KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1912-1913
- Issue
- Heft 4 (1.1.1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Kölner und Hamburger, Norddeutsche und Süddeutsche sind, die deutsche Sprache mit denselben Dialekten sprechen wie unsere christlichen Landsleute, an deutschen Gerichten Mitarbeiten, zur deutschen Wissenschaft und zählen, und für deutsche Ziele unsere besten Kräfte eiusetzen, müssen wir da nicht eilt peinliches Befremden bei der Forderung der Nationaljuden fühlen, das; uns Palästina näher stehen sollals deutsche Art und deutsches ^and, und das; »vir die deutsche Kultur gegen eilte erst zu schaffende, uns völlig frenide, hebräische vertauschen sollen'? Müssen wir nicht glauben, die Nationaljuden trälllnen sich nur irgend eili in „Sirillsrveiten" liegendes Phantom zufnmmcu, aber sie eulpsillden in ihrer Träumerei die Wirklichkeit nicht? Wir sehen also, das; der eigentliche Unterschied zwischen den nationaljüdis'ch und bewüstt delltsch empfindenden Juden darin liegt, das; die Nationaljnden rein abstrakt sich als absolute Inden nnd Nichts-a!S-I"den auffassen und daraus ihre Konsequenzen ziehen, indes der K.E. nicht abstrakt und idiologisch, sondern nüchtern und historisch in den in Deutschland lebenden Juden mehr wie nur den Inden, nämlich auch den deutschen Bürger sieht. Es liegt also eine groste Kluft im Allsgangspunkt der Selbstbetracht,mg. llnsere Auffassung ninnltt Rücksicht auf die gegebene Welt, in der die beiden Elemente ein harlnvllisches Ganzes bilden. Mag den Gegnern mlser Dualismus kompliziert erscheinen, so stellt er in der Tat doch die ungekünstelte und selbstverständliche Art der Betrachtung dar, indes der Nativnnljnde die Realität eigentlich leugnet, inden, er nur eine Seite, ltnd die ausschliestlich, zur Quelle seines Ideenslusses macht. Ich möchte den llnterschied an einem vielleicht banaler, Beispiel illustrieren. Auch das Wasser ist chemisch ein Kompositum nnd doch in der physikalischen Welt ein einheitlicher Gegenstand. Wer aber rvegen der Formel H.,o für die Praxis nur TeilungSmöglichkeiten sehen wollte, ohne die tatsächliche phnsikalische Hariuonie zu berücksichtigen, handelt der nicht lvelrsremd llnd durchaus nulogisch'? Das ist llnser Borwllrf gegen die Nationaljuden! Wir berücksichtigen synthetisch die Juden als Glied in, Vaterland," nicht analytisch als vaterlandslose, im luftleeren Raum wohnende Wesen! llnd wir halten fest an den, Bekenntnis unserer jüdischen Abstammung, weil wir der Ansicht sind, das; sie in Harmonie bei uns steht mit unseren, deutschen Gefühl. Das; rvir daneben für die bedrängten Glaubensgenossen tut Osten Europas ein warmes Herz haben, und durch die grasten nichtzionistifchen Organisationen, den deutschen Hilssverein, die Jen und die Allianee mehr für sie zu tun glauben als die zionistische Organisation, das kann uns nicht hindern, gute Deutsche zu sein, selbst in unserem Deutschland, wo noch nicht alle Bliitenträume reiften. Den Borwnrf, das; rvir keine positiven jüdischen Ideale haben, können wir daher als Bor tvurf u limine zurückweiien. Die Gegner mögen uns zuerst einmal von den, Segen ihres von ihnen so angepriesenen PositiviSmns überzeugen. Das; unsere objektive K. E.-Erziehung aber für das Judentum in Deutschland die größten Erfolge hat, beweisen die zahlreichen Alten Herren des K. E., die in, öffentlichen ^eben als anerkannte Führer ihrer deutschen ^'.lanbensgenossen gelten, beweisen auch die vielen Anhänger deS K. E. in Thevlvgenkreisen, die den K. E. als idealen ^iund tatkräftig unterstützen, trotzdem sich der K.E. nur, soweit eS zu apologetischen Zwecken nötig ist, mit religiösen Dingen beschäftigt. Wir können daher die Anfeindungen der jungen jüdischen Ehatwinisten, wir seien keine echten Juden, weil wir ihre weltsrernden Ziele nicht billigen, mit grostem Gleichmut ertragen, und auch im Kampf'gegen die neue Front auf unserem Platze ruhig beharren. Warum find und bleiben wir Juden?*) Bon I)r. Felir tzioldmann-Oppeln. tVortrag. gehalten im W. S. lttll/12 in der Berbindung im M.(i. L hu ringia-Breslau.) lLchluh.) Wenn wir vom Wesen unserer Gemeinschaft unzweideutig und scharf betonen, dast heute wie stets das Judentum Religion ist, wollen wir ir, Kürze auch anderen Ansichten einige Worte widmen, denen man mehr oder minder versteck, in jüdischen Kreisen über diesen Punkt begegnet. Es sind dies im wesenrlichen das Trotzjuden tun,, das soziale und das nationale.Inden tun,, wobei letzteres sich vor den beiden erfreren dadurch auszeichnet, das; es wenigstens eine geschlossene, wenn auch durchaus anfechtbare und von Zeitidealen abhängige Denkweise voraussetzt, wohingegen jene weiter nichts wie reine Ber legenheitsgcbilde sind. Druck erzeugt Gegendruck! Es war klar, das; die in den achtziger Jahren einsetzendeHochstm des Antisemitismus auch in jenen Kreisen unserer Glaubensgenossen eine Reaktion auslösen mnstte, die wenig oder nichts mehr an ihre Gemeinschaft *) Wir bringen den Bvrtrng unseres verehrten Mitarbeiters, der den Standpunkt des religiösen Vibera. lisntus in vorzüglicher Weise darlegt, gerne zum Abdruck. Jedoch kann sich unser Verband, der statutengemäß-au religiösen Bestrebungen keine Stellung nimmt, mir den Ausführungen nicht indentifizieren. Die Redaktion.