselbe im Sommersemester 1907 schon die Höhe von 42889 nnd stieg im Sommersemester 1912 auf 54660. Die Zahl der Ausländer an den llnioersitäten, welche vor 10 Jahren ungefähr 2800 betragen

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