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KC-Blätter · 1913-01-01 · Heft 4 (1.1.1913) · p. Seite 88

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 4 (1.1.1913)
Date
1913-01-01
Page
Seite 88 (sequence 12)
Language
German
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88 möglich ist, wieder zu vernünftigen universalistischen Anschauungen kommt, ist auch das jüdische „Produkt aus Atheismus und Wvhlanstttndigkeit" dem Untergänge verfallen, und es gilt, »vas vom Trotzjudentlnn und sozialen gesagt worden ist, dast dann nichts bleibt! Das Judentum besitzt die innere Kraft, es wird und muft darum den Nationalismus überwinden, »»»»» auf seinem ewigen religiösen Bode» sich und feine Ideale zu erhalte». llnsere Betrachtungen waren aus einen kühl, abwägenden und nüchtern logischen Ton gestimmt; sie haben nicht an die Geschichte mit» ihre lehren appelliert, haben nicht die blinde Begeisterung zu erwecken versucht, sondern sie wenden sich an den Verstand und wollen überzeugen. Wir könne»» aber nicht schließen, ohne einen Blick auf all dasjenige geworfen zu haben, »vas in Israel an Opfern für den Glauben der Väter gebracht worden ist. Unendliche, nn'ihselige Arbeit ist geleistet worden, Ströme warmen Herzbluts sind geflossen, Tausende haben ihr Leben ansgehaucht zur Ehre des göttlichen Namens. Und trotz der Zornesröte, die uns flammend ins Gesicht steigt, wem» »vir an die Seufzer und die Qualen unserer Väter denken, »venu all das tausendfache Unrecht, der entsetzliche Schimpf vor unsere»» geistigen Auge ersteht, »verden »vir bei diesem Rückblick stolz! Ein Wort Hütte alles wenden können, ein Wort hätte dem verachteten Juden äußeres Glück und Ehre und Achtling verschafft, aber er sprach das Wort nicht aus und gab lieber Gut und Leben für feinen Glauben dahin. Menschliche Sprache ist kann» imstande, den unendlichen Idealismus zu schildern, der unsere Väter erfüllte. Fragt man aber, »vas sie zu dieser Selbstlosigkeit »n»d Aufopseruugssähigkeit erzog, so »vor es dasselbe, um was sie kämpften: nur ihre Religion, nur ihr fester Glaube an den einig einzigen Gott! Und so enthüllt sich »l»s der letzte imb stärkste Grund, aus dem »vir religiöse Juden sind und bleiben müssen. Religion erweckt Idealismus! Das ist der beste Beweis für ihren Wert »md ihre Kraft, und wir sind und bleiben Juden, »veil gerade der jüdische Glaube eS »var, der zu jeder Zeit den herrlichsten »ind entsagungsvollsten IdealiSinus hervorgerufen hat, »veil er die Möglichkeit besitzt, in unseren Tagen, da der Idealismus oft gänzlich erstorben erscheint, dasselbe segensreiche Werk zu verrichten! In» Zeitalter des »»»ateriellen Monisnms kann naturgemäß »»ichts herrschen »vie die krasse Selbststrcht und Selbstvergötterung, die »veder der Vergangenheit gegenüber Verpflichtungen noch i»n Hinblick auf die Zukunft das Gefühl der Verantivortung kennt. Oft scheint es heute, als ob alle Opfer der Vergangenheit umsonst gervesen seien. Die Urenkel von Männern, die vielleicht noch für ihr Indent»»»»» nuf de»»» Scheiterhaufen gestorben »väre»», lassen sich taufen imt Reserveoffiziere zu werden! Aber der alte Idealismus ist trotz aller dieser Verfallserscheinungen, die u»»s' Niederdrücken und lähmen, noch nicht tot, und er »vird a»lS feinem Schlaf erwachen, wenn es gelingt, die jüdische Religion in »»»serer Mitte »nieder auf der» alter» überragenden Platzhinanfzusührei». Der Idealismus ist die Domäne der Jugend, Ulld dar»»»» spricht die Religion zu den jungen Juden, derer» Seelen noch empfänglich sind für Edles und Ideales, die noch nicht berührt find von der Last der Welt, die noch »licht bez»vungen sind vv»»» Alltag, die mit den widrigen Mächten der Wirklichkeit noch nicht das Kompromiß geschloffen haben, das den Idealisi»i»»S zu Grabe geleitet. Die Jugend besitzt nicht nur die Fähigkeit ,;»»»»» Idealismus, sie hat mich die frische »»»»gebändigte Kraft, den ungebeugten trotzigen Kampfes »nut, den Willen zur Tat! Und gerade die jüdische Jugend hat in den letzten Jahren begonnen zu zeigen, daß sie von ihren reichen, köstlichen Mittel»» Gebrauch z»r machen versteht, in» Kampfe mit der Welt des Unrechts, der Bosheit und der Unkultur! Die Juge»»d Israels zieht in einen gewaltigen Kampf. Aber soll diese Bewegung »»»ehr fein als ein sch»»ell aufloderndes »md schnell verlöschendes Strohfeuer der Begeistercmg, so »nutz sie »vissen, »vofür sie kämpft! Nicht a»»f de»» Weg allein kon»n»t eS an, sondern auf daS Ziel. Was »vir brauchen, ist eine idealgesinnte Jugend, die erfüllt ist von» Streben nach eine»»» positiven Ziele, den» Wesen des Judentums. Was uns not tut, ist eine religiöse Jugend! Nicht kommt es auf de»» Grad äußerlicher Frömmigkeit an; das Judentum schnüffelt nicht in dieser Richtung de»»» Maße der Betätig»»ng des Glaubens nach. Positives, religiöses Judentum erfordert in erster Reihe Erkenntnis von der Bede»»tnng des Gottesglanbens »»nd der Religion überhailpt, Ueberzengnng vo»»c Werte des Judentnn»s für die A»enschheitSk»»lü»r, Wissen von unseren» Glauben und seiner lehrreichen und erhebenden Geschichte und den festen sittlicher» Willen, mit der begeisterten Straft eines jugendlichen Herzens für diese Ideale dadurch zn »virken, daß n»an praktisch — je nach seiner Kraft »md Veranlagung seine Arbeitskraft den vielen, viele»» großer» Ausgaben nrrserer jüdischen Gemeinschaft »veiht. Die praktischeArbeit ist das wesentliche. Es ist nicht jeden» gegeben, für die höchsten idealen Ziele zu »virken, und nicht jede Zeit eignet sich dazu. Jeder muß nach seiner Kraft streüen, und die großen und kleinen Ausgaben sind in solcher

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