Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1913-01-01 · Heft 4 (1.1.1913) · page 26

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 4 (1.1.1913)
Date
1913-01-01
Page
– (sequence 26)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2268830-2268832-2268837--0719-2269931
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Zur Krage der Errichtung eines Lehrstuhles für die jüdische Wissenschaft in Kann. Seit den denkwürdigen Tagen d^ Iudenemanzipation in Preußen ist ein Jahrhundert ..dahingegangen. In dieser langen Zeit ward nur ein Teil der uns gewährleisteten Rechte verwirklicht. Die tatsächliche Unvollkommenheit der Emanzipation kommt besonders stark darin zum Ausdruck, daß der im letzten Jahrhundert mächtig emporgebliihten Wissenschaft deS Judentums der Zutritt,;n den preußischen Universitäten bisher versagt blieb. Alle Urteilsfähigen sind einig darüber, das; eS fiir die Emanzipation der Inden einen großen Schritt nach vorwärts bedeutet, sobald der Wissenschaft deS Judentums an den Hochschulen deS Landes ein den anderen Wissenschaften ebenbürtiger Platz eingeränmt wirdder Wissenschaft deS Judentums, deren außerordentliche Bedeutung über den Rahmen der GlaubenSgenoffenfchaft weit lrinanSgeht und deren Kenntnis in auSgebreiteten .Kreisen eine llnsumme trauriger Borurteile hinwegränmen würde. 9Ucht nur in jüdischen .Kreisen, sondern auch in der christlichen Gelehrten,velt ist die Ansicht allgemein vertreten, dag die jüdische Wissenschaft von gleicher Wichtigkeit für die Theologie, das Studium der Rechtswissenschaften und der Medizin seien. Andere Länder sind schon längst in Anerkennung dieser Tatsache zur Gründung von Lehrstühlen geschritten. Allein in Preußen hat sich die Regierung noch nidjt entschlossen, sich über ihre kleinlichen Bedenken hinweg,prsetzen und diesem Beispiele zu folgen. ES ist nun in letzter Zeit in Berlin daran gearbeitet wurden, daselbst die Gründung eines Lehrstuhles für jüdische Wissenschaft durchzusetzen. Gleichzeitig ist auch der Bonner Orientalistenverein mit einem von Herrn Rabbiner I)r. Kalischer verfaßten Gesuch an die Negierung herangetreten und sucht dasselbe für Bonn zu erreichen. Bonn ist wohl auch schon deshalb der 'Vorzug vor Berlin zu geben, weil im Osten deS Reiches eine ganze Reihe von Instituten zur Pflege jüdischer Wissenschaft existieren, so die Hochschulen in Leipzig und Berlin, ivährend im Westen jeglicher .KonzentratiottSplmkt fiir jüdisches Geistesleben fehlt. Da sich nun die Hoffnungen, die »vir aus Frankfurt setzten, nicht erfüllt haben, da dort die Theologie überhaupt nicht vertreten sein wird, alanben wir, daß eS im Interesse des gesandten Judentums liegt, wenn der Sitz deS zu gründenden Lehrstuhles Bonn wird, zumal sich daS Ministerium — sicherm Pernehmen nach — gegen eine Gründung in Bonn nicht ablehnend verhält und auch die Beschaffung des nötigen Kapitals sicher ist. Wir richten daher an alle .K. E.er, besonders an die rheinischen K. E.er, die Aufforderung mit Wort und Tat auf daS Entschiedenste für die Gründung eines Lehrstuhles für jüdische 'Wissenschaft in Äonn einzutretendenn da uns mit der Gründung dieses Lehrstuhles eine feste Handhabe gegen den Antisemitismus gegeben würde, wird es um so mehr Pflicht eines jeden K. E.erS, sich nach .Kräften an der Erreichung dieses so überaus wichtigen Zieles zu beteiligen. Da nun, wie bereits gesagt, die Regierung Bonn vorziehen würde, rechnen wir auf eine einheitliche Arbeit des K. C. zugunsten BonnS, da eine jede Zersplitterung der gemeinsamen Sache nur schaden kann. Freilich bedarf es noch einer ernsten und intensiven Arbeit! Deshalb bitten wir alle K. E.er zunächst in ihrem Bekanntenkreis für nufere Idee einzutreten, um so die Aufmerksamkeit gröberer .Kreise ans die Wichtigkeit dieser Gründung zu lenken und sie dafür zu interessieren. Wir geben der Erwartung Ausdruck, daß jeder.K. E.er es für seine Pflicht halten wird, an diesem großen Werke mitzuarbeiten, mit dessen Berwirklichung ein großes Stiick Arbeit in nnferm .Kampfe getan wäre. Im Aufträge der Berb. im K E. Rheno-Silefia Zahnarzt Fritz Gntmann lRheno-Silesiae. Spreviae). Zur Psychologie des v. z. 2. Einen amüsanten Beitrag zur Psychologie des B. I. E. liefern die folgenden Anträge, die von einem Mitgliedc des B. I. C. zu bcm Kartell tag deS B. I. E., der in diesen Tagen in Bonn stcutsindet, gestellt wurden. Diese Anträge wurden im Kölner „Israelitischer! Gemeindeblatt" veröffentlicht und sind vermutlich einem internen Heft des „Jüdischen Studenten" entnommenihre Authentizität hat jedoch der B. I. C. ausdrücklich anerkannt. Die Anträge lauten: 1. Die korporative Idee des Bundes jüdischer Korporationen ist eine zionistische Erziehungsidee. Ihr wesentlicher Inhalt: Erweckung eines hohen jüdischen GemeinschastSbewußtseins in der FrenndeSgemeinschaft der BundcSbrüder. Das korporative Bewußtsein wurzelt in den Einwirkungen der gerneinsamen Tendenz und den gemeinsamen Formen auf daS Denken und den Instinkt der BundeSbrüder. Diese Formen sind teils aus dem politischen Leben, teils ans dem studentischen entnommen. Dtur diejenigen Formen haben korporativen Wert, die geeignet sind, Gemeinschaftsgestthl und Tugenden im einzelnen zu errvecken. Falsch ist die Gleichstellung des korporativen Prinzips mit dem studentischen, falsch die Gegenüberstellung von korporativer und jüdischer Arbeit. 2. Der B. I. C. bezweckt durch den korporativen Zusammenschluß der Bundesbrüder die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.