KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1912-1913
- Issue
- Heft 6 (1.3.1913)
- Date
- 1913-03-01
- Page
- Seite 120 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Denn sie sind nicht Eigentum einer bestimmten Schicht, deren Berechtigung sich aus eine mehr oder weniger lange Entstehungsgeschichte des einzelnen Geschlechts innerhalb der deutschen Gaue nufbant, sondern sie gehören einen, bestimmten sozialen Mreife, nämlich der akademischen Jugend an, die aus Deutschlands Schulen in Deutschlands Hochschulen übergehend, im Laufe voll Jahrhunderten auf Grund auch hier »vieder vielfach mißverstandener historischer ^Entwicklung die schönen Sitten geschaffen hat. Sie wirken auf einen jeden jungen akademischen Burger begeisternd. Warum sollen wir sie unserer Jugend durch Doktrin verleiden? Nur um die Jugend zu entwurzeln? Der K. C. will die jungen Leute durch die akademischen Gebräuche in den Mutterboden deutschen Studentenlebens tiefer hineinwachsen lassen. Wir deutschen jüdischen Studenten sind infolge unserer Vorbildung und Abstammung hineingewachsen in die akademische Welt. Wie alle anderen Studenten drücken wir u»S nicht künstlich von frohen Bräuchen unserer Umgebung. Und so steht der .VMS. da, programmatisch bescheiden, als Organisation der jungen deutschen und jüdischen Persönlichkeit ans akademischem Boden. Und zwar stellt er eine spezifisch akademische Organisation mit ihren eigensten Einrichtllttgen dar, die getragen ist vorn Optimismus Zlun Judentum und geleitet voll den Worten der alten ."Burschenschaft: Ehre, Freiheit, Baterlandl -r- -r- -r- Die ausländerfrage an den deutschen Hochschulen und die Stellung des U.L. Irn Aufträge des geschäftsfiihrenden Ausschusses des K.C. von l)r. Julius Heilbrunner (Acnriae), Ätüuchen. I. Ueberblick über die Entwicklung der Bewegung gegen die Ausländer. Das jetzt zur Neige gehende Wintersemester wurde von zwei in der Geschichte der deutschen- Hochschulen glücklicherweise vereinzelt stehenden Ereignissen eingeleitet: Auf der Technischen Hochschule in Darmstadt durch das tief bedauerliche, tragische Ende, das ein ausländischer Student bei einem schweren Streitfälle zwischen einheimischen und ausländischen Studenten fand, auf der Universität in Halle durch den Streik der Kliniker, der eine Uebertragung eines nur im wirtschaftlichen Leben üblichen Kampfmittels auf HochschulverhÜltnisse gebracht hat. Beide Ereignisse, so wenig sie sich nach ihrer äußeren Erscheinungsform zu Vergleichen eignen, haben letzten Endes dieselbe Ursache. Es sind 120 unverkennbare Parallelerscheinungen, hervorgerusen durch gleichen Grund, durch die seit mehreren Jahren auf den Technischen Hochschulen sowohl als auf den Univernraten immer großer gewordene Spannung zwischen einheimischen und ausländischen Studenten. In Darmstadt kam die Spamlung zürn Ansbruch in der von einheimischen und ausländischen Studenten in gleicher Weise als verwerflich mißbilligten Form roher Gewalttätigkeit Einzelner, in Halle wurde die Spannung in die geordnete Bahn einer gut geleitetet, Massenorganisation überführt. In Darmstadt und in Halle ist die gegen die Ausländer gerichtete Bewegung zu einem vorläufigen Abschluß gekommen. In Darmstadt hat der große Senat der Technischen Hochschule eine llebergangsbestimmung folgenden Inhalts erlassen: „Die bis einschließlich zum Wintersemester 1909/10 in die Technische Hochschule zu Darmstadt eingetretenen Absolventen der russischen neunklassigen Realschule oder der dieser gleichwertigen Schulen können nur noch spätestens im Oktober 1913 ihre Diplom- Vorprüfung und spätestens bis Dezember 191', ihre Diplomhauptprüfung einschließlich Wiederhvlungs- und Ergänzungsprüfung ablegen. Nach diesem Termin jiiibeit Zulassungen zu Diplom- Vor- und Hauptprüsungen unter keinen Umständen mehr stattauch »verden keine Ausnahmen mehr getrehmigt." In Halle haben die Kliniker am 7. Januar 1913 den Besuch der Vorlesungen wieder ausgenommen, nachdem sie vom Kultusministerium die Zusage erlangt hatten, daß in Zukunft nur Ausländer praktizieren dürfen, die ein dem Physikum entsprechendes Examen abgelegt haben. Die Parallelereignisse in Darmstadt und Halle halten aber eine über den örtlichen Nahmen weit hinansgehende Bedeutung und Folge. Zwar liegt, wie schon erwähnt, das Entstehen der Spannnng zwischen inländischen und ausländischen Studenten schon längere Zeit zurück. Schon in früheren Jahren, so im Jahre 1907, war im preußischen Abgeordnetenhaus die Ausländersrage angeschnitten worden. Der Berbanddeutscher Technischer Hochschulen hat sich schon seit Jahren bemüht, eine Bewegung «egen die Zunahme der Ausländer an den Technischen Hochschulen einzuleiten. In München hat im Sommersemester (27. 6. 12) die Klinikerschast bereits Stellung zur Ausländersrage genommen. Jedoch waren diese Maßnahmen gegen die ausländischen Studenten vereinzelt und zum Teil ohne gegenseitigen Zu» sammenhang. Die beiden erwähnten Parallelereignisse in Darmstadt und Halle bildeten aber den Ausgangspunkt, an den sich numnehr eine Parallelbewegung aus den deutschen Technischen Hoch-