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KC-Blätter · 1913-03-01 · Heft 6 (1.3.1913) · p. Seite 119

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 6 (1.3.1913)
Date
1913-03-01
Page
Seite 119 (sequence 3)
Language
German
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119 stolzen Persönlichkeit des Trutzjuden scharf hervortreten und ihn daS Judentunr tief innerlich erfassen lassen. Darin liegt der logische Irrtum bei der Bildung deS Begriffes „deS Judentums auf Kündigung": der Trutz schwindet mit den» Judenhaß, die znm Trutze disponierenden Charaktereigenschaften des Stutzes und der Ehre iverden aber dann das Judentum erhalten. Womit übrigens dem bloßen Trutzjudentum durchaus nicht das Wort geredet, sondern nur angeführt iverden soll, daß muh diese Kategorie innerhalb des Judentums nicht in die Passiven der Bilanz an jüdischen Werten zu rechnen ist. Der Kampf gegeit alles das, »vas man gemeiniglich als Judenhaß Utld Antisemitismus zu bezeichnen pflegt, ist dabei selbstverständlich. Rotwendig ist aber auch die Borbereitnng für diesen Ka»»»ps im spateren Leben. Wollen wir »licht nur ein bloßes Maulheldentum predigen, »vollen »vir nicht nur dafür sorge»», daß unsere Mitglieder sich brüsten, zuverlässige Inden zu sein, so haben »vir mit Energie auf die Kenntnis der in Frage kommenden Materie bei unserer Jugend hiuzmvirken, »vobei ausdrücklich bemerkt sein mag, daß der Stoff gerade dieser Art 511 einer eigenen Wissenschaft gewachsen ist. Mit je »nehr Festigkeit und Entschiedenheit »vir den Kamps um die jüdische (Gleichberechtigung im praktischen Leben sichren »vollen, desto intensiver u»nß die Vertiefung unserer Jugend in die sogenannte Judenfrage sein. Jede Charlatanerie nach dieser Richtung hin ist von Nebel. Die besten Freunde der Antisemiten sind dieje»»igen Juden, »velche sie entlveder mir mit allgemeinen Redensartel» bekämpfen oder die ihnen, »vie dies neuerdings vielfach der Kall ist, in einem Anslnge perverser Ritterlichkeit Dinge zugeben, »velche mit der Wahrheit nichts gemein haben. Und nun die Stellung des K. E. zn»n delltschen Baterlande. Sie mußte vorurteilslos beurteilt in »ms klar fein. Wir alle sind nnigeben von delltscher Kultur, erzogen auf deutschen Schulen, gebildet im deutschen (leiste, und der K. C. erkennt eS und stellt es mit Freude fest. Dar»»»»» sind »vir in» K. E. schlechtweg Deutsche! Wir sehen die Dinge so: lesen »vir in der neueren Geschichte des Judentnlns, oder in den großen Werken der jüdischen Geister, so »var als Ende aller Strebungen doch die Entpolitisier»»ng des Judentu»»»s, dagegen die Beivahrnng der in itufcver Berga»»genheit vorhandenen »»»»d sich svrtentlvickelten E»vigkeits»verte gedacht. Man hat in früheren Jahren den K C. häufig eine jüdische Burschenschaft genannt. Insofern ganz mit Recht, als er nach Art der Burschenschaft die Begriffe Freiheit, Ehre, Vaterland zur Devise nehmend, die Freiheit und die Ehre des jüdischen Menschen i»u Vaterland herbeiführen »vill und dadurch a»»ch echte Vaterlandsliebe verbürgt. DaS hindert nicht, daß auch der Zionist im K. E. Platz hat. Der»»» auch der Zionist kann »»ach den Worte»» des ,,Basler Programms" ein Deutscher schlecht»veg sein. Warum sollte sich aus unserer Erziehungsmethode bei de»n einen oder andern nicht auch eine zionistische Konsequenz ergeben? Eines jedoch glaube ich: Jüdisch-politischer Ehanvinisinus »vird in K. E. Kreisen unbedingt ausgeschlossen sein. Schon aus dem Grunde, »veil der K. E. a»»s den» Gefühl des Optimismus hera»ls gegründet »vorden ist. Endlich die Zukunft des Judentums! Wie stellt sich der K. E. dazu? Seine Gegner lächeln und meine»», der» schwächsten Pnrikt berührt zn habe»». Drrrch diesen Druck »verde der Glaskörper zerschellt. Mit »richten! Denn die Frage nach der Zukunft des Judentums hat »ich allmählich von einer wissenschaftlich wertvollen Erörterung in das Gebiet gefährlichsten politischen Schlag- »vörterkrams rrmgervandelt. Wer die Frage beantrvorten »vill, »vird, so er mit dem nötigen geschichtlichen, vülkerpsycholvgischen und religioirs- - »vissenschaftlichen Apparat ausgerüstet ist und von vornherein erkennt, daß alle Prophezeiungen von klebet filld, zll denl Resultat fo muten nlüssen, daß allein die Eigenschaften des in sich gefestigten Charakters bei bau einzelnen Juden wie bei der jüdischen Gesamtheit der» Bestand des Judentums in sich verbürgen, mit* daß alle Mittel, statt innerer Werte ültßere Organisationen zu schaffen, »llr einen Verband ans eine innen eiternde Wunde bedeuten können. Der K. E. glaubt aber nicht, daß der Körper deS Judentums erkrankt sei, er saßt viel als Hypochonder ie ans, »vo andere schon Erscheinungen des Verfalls erblicken. Arbeitet er an» Leibe des Jndentrillls, so übt er die Gymnastik des gesunden Körpers und ruft nicht nach dem Arzte, »vo ein Glied sich vielleicht hie und da durch lange Trägheit etivas versteift hat. Die durch de»» Pessimismus geborenen Lösungen der angeblichen Frage der Zukunft deS Judentums fi»»d daru»n an sich nicht so bede»tklich, »vie die Liquidativlt, »velche de»n Scheitern aller außerhalb des eigentlichen Jnde»»t»»ms liegende»» Projekte für die Z»»ku»»st folgen »vird.' Wir fürchte»» dar»»»»» einen Ba»r, der sich a»»s Funda- »nenten ent»v»ckelt, die nicht innerhalb des Gebietes des Geistes der jüdischer» Gemeinschaft liegen. Weil »vir Optimisten sind, erziehen »vir die .Jugend in Freudigkeit! Wir lieben die alten deutschen studentischen Sitten und üben sie. Wer sagt, »vir äffen sie nach, der verke,»nt ihr Wesen.

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