Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1913-01-01 · Heft 4 (1.1.1913) · p. Seite 98

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 4 (1.1.1913)
Date
1913-01-01
Page
Seite 98 (sequence 22)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2268830-2268832-2268837--0715-2269927
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Begriff und Programm einer Jüdischen Nalional-Literalpr von Moritz (holdstein. Jüdischer Verlag, Berlin 1012, 21 S. M. o.no. Der änderst rührige Jüdische Verlag lässt soeben mehrere Sammlungen jüdischer Schriften erscheinen. Die erste „Dir Jüdische Gemeinschaft", eröffnet Morin Goldstein, der mit seinem „ttnnslwari"Anssatz zum ersten Maie in jüdischen Angelegenheiten hervorgetreten ist. Diesen Heftchen ist wohl als Fortsetzung jenes Anssabes gedacht, sieht allerdings mit ihm in .zahlreichen Widersprüchen, nnd dürste den bisherigen .zionistischen Ire,in den GoldsteinS eine schmerzliche Erlttäuschnng bereiten. Im allgemeinen zrngt dieses Schriftchen von einer ruhigeren nnd klareren Erkenntnis der Tatsachen. Hierauf meist schon das an die Spitze des Heftchens gesetzte Geständnis hin, daff er „über eine Sache reden iverde, von der er keine Zlenntniffe besitze". ES ist schade, das; Goldstein diese Erkenntnis nicht bereits vor feine», „>lnnstmart"-Attssab gekommen tft; vielleicht hätte er dann den Aussatz, der durch seine sensationellen Uebertreibnngen und unrichtigen Darstellungen viel Unheil angerichtet hat, gar nicht geschrieben. Wahrend Goldstein in den, „.Onnst,vart"-Aiifsatz vermeint, die Rettung deS Judentums sei nnr durch den „Sprung in die hebräische Luerntnr" möglich, und dieser Sprung iei nnr unserer heutigen Generation wegen ihrer zn iveit vorgeschrittenen Assimilation nnmöglich, leugnet jetzt Goldstein überhaupt die Möglichkeit einer jndlschen National Literatur in der hebräischen oder in der Jargon-Sprache. Die hebräische Sprache hält er deswegen für ungeeignet, »veil sie keine lebende sondern eine Gebeissprache sei, nnd weil die hebräische Tradition zu einseitig theologisch sei. Der Jargon dagegen entspreche zn wenig den, jüdischen Nationalstolze, da wir ihn zu sehr als Mischsprache empfänden. Er kommt dann zn dem mit zionistischen und national-jüdischen Bestrebungen kann» verträglichen Schluss, das; als National Sprache alle Sprachen gelten sollten, welche überhaupt von Inden als Muttersprache gesprochen werden; es soll daher eine jüdische Nationat-Literatnr in deutscher, sranzosischer, englischer usiv. Sprache geschaffen iverden. Er schlügt eine Organisation der Juden zur Förderung der jüdischen Produktivität vor, an der aber nur deutsche Juden beteiligt sein sollen. Sein eigentliches Programm ist gerichtet nuf die Schaffung von .Kunstwerken, die den jüdischen Volksgeist zur Erscheinung bringen n,id zugleich den Inden als Objekt der Dichtung darstellen sollen. Als letztes höchstesFiel in der jüdischen National Literatur fordert er die Schaff,t»,g eines jüdischen Heldenideals. Gegen das, «vas hier Goldstein fordert, ist eigentlich kanrn etivas einzuiveikden; mir hat eS mit jüdischerNation, und erst recht mit jüdischer National-Literatnr nichts zu tun. Jedes Literaturwerk gehört der Nntionnl-Literatnr an, in deren Sprache es geschrieben ist. Goldstein weist selbst darauf hin, das; Goethes Jphiegenie, Schillers Don Carlos und Hebbels Judith deutsch sind, trab der Grieche,!, Spanier nnd Inden, von denen verhandelt wird, das; BvronS „Hebräische Melodien" zur englischen Literatur gehören, wie Müllers Griechenlieder zur deutschen. Die Schaffung eines Werkes, das jüdisches Wesen zur Darstellung bringt, hat an und für sich noch nichts mit national-indischen Bestrebungen zu tun. Ich erinnere mich, daff der sicherlich nicht national-jüdisch gesinnte Professor Ludwig Geiger in einer Besprechung eines Buches von Georg HerrinannS ungefähr dieselben Forderungen ausgestellt hat. DaS in seinen, Aufbau so widerspruchsvolle Schriftchen wird trotzdem wegen mancher geistreichen Ben,erknngen den Leser anregen und kann in diesem Sinne zur Lektiire empfohlen werden. K. L. Birmarck-Ualender ans das Jahr 1913, heranSgegeben von Albrecht Philipp und Horst ttofjl. 