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KC-Blätter · 1913-02-01 · Heft 5 (1.2.1913) · p. Seite 103

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 5 (1.2.1913)
Date
1913-02-01
Page
Seite 103 (sequence 3)
Language
German
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103 bvcitiuu] dieser Religionen aus der Entfaltung des modernen Geistes .zu erklären. Den beiden negativen Urteilen Sombarts: die Rolle der p»otestantischen Kirche und die Rolle der Inden sei nicht als entscheidelld anzusehen, traten .zwei andere Allsichten entgegen: im ersten Punkte Max Weber <Die protestalltische Etbik und der Geist des Kapitalismus 0, im zweiten Punkte Werner Sombart selbst (Die Inden und das Wirtschaftsleben). Weber fiUirt uns an der Hand von Briefen Benjamin Franklins in den Geist des nlodernen Kapitalismus ein. Die Erhebung des Gelderwerbs znm Selbstzweck und Zentralpilnkt des Daseins, die intensiv und extelisiv rationelle Ansgestaltung der Unternehllrertätigkeit, die bervnstte lind gewollte Entstellung eines nlvdernen GeschästSlebens, dies bilde den Kern des modernen Wirtschas tsgei stes. Run forscht Weber deill Ursprling dieses Geistes nach. Er zeigt, das; das ealviliische Protestantentlun stark asketische Züge ausiveist, die sich aber von mitlelalterlich-münchischen dadurch bedentsanl unterscheiden, das; diese nettzeitliche Askese sich iw diesseitigen Veden bewähren und nicht in Weltslucht sich änsteril soll. Streng Nlld delitlich entlvickelt sich der "Begriff des „Berufes", der zur Förderung gesellschaftlich-sozialen Lebens so ersprießlichen, daher gottgewollten und gottgefälligen Berufsarbeit sWohlstand lmd ^lieichtulll gelten als sichtbarer Segen Gottes)"? Konzentrierte Arbeit soll den Menschen von der Herrschaft schweifender, irrationaler Triebe befreien. Anfänglich henunen noch Züge barocker Glaubensstarre lJdee der Gnadenlvahl) das völlige Einleben der Individuen in die neue Welt bürgerlichem "Berufstätigkeit. Erst die aits alt- und neuenglischen "Boden sRordamerikal erivachsenden Sekten, namentlich die Puritaner, lockern dieStarre der ealviuischen Dogmemvelt und Kirchenpolizei, ohne doch den asketischen Zug der Verachtung weltlicher Freuden aufzugeben. Glaube an eine Berusspflicht- Freudigkeit, sie zu erfüllenreligiös orientierte n»id veranlagte, bewußte und geivollte Konzentrierung des Daseins auf das Familien-, Geschäfts- und öffentliche Leben: Das ist die Atmosphäre, in welcher der Geist des modernen Kapitalismus entstanden ist. „Wie eine genaue Prüfung der Weberschen Beweisführung ergab, waren alle diejenigen Bestandteile des puritanischen Dognias, die mir von wirklicher Bedeutung für die Herausbildung des kapitalistischen Geistes zu sein scheinen, Entlehnungen aus dein Jdeenkreise der jüdischen Religion", schreibt Sombart im Borwort seines Buches: „Die Juden und daS Wirtschaftsleben." ') I,n Archiv für Cozialuisjenschast, Bcmd 20 «,2t Die religiösen Grundsätze der Puritaner seien bereits voll ausgebildet in der jüdischen Religion enthalten, mib entsprechend fänden wir den kapitalistischen Geist unter der« Juden seit jeher hoch entlvickelt. So konnnt Sombart zu einer neuen Theorie über die Entstehung des modernen Wirtschaftsgeistes, Rach Sombarts neuerer Ansicht sind die Inden die Erzeuger des modernen kapitalistischen Geistes. Sombarts Buch beginnt tmd endet.mit den» Gedanken: Die ,\itöen haben die abendländischen Böller mit ihrem seit Urzeiten vorhandenen, alsorassemnästigen jkonstanten), ilktensiven Erwerbsgeiste durchdrungen. Es sei nicht rvahr, das; erst das Mittelalter durch seine beschrälikende Gesetzgebung die Inden zu hochkapitalistischen Jlldividnen herangezogen habe. Bon Urzeit her seien die Inden von einem Geiste beseelt, der sich unter den Berbältnissen des ntittelalterlichen und neuzeitlichen Europa nur so gestalten imb nur so wirken konnte, wie er es getan hat. Schritt für Schritt geht da» Sombartsche Buch dieser These entgegen. Der ei ste Abschnitt soll zeigen, welch ungeheueren Anteil die Juden am Ausbau der modernen WirtschaöSwelt gehabt haben. Der zweite Abschnitt dient einer Darlegung der Ursachen, ans denen die Inden zu ihrer bedeutsamen ivirtschastsgeschichrlichen Rolle befähigt waren. Es wird ihre objekiive Eignung geschildert: Ihre räumliche Verbreitung, ihr „Halbbürgertlim", ihr alter Reichtum,' dann ist von ihrer subjektiven Eignung die Rede, die sich vor allem in ihrer Religion offenbare. Im dritten Abschnitt bringt Sombart eine neuartige Skizze der (beschichte der Inden. Ein uraltes Wüsten- und Wandervolk,, so lautet die Hnpothese, ein uraltes Romadenvolk, sind die Inden um das Jahr 2000 v. Ehr. in Palästina eingebrochen, haben die Ureinwohner unterjocht, sind aber dann dort niemals eigentlich seschaü geworden swie bisher alle Welt nnnahms, sondern haben dort als Herren- und Stadtvvlk gehaust und über die unterrvorsenen Urvvlker des Landed geherrscht, die, abgabe- und sronpflichtig uns dem KreditllexllS verfallen, für ihre Zinsherren arbeiten mustten. Das jüdische Herrenvolk selbst habe liicht eigelttlich Landwirtschaft getrieben, sondern nur seilte grasten Viehherden gehütet. Das Exil habe das alte Romadenblnt neu belebt, und seit dellt Exil beginne die Zerstreuung der Inden über die ganze bewohnte Erde. Unter dem Einflttsse der Zivilisation habe der alte Romadentrieb die Form eines belveglichen, hervorragenden Kontmerzialisntits angetiommen. Sie verbreiteten sich nach Cftoii bis nach Ehina hinltach Westen strönlten sie ins Römerreich ein und kamen bis zum hohen Ätorden Europas hinaus. Hier nun fanden sie das grostartigste BetätigungS-

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