KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1912-1913
- Issue
- Heft 5 (1.2.1913)
- Date
- 1913-02-01
- Page
- Seite 106 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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10« das; keinerlei Handlverk ein verlorenes lind fiir die Welt nutzlos sei, weil jedes ein Glied in der großen Kette bildet, nns der die ntenschliche Kultur sich zusannneusetzt. Der Talmud sagt mirf) (Mib. 20n): „Decke totes Vieh ab ans offener Straffe und sprich nicht, ich bin ein Priester, oder ich bin ein groffer Mann, und das Geschäft ist nur gehässig". „Denn es gibt kein Handwerk, welches der Welt entbehrlich wäreglücklich der, lvelcher an seinen Eltern das Borbild tückitigeu Gerverbefleiffes hat." (Kid. ^2 b.) „Liebe die Arbeit", war der Wahlspruch N.Schemajas lSprüche der Pater 1,lO). Ist dieses Polk ein feudal-kapitalistisches Herreuovlk? „Dieses Polk hat den Namen und den Beltriff der Arbeit erfunden und in die menschliche Gesellschaft eingeführt. Bis dahin kannte alle Welt nur Sklaven und Sklaverei. Der freie Mann in Griechenland uiib Rom hielt alle Handarbeit für verächtlich." sKurrein Das jüdische Polk fällt völlig ans dem Nahmen der antiken Kultur heraus. Es trug in sich alle die Ideen, welche die antike Kultur überwinden sollet». Hier finden ivir bereits die Ideen der Arbeitsehre, des Arbeitsschutzes, der Armenpflege, der wöchentlichen Nuhetage und der Sozialhygiene voll entivickelt. Und so haben auch die Inden die Idee der allgenieinen Menschemvürde zuerst praktisch entlvickelt, indem sie die ersten Schritte zur Abschaffung der Sklaverei taten. Der jüdische Sklave muffte sechs Jahre nach den! Kaufe freigelassen werdenauch zuvor konnte er von seinen Verwandten jederzeit abgelöst werden. Die Behandlung der jüdischen Sklaven war im Talmud bis ins kleinste geregelt. „Iff nicht feines Brot, »venu dein Diener schwarzes erhält, und schlafe - nicht auf Polstern, lvenn du deinen! Diener Stroh gibst", tzKid. 20a). Nach der Entlassung muff der Herr den! Sklaven Mittel geben, inn ein selbständiges Leben zu beginnen, mindestens im Werte von zirka 00 Mark, also im damaligen Werte bedeutend niehr. Sabbath und Festtag galten auch für den jüdischen Sklaven. Einern «klavcn, der die Freiheit nicht anuehmen wollte, wurden die ^hren durchbohrt. Äiicktjüdische, freinde Sklaven, diese degenerierte Masse deS spätantiken vierten und fünften Standes, lvurden infolge ihrer Geringrvertigkeit den jüdischen Sklaven nicht gleich behandelt. Doch war auch ihr Geschick durchaus human geregelt. Bei grober Miffhandlnng rvurden sie frei, ihre Tötung ivurde bestraft. Bon anderen Ländern zugelaufene flüchtige Sklaven lvurden nicht ausgeliefert. An die Stelle des jüdischen Sklaven, der allmählich verschrvand, trat der jüdische freie Arbeiter. *f .Viuvvcin Arbeit und Arbeiter tm jüdischen Volke, tzFrnnksurt 18nn). Das landwirtschaftliche und gewerbliche Arbeitsverhältnis war in hlnnansler Weise geregelt. Arbeitszeit, Lohnzahlungstermin, Lohnhöhe, Lohnart nslv. sind im Talinud eingehend festgelegt. Die sonstigen groffeu sozial-ethischen is-eseve und Ideale der alten Juden, der Sabbath, das Iobeljahr stltückfalt verkauften Bodens an den Altbesitzer), die Fürsorge für Arme und für Hinterbliebene, der Maaser, jt^rundsteuer für Arineinvesen) usw. sollen hier uidjt tveiter besprochen iverden, da diese Dinge iiljoii oft durch die bekanntere Literatur gegangen sind. Tie ^Betrachtung, welche den durchaus anti-manchester lichen, kleinbürgerlichen, untinumerzieUen, fo^zial politischen Grundzug der alte,! jüdischen Kultur vor Angen führen sollte, sei mit den Worten geschlossen, die Hiob zu seiner Nechtsertignng spricht: „Ich errettete den Arnien, der schriedie Waise, die keinen Helfer hatte. Der Seaen des den! Untergange Persallenen kam über mich, das Herz der Witwe machte ich jubeln- Auge war ich dem Blinden und F"ff war ich dem Lahnien. Ein Pater war ich dem Dürftigen und die Nechtssache des Unbekannten prüfte ich. Ich zerscknnetterte dem Frevler die Kinnlade und riff ihm die Beute ans de»! Iähnen. " Dieses Polk der sozialen Ideale sieht nicht ans, als ob es mit zwingender Notwendigkeit den Kapitalisinus aus sich heraus hätte gebären müssen. Die bisherige Darstellung galt dem im alten Heimatlande lebenden Teile des Volkes. Die Heimat nun »vurde der rvachsenden Menge allgemach zu klein, und so begann im Zeitalter wachsender Verflechtung Palästinas in den hellenistisch-rönlischen Wirtschasts und Staatsorganismns eine lebhafte Auswanderung. In ^labylonien saffen bereits viele Juden noch seit den Seiten des Exils. ..Aber noch in der hellenistischen 'Feit, als die Inden bereits in allen Städten des Auslandes Handel trieben, predigten ihre Moralisten dagegen und verharrt die groffe Menge der Pa lästina Bervohnenden beim väterlichen Landbau," tIollschan). Und doch neigten die Tage der palästinensischen Idylle ihrem Ende zu. Denn mächtiger und mächtiger brauste das gewaltige Leben der vollerblühten antiken Wirtschaftswelt heran, alles in sich ausnehmend, auslösend, zersetzend. Uralte Ackerbanvölker, ruhig dahiulebende Menschenmafsen, idyllisch vegetierende Stäunne und Nationen lvurden in die Handels treibende, hochkapitalistisch denkende Welt des Nomerreichs hineingerissen. In dieser Welt zerflossen allgemach die uralten Unterschiede der Nationen. Ein ungeheurer KosmopolitiSnlus ergriff die Völker deS Altertumssie verlieffen ihre alten Sitze, nicht mehr zu Krieg und Beutezug, sondern um ihr Glück zu suchen im bürgerlichen Berkehrssysteme des