17« S. Geheftet M. 1.25, gebunden M. 2. . Luxusausgabe auf Büttenpapier in tOanzpergamenr M.tt.—. Tietrich'fche Verlagsbuchhandlung, Theodor Weicher, Leipzig. Der in diesen» Jahre zun, ersten Mas erschienene Bismarck-Kalender ist veranlasst durch die 5l)jährige Wiederkehr der Älernftnig "Bisniarck > als Ministeri'A.Sep tember). Der Kalender verfolgt du,>1, Aufnahme der wichtigsten Daten a„S der Geschichte Bismarcks den »Zweck, tagtäglich die Erinnerung an den »«runder des. Reichs wachzurufen. Der Hanptteil dieses ersten Jahrgangs enthält eine Art Selbstbivgraphie des jungen Bismarck bis z,lm Jahre lxl7. Mit Sorgfalt und Gründlichkeit habe», die Herausgeber die »vichtigsten Aenffernngen Bismarcks über seine Jugend znsainme,»gestellt. Briefe,Denkschriften, Reden, <«e,präche „sw. wurden in ausgiebiger Weise be NlltZt. Ueberall spricht Bisniarck selbst, oft ttver denselben <«egenstand, als Minb nnd als Greis. Gegen Ende des Büchleins schildert Horst Kvhl ein persönliches Erlebnis mit den, Altreichskanzler: „Wie „»ein Bismarckbild von Franz von Lenbach entstand". Drei Abbildungen der Entwürfe zum Bismarcknationaldenkmal am Rhein mit Text bilde», den Schluff. .'»um Teil noch nnbekamtte, von der Fainilie Bismarck zur Wiedergave überlassene "Bilder im Ten und nuf Kunsttafeln geben der Schrift auch änf,erlich ein gediegenes Gepräge. Moritz de Ionge alr vramatiker. „Julius Ettsa^, Drama H in 5 Akten, „Der Grosse Ztnisürst und sein Sohn", Drama in 5 Akten, Deutsches Verlagshaus Vita, Eharlvltenbnrg. Der Verfasser ist den Lesern der.0. C.-Blätler als der ivar,„herzige Verteidiger Bismarcks in deffen Stellung zur Jndenfrage vorteilhaft bekannt. Es interessiert uns daher sehr, daff nnser Mitarbeiter auch nuf dem Gebiete der draniatischen Literatur sich betätigt. Auffer den obengenannten Dramen hat sich der "Verfasser auch an der Wiedererweckung anderer grosser Heroen versucht, Napoleons vor allen,, den er in einer Trilogie von zusammei, Ul Akten vorsührt. Im „Jnlins tzöfar"nttd im „Grossen Kurfürst"begegnen wir bei Moritz >eJvngeVorzügen, die „ns schon bei seinen Bismarckanffäpen bekannt sii»d,einem fundamentalen geschichtlichen Wisse» und einem glühende», Idealismus, der alle bösen Flecken von dem Spiegel der Geschichte entfernen will. Tein „I,, l i n s E ä f a t" behandelt den römischen Staats,„an,, von, Nebergang überden Rubikon bis zur Verschwörung gegen il,u. Das Werk ist als Proergon zn Shakespeares „Juli»s Eäfat" gedacht. Rein stofflich bildet es dazu auch wirtlich eine gute Ergänzung Moritz de Ionge kan, es bei der pathetischen Grund,,ote seiner Gestalten »vohl mehr darauf an, in „ns die Liebe und Verehrung zu seinen» Herrn zu entflammen, als durch moderne Psychologie „ns die Römer ans CäsarS Feiten menschlich »»äher zu bringen. In dieser Hinsicht bietet ein Vergleich von Moritz de Ionge mit etwa Bernard Shaws „Cäsar mib Cleopatra" recht interessante Fingerzeige. Im „Grossen Slnrfiirst" sucht Moritz de Ionge die hässlichen Familienstreitigkeiten der damaligen Hohenzvller», zu verklären, die sich an das bekannte Testament anknüpfen, »velches eine.'Zersplitterung Brandenburgs bei nahe herbeigeführt hätte. Menschlich interessant ist es, dass der Dichter einen seiner Vorfahren, Moses Jakob soyn de Ionge als historischen Vertreter deS damaligen Jndentnms anstreten lässt. In der Behandlung der Charaktere fältt vielleicht eine zu theatralische Verteilung von Gut und Böse ans, die vielleicht nicht den Anfvrdcr nissen einer modernen Psychologie entspricht, aber da wir eine derartige kraffe Eharnkrerführtrng auch beim jungen Schiller itt seinen ersten Dramen begegnen, wollen wir die Hoffnung doch nicht sinke», lassen, dah uns de Ionge einnial ein bühnenfähigeö Werk schenkt. Als Buchlektüre

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.