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KC-Blätter · 1913-02-01 · Heft 5 (1.2.1913) · p. Seite 110

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 5 (1.2.1913)
Date
1913-02-01
Page
Seite 110 (sequence 10)
Language
German
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110 stoßenden Wiederholungen, dieses — sozusagen — steife Rückgrat der Worte ist wahrlich nicht unbeabsichtigt. Rein, dieser seine edle Männerbrust stolz vorwerfende Zweibäudermmm legt gerade besonder«! Wert auf äußerste Korrektheit und Strafsheil in Ha'tuug und Handlung. Er steht eben auf der schwindligen Höhe studentischen Schaffens und Könnens und will sich demnächst mit der unerschrockenen Kühnheit eines Polarfahrers, der sich in unbekannte Gegenden hiueiuwagt, auf den holprigen Weg des Examens begeben. Seines hohen Wertes und feiner künftigen Bedeutung also vollbewußt, brüllt er mit der kraftvollen Stimme eines Helden, dem im Bierjungentrinken niemals ein ernstzunehlnender Gegner erstanden ist, in den ahnungs- und atenckos lauschenden Saal hinein: „Das 5. Semester trinkt auf ein glückliches Examen." Und mit der inuviderstehlichen Vehemenz einer Schnellzugslokonlotive ergießt sich das Bier in den neideuswerten Schlund deS glücklichen Besitzers. (Grade dieser letzere Borgang wird von der gesainten Konfuchsia stehend und mit äußerster Spannung verfolgt und löst tvahre Beifallssalven ans.) -i> „Das 10. Semester steht." Man merkt, er liebt die Phrase schon gar nicht, nachdeul er nä,nlich soeben erst nach so hostnungs- und bedeutungsvollen Ansätzen sein Examen voruehlulich durch seine tief lvurzelnden Keuutuisse in der Phraseologie glücklich beendet hat. Er wäre natürlich und ganz selbstverständlich schon längst A.H, lvenn' nicht der immer grade zur ungelegensten Zeit sich heranschlängelnde Kassenwart sich in unliebsamsterWeise mitZeutnerschlvere an seine Rockschöße gehängt hätte. Ader muh so weiß er schon jetzt ein seiner staatlich beglaubigten Steife gemäßes, geradezu bewuudernswert gesetztes Wesen zu entfalten n«ld leert sein Glas in gemessenem,bnraukratisch-bedüchtigem Zeitmaße „ans ein feucht-fröhliches Philiste rin m". * -r- * „Meine sehr verehrten Damen! DaS 25. Semester. . . . In der allgemeinen Sprachlosigkeit über diesen wahrhaft unkommentmäingen Anfang geht begreiflicherweise der weitere Teil der flh'be verloren. Aber schließlich erholt rnan sich ivieder und es sind auch Worte der Entschuldigung und Verzeihung zur Stelle, weil allmählich immer mehr die zur Rachsicht mahnende Wahrnehmung Platz greift, daß der Redner in bedenklichem Maße auf Freiersfüßen einherstvlzt und in unverantwortlicher, krankhafter Weise sein nach der Ehe schreiendes Herz ans dein schlüpfrigen Asphalt der Zunge unbehütet spazieren gehen läßt. Seine fortgesetzten, zärtlich kosenden ^iebäugeleien mit der buutprangendeu Galerie, die ihrerseits wiedernm sehnsüchtig schmachleud an seinen Vippen hängt, sind schließlich auch ein reicher Ersatz für die leider unverstandene Rede, die in ein „Hoch ans die Dainen" ausseufzt. Aber der schneidige „Ganze" zu allerletzt, diese beabsichtigte Verbildlichung seiner hinreißenden Verehrung für das schöne Geschlecht, wäre ihm erheblich mißglückt, lvenn nicht das niitleidsvvlle Bier - in alter Freundschaft zu seinenr einstigen Berehrer — in stiller Resignation und in aller Eile unter Kragen und Oberhernd noch rechtzeitig einen Schlupfwinkel ausfindig gemacht hätte. „Das 50. Semester." Ein gutntütig dreinblickender Familienvater, dessen anerkanntestes Bedienst und überhaupt Grund zur Einladung sein heranivachsender, keilfähiger Sohn bildet. In seiner treu vorsorgenden Art hat er sich einen kleinen Rest im Glase für den Zweck des Seruesierreibens zurückbehalten, lveiß aber dafür fein Seidel um so beherzter ,;u schwingen und als er gar „aus den Nachwuchs der Berbindung" trinkt, findet er ein verständnisvolles, beifallsfreudiges Publikum. „Das 100. Semester hat sich erhoben, das 100. Semester steht." . Eine gewisse Borliebe für viele Worte macht sich hier «nieder breit, welche so sachte in jenes Alter überleitet, «velches nur Schwatzen noch rechte Freude entpfiudet. Sv glaubt auch jeder heute dem Greise, daß er sich in dem jugendsrohen Kreise gleichfalls als Jüngling fühle, und applaridierte ihm, als er auf ein „Vivat, creseat, florcjit* einen urkrästigen Schluck ankündigt. Und hierbei nippt er am Glase. * * Ein stiller Beobachter, der seine Schweigsamkeit durch Inbrunst der Aikfmerksamkeitztt ersetzen sich erfolgreich be«niiht lint, wendet sich an seinen Nachbar, der im Gegensatz zu ihm sich um so lebhafter mit seinen! Glase unterhalten hat: „Da sehen Sie", so spricht er, ..zuerst die überfchäurnende Jugend, die in ihrer Unvernunft nicht genug des Bieres Hermuerstürzen kann und am Schluß das weise Alter, das «rur am Glase nippt." „Sie möge» recht haben", meinte der Angeredete, „aber «vozrr ist »tan überhaupt 100 Semester alt geworden, als dafür, die Freiheit auszukosten, daß kein Kletterer für das Rippen einen spnmen lassen kann".

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