KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1912-1913
- Issue
- Heft 5 (1.2.1913)
- Date
- 1913-02-01
- Page
- Seite 104 (sequence 4)
- Language
- German
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104 seid. Auch anderwärts haben sie zur wirtschaftlichen Entwicklung stärkstenS beigetragenihre größte Wirkung aber konnten sie unter den germanischen Völkern deS europäischen Äkordens entsalten. Die moderne kapitalistische 5kultnr ist nach Sombart entstanden durch die Vereinigung der überaus großen kommerziellen Begabung der Juden mit der ebenso überragenden technischen Befähigung der germanischen Völker Nvrdeuropas. Diese Sombartsche These muß, soviel Wahres sie enthält, in ihrer extremen Zuspitzung als unrichtig bezeichnet werden. Gegen die Sombartsche Hypothese, die Disposition zum Kapitalismus sei den Juden rasseeigen, ist immer noch die alte Auffassung aufrecht zu halten, daß der jüdische Kommerzialismus ein Produkt der Geschichte i)t; allerdings nicht lediglich der mittelalterlichen Geschichte, sondern der ganzen Geschichte seit der Einziehung der Inden in die hellenistisch-römische Welt deS späteren Altertums. Der Anschaltung Sombarts, das; der Wirtschastsgeist der Juden in Verbindung mit der technischen Befähigung der nordischen Völker den lnoderilen Kapitalismus erzeugt habe, ist entgegenzuhalten, daß die Juden nllr ein Teil jener gewaltigen Kulturrvelle rvaren, die seit den grauesten Tagen des Altertunls bis an die Schwelle der neuefton Zeit vom Süden her, vom Mittelmeer und Vorderasien, beit orden Europas mit höherem »virtschastlich-technischen Leben befruchtet hatdaß der kapitalistische Geist eine uralte seelische Disposition der Mittelmeervölker ist lmd von rnehreren objektiv sehr geeigneten Völkern dieser Gruppe nach dem Norden Europas gebracht worden ist. Eines von diesen Völkern nur waren die Inden. U. Der Wirtschaftsgeist der Mittelmeervölker im Altertum, insbesondere der Juden. Daß die antike Welt selbst in den Tagen ihrer höchsten ökonomischen Blüte fast ausschließlich im Stadium der Eigellwirtschast zugebracht habe, war seit Rodbertus bekannten Untersuchungen ein Dogma der Wirtschaftsgeschichte, obwohl so manches, was man vom wirtschaftlichen, rechtlichen, sozialen und politischen Leben der Antike wußte, nicht recht damit übereinzllstimmen schien. Es kam dann eine Ilut von Schriften, rvelche uns die Antike als eine durchaus arbeitsteilige, hochkapitalistische Welt vor Augen stellten. Hierher gehören die Schriften von Beloch zur griechisch-römischen Geschichte, Meyer (Die wirtschaftliche Entwicklung des Altertums), Schmoller (Antike Großindustrie), Weber (Römische Agrargeschichte), Speck (Handelsgeschichte des Altertums, Neurath lAnrike Wirtschaftsgeschichte), Delitzsch (Handel und Wandel in Altbabylonien», Hue (Die Bergarbeiterin den Kapiteln über die sozialen Verhältnisse der antiken Bergleute». Gewisse Uebertreibungen der neuen Darstellung waren indes unverkennbargegen sie wandte sich namentlich Karl Bücher. Dennoch ergab sich ein neues Bild der Antike: dasBild eitler nuf ihren Gipfelpunkten schon recht arbeitsteilig gestalteten, schon große Gütermassen (überwiegend Rohmaterialien) aiistauschenden, verbältnismäßig stark kapitalistisch organisierten und von kapitalistischem Geist erfüllten Weltverkehrswirtschast (wenn auch natürlich, namentlich im Innern der Provinzen, die Eigenwirtschaft durchaus überwiegend blieb). Eine uralte Handelswelt, in der seit den grauesten Tagen starker Handelsgeist, kapitalistischer Wirtschastsgeist eine hochbedelitende, in seiner Wirksamkeit immer steigende, schließlich alles überwuchernde Rolle spielte. Es tvar dies zu der Zeit, als die beiden großen antiken Handelsgebiete, der Orient (Westasien) tind der Okzident zu einem großartigen Einheitsreich verschmolzen (das spätere Altertlnn). In das ungeheure Weltverkehrsreich deS späteren Alterttnns »vurden alle Mittelmeervölker (einschließlich der vorderasiatischen) hineingerissen, und, politisch zum römischen Einheitsstaate zusammengesaßt, zu einer einzigen Menschenmasse durcheinandergewürfelt. In dieses Menschenchaos nun sind auch die Juden einbezogen worden. Sie nun sind, im Gegensatz zu so vielen anderen Völkern, in dieser großen Völkermischung nicht verschwunden oder durch Mischung stark abgewandelt worden, sondern sie habe»! sich im wesentlichen rein erhalten da sie eine starke, ständige Neigung zur Absonderung zeigten. Wie haben die antiken Juden nun gcwirtschaftet, als sie noch ans eigenem Boden saßen, llnd in rvelche ökonomischen Situationen ramen sie in den ersten Jahrhunderten der Diaspora'? Um seine Idee des konstanten jüdischen Kommerzialismus zu beweisen, hat Sombart, wie erwähnt, in kurzen, drastischen Strichen eine Wirtschaftsgeschichte der alten Juden entworfen. Nicht ein eigentliches Agrarvolk seien die Juden gewesen, sondern ein städtisches Herrenvolk, das gleichzeitig feudalistisch (durch Landbesitz) und kapitalistisch (durch Geldbesit.y über den schwer arbeitenden Ureinwohnern Palästinas (den eigentlichen Landbebauern) geherrscht habe. Dieses von Sombart entworfene Bild ist reines Phantasieprodukt, Vorurteilsfreie Betrachtung gab seit jeher ein völlig anderes Bild. — Nach der endgültigen Eroberung Palästinas ist der kriegerische Sinn des .jüdischen Hirten-