KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1912-1913
- Issue
- Heft 6 (1.3.1913)
- Date
- 1913-03-01
- Page
- Seite 118 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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118 Gedanken über das Wesen des U.L.*) Bon Vr. Ludwig Holländer (Lieariae), Berlin. Oft Gefugtes tu anderer Form zn wiederholen Hut mir dünn einen Wert, ivenn Wesentliches und Wichtige« wiederholt werden timfe, mit ganz in das seelische Eigentum der davon betroffenen Persönlichkeiten zu gelangen. Und wenn tvir uns über daS Wesen des K. E. immer wieder klar iverden, so geschieht das aus demselben Grunde, auS dem man ein gutes Buch nicht oft genug lesen kann. Uns wohnt innerhalb der Schar der jüdischen Bereinigungen ein ganz eigener Charakter bei. Wir wollen mit Rücksicht und unter steter Würdigung der angeborenen Eigenschaften des jungen ManneS, nämlich des Deutschen und des Indischen, ans unserer Jugend geschlossene, charakterfeste, starke und opferfreudige Persönlichkeiten machen. Man bedenke: Nicht darum handelt es sich, Parteigänger zn züchten, irgendeine Parteischablone in die Gemüter hineinznhämmern, die Unfehlbarkeit irgend einer Weltanschauung zu predigen, die Gemüter zu fanatisieren. Was einer im K. C. glaubt, wie er zu den einzelnen großen Fragen des Judentums und des Menschentums steht, ist nicht Sache des Urteils irgend einer Instanz. Wenn der Mensch nur mit sich im reinen ist, ivenn er nur alles, was an die Niederungen deS Daseins erinnert, von sich abstreist, kurz: ein Charakter werden will, so kann er Mitglied des K. C. sein. Doch diesen Endzweck tvollen andere akademische Organisationen auch erreichen! Wozu also jüdische Verbindungen zn diesem Zwecke schaffen? Weil Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vom Juden anderes heischen, als von seiner Umgebung. Das Ghetto hat Ghettospuren hinterlassen. Ghettospuren, welche der freien Bewegung der Persönlichkeit in erheblichein Matze Schranken auferlegen, die unbeivutzt in uns weiterwirken, und vor allem jene häßliche Krankheit, den jüdischen Antisemitismus, zeugen. Das Ghetto ljgt der Seele des heutigen Judentums schwer heilbare Schäden geschlagen: die heute so weit verbreitete Schwarzseherei aus der einen, und die Gleichgültigkeit in allen Fragen des Judentums aus der andern Seite. Kurz: die Ausbildung der extremen Empfindungsrichtungen innerhalb der großen Masse des Judentums, ist als Folge der Vergangenheit zn bezeichnen. *) Der Aufsatz, der seinem wesentlichen Inhalt nach bereits in Heft 2 der Zeitschrift „Ost und West" erschienen ist, sott-als allgemeiner OrientierungSartikel über die K.C.-Tendenz dienen. (Die Redaktion.) Gemeint sind unter Schwarzseherei die großen Zweifel, welche namentlich in der letzten Zeit in vielen Kreisen Eingang gesunden haben: Wie steht es mit der Zukunft des Judentums? Wie steht es mit dem Verhältnis znm Lande, in dem wir geboren sind? Sind wir ein jüdisches Volk, das durch treue Erfüllung von staatsbürgerlichen Pflichten innerhalb der deutschen Grenzen alle Rechte der Alteingesessenen erworben hat, oder sind wir Deutsche schlechtweg, nur getrennt von der Masse der Mitbürger durch andere Auffassung vom letzten Wesen der Ewigkeitssragen? Wollte der K. C. den Mensche» bilden, so mußte der Grundbau seiner Erfordernisse an Inhalt und Umfang eines positiven Bekenntnisses gering sein, denn nur das Zusammenarbeiten verschieden Denkender lehrt Amchauungen kritisch erkennen und züchtet so Gesinnung und Charakter. Durch Einsicht in das Wesen der Dinge will der.K. C. zu geistiger, innerer Festigkeit führen. Darum muß es ihm willkommen sein, wenn alle Richtungen innerhalb des Judentums in seinen Reihen arbeiten. Was kann und muß einen jeden am Judentum fesseln? Diese Frage kann nicht eindeutig beantwortet tverden. Bei dem einen ist es das religiöse Band, bei dem andern sind es geschichtliche Erkenntnisse, Stmnmesgesühl, Nationalgefühl, Pietät oder Dinge, die man in logische Kategorien nicht einreihen kann. Ein vorhandenes Zusammengehörigkeitsgefühl logisch verankern zn wollen, ist in fast allen Fällen ein mißliches und meist mißlungenes Vorhaben. Wer könnte in den alltäglichen Verhältnissen z. B. in der Ehe, bei jedem einzelnen die Fäden der Entstehung und Begründung des Zusammeugehörigkeitsgesühles bloßlegen? Gemeingut der Menschheitserkenntnis ist: Die Tatsache des Zusammenhanges mit den großen Erscheinungen innerhalb und außerhalb der Person muß vorhanden sein, um dem Menschen zum tvahren Menschen zu machen. So muß im K. C. ein jeder zum Judentum Beziehung haben. Denn er soll lernen, sich mit Stolz als Jude zu suhlen. Aber der Wege vieler führen nach Rom. Man höhnt vielfach jene, die sich nur als Trntzjnden bezeichnen und auch neben andern im K. C. eine Stelle gefunden haben. Moderne Schlagwörter: „Judentum auf Kündigung", „Judentum von Antisemiten Gnaden" riift man diesen gern zu. Falsch: der stolzeste Trutzjude ist der stolzeste Mensch. Gefestigt in seinein Charakter wird er nach Wegfall der Symptome sich der Grundursachen erinnern müssen, die ztlr Krankheit führten, nämlich der Ewigkeit des Komplexes, den man gemeinhin das Judentum nennt. Und in deni Augenblicke, wo der letzte Antisemit verschwunden ist, uw man nicht mehr von Schutz und Trutz spricht, wird der Adel der