Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1913-01-01 · Heft 4 (1.1.1913) · p. Seite 89

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 4 (1.1.1913)
Date
1913-01-01
Page
Seite 89 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
84% known words query
IRI
…/2268830-2268832-2268837--0706-2269918
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

89 Fülle vorhattden, das; keiner cm$ Mangel an einem Webtet znrückzustehen braucht. R!ag aber auch die Berschiedenheit int einzelnen, in Gebiet uttb Leistung, noch so flvoft fein, nützliche, positive jüdische Arbeit tvird geleistet, wenn alle geeint sind dttrch Uneigenttützigkeit ttttd den Willen, den ewigen Werten be8 Judentums die Zttkitttft zu sichern. Jude sein, heißt tticht für sich und seine kleinlichett persönlichen Interessen, sondern für stecht, Freiheit und Kttltnr, für die Menschheit ttnd ihre Zukttnft streben! Erwecken »vir in uns dett alten jüdischen Idealismus, so gewinnen unsere Seelen die Zuversicht des Sieges, lind fragt man uns, warum wir Juden sind ttnd bleiben, so atttworten wir durch den Hinweis auf das Wort, das in den heiligen Schriften eines anderen Glaubens sich findet, das widerwillig auch der Gegner bekennen must: Das Heil kommt von den Juden! $ # -f: wie Lhamberlain zitiert. von Jäarl Löwenstein aus Aachen. (Cic., Jibcit.'SU.) Der außerordentlich betvegte ztveite deutsche Soziologetttag erhielt durch eilten demonstrativen Exodus eines Teiles der Versammlung tvährend eines Bortrages des bekannten Soziologen Franz ^ppenheiuter ein sensationelles Gepräge. Oppenheimer hatte scharfe Worte gegen Hottston Stetvart Ehatnberlain gerichtet. Das erschien eittigen Herrett als eilt so schioeres Berbrechen, dast sie sogleich dett Bersanmtltmgsrantn verliesten und in einem geharnischtett Protest ihrent geprestten Herzett Vuft tttnchten. So lächerlich dieser Borgang ist, so zeigt er doch, eilte wie groste mtd entschiedene Anhängerschaft Ehatttberlaitt ertoorden hat. Während seine Werte tmd insbesondere seine Methode in erttsten tvissenschaftlichen kreiselt fast allgentein abgelehnt tverden, haben sie in dett breiteren Massen der Gebildeten um so grösteren Anklang gefundett. Das ist verständlich, da er dttrch die glänzende tmd geistreiche Darstellung tmd sein publizistisches Temperament wie kattm ein attderer Schriftsteller zu fesseln versteht, nttd da seine Theorien, in denen er die Germanen als das auserwählte Bolk hinstellt, ntanchem Leser schmeicheln. Um so mehr erscheint es dringende Pflicht. attsdie außerordentlichen Schwächen und Mängel seiner Werke hittzutveisen. Es soll hier nicht in umfassender Weise seine Methode dargestellt und kritisiert werdenes getiügt, heute an einigen Beispielen ans seinem Hanpttverk, die „Grundlagen des 19.Iahrhunderts", zu zeigen, wie außerordentlich unzuverlässig Chamberlains Zitierweise ist. . Gerade bei Ehatnberlain gewinnen die Zitate eilte besondere Bedetttttttg. Dettn er ist kein tvisseuschastlicher Forscher ttnd will es nicht sein. Sein ganzes Material ntust er daher fremden Jüneüeti, also aus zweiter Hand, entlehnen. Das ist an tntd für sich schott ein großer Nachteil; denn für jede Ansicht läßt sich schließlich irgendtvo ein Kronzeuge austreiben. Dttrch die Häufung von Meintntgen können keine wissenschaftlichen Beweise geführt tverden. Diese Methode aber tvird zu einer großen Gefahr, wentt das bearbeitete Material nicht tun* einseitig zusantnteugestellt, sottdern, was In den folgenden Zeilen nachgetviesen werden soll, obendrein noch vielfach gänzlich unzuverlässig ist. Eittseitig ist schon die Art nttd Weise, mit der Ehatnberlain seine Quellen anführt. 2o lange er die "Ansicht eiites Gelehrten verwerten kann, so lange rühntt er seine Bedeutung, tun sofort über ihn herzttsallen, wenn ihm seine Forschungen unbegtteut tverden. S -<»8 der „(Grundlage,t^ sagt er,daß Birchotvs „Atttorität atts anthropologischem Gebiete um so größer ist, als er ttttbedingten Respekt vor Tatsachen beweist und nicht tvie Httxleti und manche andere dartvinistische Luftschlösser ausbaut". Trotzdem sucht er sich nur 2 Seiten vorher < über die so gerühntte Atttorität Birchotvs mit dem Vorwurf hinwegznsetzen, daß „Herr" Birchow „vor der Gleichheit der Menschenrassett seinen "Bottzettdienst verrichte." Ja, S. 486 beschuldigt er ..Birchow ttnd seine Kollegen" geradezu, daß sie eine tvissenschastliche Tatsache unterdrückt hätten, „da das politische Borttrteil ihnett dett Blick trübe". Dent großen Geschichtsschreiber Leopold von Ranke tvirft er, tveil ihm eine Anschnuung nicht paßt, „geivissenlose Persidie" und „tendenziös entstellte Geschichtsmethode" vvr jS.Ol Atrtv. lj,zählt ihtt aber trotzdettt auf S. 701 rtthig unter den „urteilsfähigen Historikern" auf. Roch weit schlitnnter kommt der bekannte französische Historiker Ernest Renan bei ihm weg. Chantberlain schettt nicht davor zurück, ihn dttrch nicht ntißzttverstehettde Andeutungen zu beschuldiaen, er habe sich dttrch die Alliance Isra6Iite bestechet! lassen. Er schreibt nur S.218 wörtlich: „Vie soll man es z B. erklären, daß Renan, der itt seinem ISOtt ersrhienetten ..Vie de J6ju*“ sagt, es sei unmöglich, auch nur Äertiiutungen aufznstellen iiber die Rasse, der (Lhrinns durch sein Blut attgehürle, itt dent l^ni vollendeten fünften Battd seiner Oi»toire da Peuple d’lsradl die kategorische Behauptung ausstellt: ..Jfau* <'tait un Juif**, ttnd mit nngetvvhnter Heftigkeit über die Leute herfällt, die das zu bezweifeln »vagen? Tollte nicht die Alliance Israelin*, mit der Renan in seinen lepte» Lebensjahren in so eifrigem Berkehr stand, hier ein Wort mitgeredet haben? .. Der frühere Zwang kvnttte, bei allem dittern Urrrecht, den Charakter stärken, der neue, der nur von Geld auögeht und nur auf Geld hinzielt, entwürdigt zttr niedrigsten Sklaverei." 1

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.