KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1912-1913
- Issue
- Heft 6 (1.3.1913)
- Date
- 1913-03-01
- Page
- Seite 121 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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schulen einerseits und den Universitäten andererseil S anschloß, die sämtliche Technische Hochschulen und Universitäten umfaßte, und bei der die Studentenschaft an den Technischen Hochschulen und all den Universitäten in Erkenntnis der gleichgenrteten Sachlage und im Bewußtsein der Verfolgung gleichartiger Ziele Hand in Hand ging. Den streikenden Studenten in Halle hatten sich alsbald mit Sympathiekundgebungen angeschlossen die Studierenden von Königsberg, Gießen, Freiburg, Göttingen, Marburg, Straßburg u. a. ES wurde beschlossen, in gemeinschastlichein Handeln mit der gesamten deutschen Klinikerschast eine prinzipielle Regelung der AnSlündersrage herbeiznsühren. ES wurde zu dieseln Zwecke ein außerordentlicherKllnikertag angesetzt, der am 4. Januar 1913 in Leipzig stattfand, Auf diesem wurden die bisher an einzelnen Universitäten ausgetretenen Wünsche in Forderungen des Gesamtklinikerverbandes zusammengefaßt, die alSdann den Senaten und gesetzgebenden Körperschaften als Petitionen unterbreitet wurden. Die Forderungen des Klinikerverbandes, deren Einzelheiten später zu erörtern sind, wurden von bcn Klinikerschasten einzelner Universitäten zum Gegenstände von Versammlungen gemacht. ES ist hier vor allem die am 23. Januar 1913 in Berlin stattgefundene Versammlung der Berliner Medizinerschaft hervorzuheben, die den vom Klinikerverband ausgestellten Forderungen vollständig beitrat. Nicht unerwähnt kann hier gelassen werden, daß in Preußen die Hauptforderung, welche die Hallenser Klinikei schaft ausgestellt hat und welche den Mittelpunkt der ganzen Klinikerbewegung bildet, nämlich die Forderung, daß Ausländer ohne ein dem Physikum entsprechendes Examen nicht als Praktikanten zugelassen werden sollen, nur dem geltenden Rechte entspricht, daS allerdings hauptsächlich in Hatte und Königsberg infolge mißverständlicher Auslegung des Ministerialerlasses vom Jahre 1896 nicht zur Anwendung gebracht wurde. ES wurde itämlich die Ministerialvorschrift, daß nur den Medizinstudierenden, »velche das Physikum bestanden haben, das Praktizieren in Kliniken gestattet sei, unrichtigerweise nicht auf Ausländer artgeivendet. Erft durch den Hallenser Streik gelangte der in abusum gekommene Ministerialerlaß wieder zu seiner vollen Wirksamkeit. An den Technischen Hochschulen ist die Bewegung noch nicht so weit gediehen, wie an den Universitäten. Zwar wurden von 24 Korporationen in Darmstadt ebenfalls „Forderungen" ausgestellt, die iit einer Versammlung vom 15. Januar 191" angenommen wurden. Jedoch sollen diese Forderungen erst auf einer allgemeinen Versammlung deutscher Studierender ihre Erledigung finden. Der Inhalt der Forderungen wird später zur Besprechung gelangen. Indes sei schon hier erwähnt, daß die Verbindung im K.E.Viadrina sDarmstadt), welche bisher sich stets in Uebereinstimmnng mit den übrigen 24 Korporationeit der dortigen Hochschule befunden hat, ihre Zustimmung zu beu Forderungen nerweigerte. Außer der Studeittenschast und den akademischen Behörden wrtrde auch schon der Reichstag mit der Ausländersrage beschäftigt. Unter dem Titel „Kurze Anfragen" wurde nur 10. Januar 1913 von dein Abgeordneten!)r. Werner-Gießen sWirtsch. Verg.) eine hierauf bezügliche Frage an den Reichskanzler gestellt, deren Beantwortung negativ ousfallen mußte, da die Regelung des Hochschulwesens nicht Sache deS Reichs ist, sondern den einzelnen Bundesstaaten obliegt. Die Entschließungen der einzelnen Bundesstaaten stehen, hauptsächlich soweit es sich um die Regelttng der Ausländerfrage an den Universitäten handelt, unmittelbar bevor. Nachdem die Verhältnisse zum Abschlüsse drängen, haben in den letzten Wochen auch die ausländischen Studenten, insbesondere die russischen sso in Berlin, Halle, Breslau) in Eingaben an Rektor und Senat sich Gehör zu verschaffen gesucht. Auch ist snr Ende Februar dieses Jahres von sämtlichen russischen Studenten auf den deutschen Hochschitlen ein Kongreß in Karlsruhe beabsichtigt.*) *) Anmerkung. Die Konferenz der rilssischen Studenten hat inzwischen stattgesmlden und folgende Resolution gefaßt: „Die russischeil Studierenden sind genötigt, in großer Zahl die Wissenschaft imAuslnnd,insbesondere inDeutschland, zu pichen, infolge der allgemein politischen und nationnlen Vebensbedkttginlgell in W u ß lnnd, speziell infolge der vollständigen Rechtlosigkeit des größten Teils der Studierenden ans Rußland, der der jüdischen Ratio- »lntität angehört. Der dadurch hervorgeritfene Andrang von russischen Studenten zu eiiiigen delttschen Hochschulen, insbesondere zu den medizinischen Iakutlälen, schuf den Boderr für eine feindliche und beleidigende Agitation von seiten eines Teils der deutschen Studentenschaft gegen russische Studenten, lvvdllrch der Zutritt zu den deutschen Hochschulen für diejenigen, denen die Tore der rnssisthen Hochschulen geschtossell sind, verhindert rverden könnte. Durchdrungen voll dem einmütigen Wunsche, gute Beziehungen zu den de »lisch eit Kommilitonen zu schaffen, hofft die Konferenz, daß die delltsche Stndentenschasi nicht den Weg reakrionnrec und antisernitischer Austritte gegen russische Studierende eiuschlagen ivird, lrnd glaubt, daß durch Selbsthilfe eine Verbesserung der hewigen Lage der russischen Studierenden in Teulschland herbeigeführt lverdell kann. Sie fordert alle russischen Studierenden an deutschen Hochschulen aus, sich '.ar Vertretung ihrer Wünsche und der gemeinschastlichen Interessen zu organisieren, und geht zur Besprechung der Maßnahmen über, die geeignet silid, die Lage der russischen Studenten irr Deutschland am besten z r regulieren." Wir können dem Inhalte der Resolution und der Absicht der rilssischen Studenten, durch 'Arbeit in einer eigerren Organisation eine Regelung der Lage der russischen Studierenden herbeizuführen, nur zustimmen.