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KC-Blätter · 1913-02-01 · Heft 5 (1.2.1913) · p. Seite 102

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 5 (1.2.1913)
Date
1913-02-01
Page
Seite 102 (sequence 2)
Language
German
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102 Studie zur Entstehungsgeschichte des modernen Wirtschaftsgeistes. (Eine Entgegnung auf Lumdnrt: Die Inden und das 'Wirtschaftsleben.) Bon Ur. phil. et jiir. Erich Marx (Aheno Silesiae), Essen. I. Die bisherigen Theorien. Die deutsche historische Schule der Nationalökonomie weist zwei verschiedene Epochen a u f. Sie begann vor Jahrzehnten, indent sie wirtschaftshistorische Tatsachen aus allen Zeitaltern sammelte, sichtete und ordnete, unter starker Bevorzugung der mittelalterlich-neuzeitlichen Entwicklung. Man stellte fest, das; die verschiedenen Zeiten und Völker verschiedene wirtschaftliche Institutionen gehabt hatten. Und Karl Marx baute ans den neuen geschichtlichen Entdeckungen und Eindrücken seine Geschichtstheorie aus: Die materiellen Institutionen ändern sich, mit ihnen und durch sie der gesamte M e n s ck) e n g e i st. Auf diese erste Generation folgte eitle zweite, h ist o risch-psychologische Schule, welche von den Wandlungen des Menschengeistes ansging und die materialistische Lehre ans den Kopf stellte. Karl Latnprecht lehrt: Es ist ztvar nicht unrichtig, das; die veränderten materiellen Grundlagen der Gesellschaft eilte neue Psyche schassen. Aber eben diese Wandlung der ökoltotnischen Institutionen ist bereits eilte Iolge des in seinen Tiefen gewandelten Volks- und Zeitgeistes. Es ist z. V. nicht unrichtig., das; die Technik die moderne Wirtschaslsknltnr und den niodernen Wirtschaftsgeist geschaffen hataber die ganze Entwicklung der neuzeitlichen Technik ist die Iolge des im Kerne gewandelten Geistes der Kulturvölker. Unter solchen Ideen begann tttan eilte neue Geschichtsbetrachtnltg, und die Rativnalökvnomen versuchten im besonderen, die geistigen Wandlungen in ihrer Bedeutung für das Wirtschaftsleben darzulegen. Vor allen; versuchte turnt anfzndecken, aus tvelchen Ursachen und in tvelchen Etappen der ntoderne Wirtschaftsgeist der ettropäisch-nordamerikattischen Kttliurwelt entstanden sei. Der psychisch-geschichtliche SiegeSzng des Kapitalismus fesselte in starkem Mage die ökoltotnischen Ivrscher. Vontbart widntet diesein Problem im „Äiodernen Kapitalismus"') eilt Kapitel: „Das Errvachen des Errverbstriebes". Rasse und Klima sind nach Soutbart die Grund- ') Sombart: „Der moderne Kapitalismus", 3 Bände, Leipzig 1902, Momente jeder Kultur, also auch der modernen europäischen Wirtschaftsknltnr. Klima: Die gemäßigte Zone mit ihrer Knappheit ans genußreisett Gütern unb ihrer mittleren Irnchtbarkeit, mit ihrettl ^ieichttttn all Produktivkräften- Rasse: Die Arbeitsenergie, irdische Weltanfsassung ttnd das lebhafte Temperament der europäischen Völker. Das sittd die Grtntdlagen. Hier greisen nult geschichtliche Vorgänge entscheidettd und treibetid ein: Die Vertveltlichnug der gesantten Lebellssührnllg im 'seitailer der Kreuzzüge, die Verührnng mit der; reichen, glanzvollen Kulturen der Byzatttiner ttnd Araber, dir Etttwickltmg der Stadtwirtschaft ttnd der hirtanrch verursachte Geldbedarf, die Ausräubung des Orients, die Zunahme der Produktion vott Edelmetall. „Damit aber war die Zeit erfüllet, das; sich jener merk würdige psychologische Prozeß in den Menschen abertnals vollzog: Die Erhebung des absolnten Mittels — d> s l^elde' - zmn höchsten Zlveck". Es entivickeln sich in diesen Zeiten getvisse Vorerscheitumgen des ntodernetl Wirtschaftsgeistes: Ranbrittertlnn ttnd ^ütnerinchinderei, Goldgräberei ttnd Alchitnifterei He alle erscheinen als Mittel zur Erreichung des nämlichen Zweckes: rascher Bereicherung. Die eigentliche kapitalistische Tätigkeit: Größtmöglichster Gelderwerbdltrch normale wirtschaftliche Tätigkeit, ist in den Seelen nüchterner Menschen mit kühler Berechnung, gutem Verstand und guter Mensä enkentttnis, ztnneist wohl ans niederen Bevolkerungsschichten entstanden. Der Erwerbstrieb habe sich nun namentlich im Verkehr mit Stammessremden entfaltet. „Deshalb liegt es. nahe, für die rasche Entsaltmtg desErtverbstriebsin Westeuropa die Einsprengung zahlreicher stammeSfremdcr Eietltente jder Juden) ttt die europäischen Völker als Erklärung anznführen. Und sicher haben die Juden einen bedentenden Anteil an der lKettesi - des kapitalistischen Geistes genommen." Doch darf tttan nach Sombart ihren Einflug in der Richtung nicht überschauen. Er selbst führt (weiter unten zitterte) Beispiele an, ltach denen die Inden z. in der kapitalistischen Blütezeit .Juliens (12. bis 1(>. Jahrhundert) nur eine nubedeutende Rolle gespielt haben. Jedenfalls feien neben ihnen tnassetthaft auch ans arischen Schichten der Bevölkerung die netten Mättner ausgetattcht. Es fei gaitz allgeutein der Verkehr mit Stadtfretttdett getvesen, der Anreiz zur Ettttvicklttng des Ertverbstriebes bot. In dett Kreisen der mittel alterlichett Kauslente habe et leine erste große Entwicklung erfahrendie ntril-ckthende Kolonialwirtschast bot ihm tveitere Älahrung. Dagegen sei die Attsbreitttng gewisser Religionsgememschasten (protestantischer Kirchen) nicht als entscheidend anzusehen, sondern umgekehrt die Aus-

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