KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1912-1913
- Issue
- Heft 4 (1.1.1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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9t befaßt/ das; man dem Juden zu Unrecht uururivjt, er schließe sich von seinen Mitbürgern ab, während man sich in Wahrheit von ihm abschließe. Als bezeichnend führt Lerop-Beanlien an, daß schon Kinder nicht mit einem jüdischen Mädchen spielen wollten. Davon, daß sie die jüdische Abstammung des Mädchens ans Instinkt erraten, steht kein Wort. Keill Wort davon, daß eS sich um eine Enkelin Lerop-Beaulieu handeln soll. Kein Wort von dem andern Beimerk der Ehambertamschen Erzählung. Den Purk Monceau — die einzige gegenständliche Angabe bei Lerop-Beaulien — hat lLhamberlam durch den Jnrdin du Luxembourg erseht. Wenigstens handelt es sich in beiden Fällen mn einen Park, das ist die einzige Aehnlichkeit, die übrig bleibt. Sogar den Namen des Verfassers gibt Chambcrlain falsch an, indem er Paul Lerop-Beanlieu das Werk Israel cliez les nations znschreibt, ivelches in Wirklichkeit von dessen Bruder Anatole verfaßt ist. Und auf Grund dieses falschen Zitats leistet sich Chamberlnin die verleumderische Insinnation: „Ob Lerov-Beaulien dies ernstlich glaubt, iveiß ich nicht" . . .!" So weit H. E.! Bei diesem Zitat liegt ja vielleicht noch die Möglichkeit vor, daß es Ehamberlain au» dem Gedächtnis niedergeschrieben uild sich dabei geirrt hätte. Das wäre zwar vom wissenschaftlichen Standpunkte zrr tadeln, doch nur als eine grobe Fahrlässigkeit zu beurteilen. Die Art und Weise, »vie er später dieses falsche Zitat verwertet, beweist aber klar, daß er dabei jedenfalls nicht mehr im guten Glauben gehandelt hat. Die oben abgedrnckte Stelle findet sich noch in der 1900 erschienenen 2. Allflage. Nachdem sodann 1001 die Aufdeckung der Fälschung durch H. C. erfolgt mrd eine Berichtigung von Leroti-Beaulien in der Franksllrter Zeit»»ng erschienen war, gibt Chamberlai»» das Zitat als solches preis. Allstatt dessen erscheillt aber in der 1900 herausgegebenen B o l ksausgabe die im Vorwort ausdrücklich als ein »mgekürztcr Abdrllck der Originalausgabe hingestellt wird, an bcm außer einigen stilistischen Aenderungen keine Umgestaltungen vorgenomnlen seien, dieselbe Allekdote an derselben Stelle in folgender Fassung: „Dnbei fällt mir eine Tatsache ein, die mir v o n v e r s ch i e d e n e n S e i 1 e n a e »ne l d e t wird, das» nämlich ganz kleine Binder, vesonders Mädchen, häufig einen ausgeprägten Instinkt für Nasse besitzen. Es kommt nicht selten vor, das; Binder, die noch keine Ahnung haben, was ciu „Jude" ist, noch das; eo überhaupt so etwas gibt, zu heulen anhebeil, sobald ein echter-Nassenjude oder eine Jüdin in ihre Nähe tritt! Der Gelehrte weif; häufig nicht einen.Inden voll eincrn Richtillden zu unterscheidendas -lind, das kaum erst sprechen kann, weife es. Ist das nicht eine trostreiche Erfahrung? Mich dünkt, sie wiegt einen ganzen anthropologischen Kongreß auf." Trotzdem das Zitat als eine Fälschung nachgeiviesen ist, hält Ehamberlain es also inhaltlich aufrecht. Zur größeren Glaubhaftmachung ändert und unterdrückt er alles, was ans die früher zitierte angebliche Quelle tLervn-Beanliens hindeuten köttute, lmd behauptet kühn, diese „Tatsache" sei ihm „von verschiedenen Seiten ge»neldet" »vordcn. Daß diese letztere Behauptung eine glatte, belvpßte Unlvahrheit darstellt, kann nach dem Vorangegangenen nicht mehr ziveiselhaft sein. Mit solchen „Tatsachen" behauptet denn Ehamberlain, alle „künstlichen Konstrllktionen der (belehrten" schlagen zu können, er nennt sie so »vichtig, daß sie „einen ganzen anthropologischen Kongreß ausmiege". Natürlich handelt es sich um ein ganz unsinniges Märchen, »uns jeder durch das einfache Experiment feststellen kann, daß er Juden mit nichtjüdifchen Kindern zusalnmenbringt. Alls solchen „Tatsache!»" si»»d nun die Theorien und Hypothesen Chainberlains ausgebaut. ES handelt sich hier nicht etiva n»»r u»n einzelne, ans einen» großen Werke »ni'ihsarn herarrsgesuchte Fälle, es ist vielmehr ein leichtes, »veit »nehr Beispiele anznsühren. Und doch »vird das Nes»»ltat der Beweisführung Cha»nberlainS drirch die ei»»seitige, utnnethodische Darstellung, durch die zahllosen Vorurteile itttb Fehlschüsse, die das ganze Werk dltrchziehen, in vielleicht noch gesät: elicherer Weise beeinflußt. Wenn man bedenkt, das: Ehambcrlains „Grundlagen" mit allen seinen Mängeln vielleicht mehr »vie irgend ein anderes Werk die Heranwachsende akaden»ische Jugend beeinflußt, dann mag inan erkenne», rvelch migeheurvr Schaden damit angerichtet »vird, »vie dringend not»vendig die A»lsklär»mgsarbeit ist. Der Antisemitismus -er bühne. Bon onnü. meü. Ernst Hahn t'Baunriae). I»» den lnamligsa»hsten Formen ist der Antisemitismus in» Laufe der Zeit in die Erscheinung getreten und in den verschiedenste»» Schattierungen »vird er sich auch »veiterhin zeigen. Auch das Theater gibt ihm oft Gelegenheit, frische Blüten sprießen zu lassen. Nicht etiva die großen und guten Bühnen, dem» da be»»»üht »nan sich, »vahre Kunst, frei vor» Uebertreibung und Entstellung zu bieten. Wo es sich also an solchen Bühne»» tt»n die Wiedergabe von Stücken mit »nehr oder »veniger jüdischem Milieu handelt, »vird »»»an »vvhl schwerlich die E»npsii»dung haben, es tönnc irge»»d»vie eine antiseminsche Wirkung erzielt rverden. Wie sehr ändert sich aber hänstg das Bild, wenn kleine Bühnen diese und ähnliche Werke zur Darstelluitg bringen. Was vorher .Kunst rvar, »vird hier zur Farce, was vorher