KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1912-1913
- Issue
- Heft 5 (1.2.1913)
- Date
- 1913-02-01
- Page
- Seite 105 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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volkeS bald ein friedlicher geworden. Vom Hirtenleben ging eS zulu Laudüau und 511 eigentlicher Viehzucht über. Allmählich entwickelte sich ein System der 'Ztadtwirtschaft. Ätur zögernd klopfte die VerkehrSwirtschast der Mittelmeervölker, vertreten durch fremde Mniifleitto, an die Pforten dieser Idylle, (Siehe Löhr, Israels Multurentwickluugj. „Ackerbau uud Weinbau, Obstzucht und Viehzucht, in den Städten etwas Handwerk, war die Tätigkeit des jüdischen Volkes tu dieser Zeit,' der Handel in Palästina war durchaus Passivhandel ägyptischer und phönizifcher Maujlcntc. Die Teudenz der Gesetzgebung war lauge dem Handel uud der Leihe geradezu feindlich. Mit Verwunderung sprachen die Propheten von dem Mrämerlarid und der 5katlsmamrsstadt Babylon," fZollschau). „Darlehnsgeber, die von Volksgenossen Zinsen nahmen,galten gleichHasardspielern für unfähig, vor Gericht Zeugenaussagen zu machen." (Delitzsch.) llnd Iosephus schreibt (Eontr. Apivu, 1, l2): „WaS uns betrifft, so bewohnen wir weder ein Miistenland, noch haben wir Frellde au Handelsgeschäften uud stehen darum auch nicht im Verkehr mit anderen Völkern. Unsere Städte liegen vom Meere weit ab, und unsere Beschäftigung ist, das gute Land, das wir bewohnen, auSzubauen". — „Nicht Handelsvolk war das jüdische Volk," schreibt and) Goldschmidt (Universalgeschichte des Handelsrechts C>, U). Natürlich bestand nun nicht durch alle Jahrhunderte der palästinensischen Zeit hindurch das ganze Volk nur aus Kleinbauern und Handwerkern. Wie überall in der Welt, entstanden and) hier soziale Unterschiede von Großen und Mleinen, Eigentümern und Pächtern, Reichen t«nd Armen. Falsd) ist jedoch, das; das ganze Volk den Eingeborenen als feudalistisch - kapitalistisches Herreuvolk gegenüberstand. Nichtig ist, daß innerhalb des jüdischen Volkes, das im Lause der Zeit mit den Eingeborenen verschmolz, sid) eine Oberschicht abhob) das; in den älteren Zeiten im jüdischen Volk eine gruudbesitzeude Aristokratie, später bei steigender Berührung mit der Verkehrswirtschaft deS späteren Altertums eine kapitalmächtige Plntokratie entstand. An saldiert Gegensätzen haben sid) zu allen Zeiten die sozial-ethijchen Ideale entzündet) nirgends sonst int Altertume aber haben sie eine sold) grandiose Wuck)t, eine sold) religiöse Verankerung gewonnen wie in Palästina. Ueber den sozialen Geist der ältesten jüdischen Gesetzgebung haben Henry George, Damaschke u. a. sv eingehend geschrieben, daß fast nid)tS zu sagen übrig bleibt. Das sozial - wirtsd)aftlid)e Ideal jener älteren Tage haben mit grandiosen Worten die Propheten enttvorfen: Einst, am Ende der Tage,-dann werden alle Völker .ihre Sd)tverter zn Pflugscharen nmwandeln und ihre Spieße zu Winzermessern, und ein jeder wird nnter seinem Weinbanm und unter seiner Teberinthe sitzen — — Zum ersten Male kamen die Itlden wieder in den Strom hod)wirtsd)astlid;en Lebens während des Exils in Babylon. Hier lernten sie ein wirtsck)astlid) hod)entwickeltes Voll kennen, und die Folgen dieser Berührtmg sind sehr bedeutsam. Zwar kehrte ein Teil des Volkes nad) Palästina zurück und hauste dort wieder in alter Weise. Die angeführten Worte deS Iosephus zeigen, das; noch 600 Jahre nad) der Rückkehr die Juden Palästinas in überwiegender Zahl ein ländlich-kleiubürgerlick)es Stilleben führten. Immerhin bildete sid) infolge der wadisenden Berührung mit der griechisch-römischen Welt in steigendem Maße eine stadtwirtschaftliche Kultur (ein „Mittelalter" im Lamprechtschen Sinne). Seit die hasmonäisch - hervdisd)en MönigSgesd)I> d)ter in den Städten Mönigsprtmk entfalteten, bildeten sid) sogar antike Großstädte (Münigsslädte). Ungefähr voll 200 v. Ehr. an wird der Träger der jüdischen Mnltur der städisd)e Handwerker. Der Handwerker tritt nun als der Hanptträger der wirtsd)aftlid)-teck)nifd)en, der Reck)ts- und Sittenentwicklung entgegen. Waren ehemals die geistigen Führer aus dem Landvolke erstanden (AmoS, Mid)a), so fiub eS jetzt kleinstädtisd)e Handwerker (die Rabbiner). Rabbi Sd)emaja. der große Theologe, Religionslebrer, Sd)nlleiter und einer der Vorsteher deS großen Konsistoriums (SynhedriouS), war Ntaurermeifter. Der hochintelligente und geistgewandte Rabbi Iosna, eilt gerngesehener Gast des kaiserlid)en Hofe» in Rom, war Mohlenbrenner. Der berühmte Rabbi Älteir war Sd;reiber) er hat als erster Eisenvitriol zur Herstellung der Tinte bemcht. Hundert Weise des Talmud haben so daß bei Grieck)en und Römern verack)tete Handwerksgewerbe betrieben. DaS Handwerk kam fd)ließlick) zu hoher Blüte. Berühmt war die Seiden- und Seilerarbeit von Arbel und die Töpferarbeit von Sid)en und Musar Ehananja. Die Inden von Alexandria luavmi vorwiegend Handwerker) in der großen Synagoge hatten die einzelnen Gewerbe gesonderte Plätze. Und ganz modern mutet uns die hohe soziale Schätzung deS Handwerks an, wie überhaupt die soziale Struktur des damaligen jüdisd)en Gemeinwesens cmffallcub an kleinbürgerlich-ländliches Leben unserer Tage erinnert. Nichts von antiker kapitalistisd)er oder selbst feudalistischer Sklavemvirtsd)aft, nichts von Verad)Umg der Handarbeit, sondern Sd)ntz und Ehre der Arbeit in allen Formen (Ländliche Lohnarbeit, Handwerk). Die Bibel sagt: „So du von deiner Hände Arbeit dich nährest, dann ist's dir wohl", und der Talmud sagt.