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KC-Blätter · 1913-01-01 · Heft 4 (1.1.1913) · p. Seite 83

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 4 (1.1.1913)
Date
1913-01-01
Page
Seite 83 (sequence 7)
Language
German
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83 l«ven, mit leien nicht poptlv jUdlscy, outtt) oen Himveis das; mir keine Nationaljuden sein können, meil mir nicht bloß Juden sind. Der Vorwurf, mir seien eine Gefahr für das Judentum und ohne positive Ideale, trifft uns nicht - denn er beruht in einer völligen Verkennung von dem Wesen des .SV. C. Der K. C. verdankt seine Entstehung realen Ursachen, die in den bestehenden deutschen Verhältnissen ihre wirklichen Wurzeln hatten. Der .SV. E. entstand ans der Not gebaren van selbst, er war die Reaktion ans antisemitische Eingriffe. Er wallte und null in erster Linie die deutschen Juden zur Abwehr fähig machen. Seine Tendenz und Aktion ist also vorzugsweise nach außen gerichtet. Hieraus dem ,Vt. E. einen Bvrwnrf zu machen ist ebenso töricht, als wallte man einem Feld Herrn vorwerfen, er kümmere sich nur um militärische Dinge, aber nicht um philosophische Ideale, die doch mich schön wären. Van seinen Mitgliedern verlangt der K. C. außer deutscher Gesinnung nur, daß sie sich als selbstbewußte Juden bekennen und betätigen sollen. Wie sie ihr Judentum pflegen, religiös oder irreligiös, auS Tradition und Familienrücksichten, aus Nasse- oder Stammesgcftthl oder nur aus Ehrgefühl, darum kümmert sich der K. C. nicht. Und mit Recht. Es handelt sich hier um derartige individuelle und zufällige Betrachtungsweisen, daß der K. E. llnfng verüben würde, wenn er seine jungen Mitglieder auf irgendeine abgeschlossene und deshalb intolerante Weltanschauung fest legen woll te. Der K. C. verlangt von jedem, der in seine Reihen eintritt, daß er, weil er Jude ist, als ehrenhafter Mensch an seinem Judentum sestzuhalten hat, und daß er sich gegen jeden Borwurf mit den Waffen des MuteS und Geistes als deutscher Jude zu bewähren hat. Deshalb, als in rein jüdischen Dingen neutraler und objektiver Verband, kann der .SV. E., wie die Logen und der Zentralverein, nur ein Minimum von seinen Mitgliedern verlangen, nämlich, daß sie sich als Inden dem Staat und allen gegenüber bekennen. Dieses Minimum gilt selbstverständlich nur für den Eintritt und die Beibehaltung des einzelnen im K. C., es ist aber kein Bestandteil der T endenz, daß nun der K.E.er nicht über daS Minimum h i n a u s s i ch a l s I u d e z u f ü h l e n h a t, und nichts ist unwahrer, als die Behauptung, der einzige Inhalt unseres Jndenseins sei eben dieses Minimum. DerK.E. übt dadurch vielmehr nur sein Prinzip der Toleranz und Neutralität aus, und überläßt es dem einzelnen sich eine Weltanschauung zu bilden, wie er will. Die Materie zur Bildung einer Weltanschauung bietet der K. E. seinen Mitgliedern gerne an, indem er seine Füchse und Aktiven durch Vorträge, Unterricht, Bibliotheken usw. mit jedem Gebiet des Wissens, insbesondere auch des religiösen Wissens und der jüdischen Geschichte bekannt macht. Die Erfahrung zeigt, daß jeder von uns, der in der Abwehrtätigkeit seine Pflicht tut, auch zu einer Verinnerlichung seines Judentums gelangt. Der ft. E. lehrt aber nur und bleibt selbst völlig neutral, mit einem Wart, er zwingt keine besondere jüdische Weltanschammg ans, sondern jede Welumschaunng, soweit sie die Lösung der deutschen Jndensrage nicht außerhalb Deutschlands sucht, ist ihm für seine diesseitigen praktischen Ziele recht und billig. Der Vorwurf, die K. E. er seien keine rechten Inden, nur weil sie von .SV. E. wegen Juden sein können, wie sie wollen, ist daher völlig unbegründet. Er ist aber auch durchaus töricht, weil er verkennt, daß der ,Sl. E. von vorneherein gar nicht seine Mitglieder nur als Juden ansehen will. Er ist allch unehrlich, da die natianaljüdischen Verbände selbst, ans deren Reihen der Vorwurf erhoben wird, in religiösen Fragen neutral sind. Ihr Positives liegt nur in nationalen Fragen. Die Nationaljuden, die mit ihren Ideen schon in einem Zukunftsstaate von lauter Juden wohnen, sind nach der Ansicht des K. E. reine Jdiolvgen, deren Utopien ans dieser Welt keinen Grund und Boden haben. Auch die Zukunft, mit der sie an die Vergangenheit vor 2000 Jahren anknüpsen wollen, erscheint jedem nüchternen Verstände imaginär, mögen diese Ideen mlch noch so unentwegt und tapfer verkündet werden. Wir glauben nicht daran und wir haben auch keine Sehnsucht — für uns — nach dem Lande der Zukunft; denn der K. E. treibt eine gesunde Realpolitik, die mit den gegebenen historischen Tatsachen rechnet. Tatsache ist es für uns, die wir, in Deutschland geboren und auferzogen, Deutsche von Sitte, Sprache und Erziehung sind und deutsche Berufe ausüben. Deutschland ist unsere allumfassende Nährmutter, in Deutschland und von Deutschland leben wir. Und deshalb lieben wirDenrschland auch, ohne daß wir Hurrapatrioten zu sein brauchen; wir lieben eS einfach, weil wir uns zu Deutschland zugehörig fühlen, und wir die deutsche Lust als unsere Heimatsluft einatmen. Mögen uns auch manche UnliebenSwürdigkeiten, weil wir Inden find, in Deutschland begegnen, so kann uns das doch nicht zur Gleichgültigkeit gegen Deutschland bringen oder unser deutsches Gefühl beeinträchtigen. Wir sind trotzdem echte Deutsche, und wer das theoretisch nicht begreifen will, — Nativnaljude oder Antisemit — muß der nicht zugeben, daß wir gute Mitbürger unserer Heimatstädte, echte Angehörige unserer Bundesstaaten und Provinzen und dadurch, weil wir in den kleinen deutschen Verbänden bodenständig seit Jahrhunderten wurden, doch zum mindesten mittelbar gute und richtige Deutsche sind? Wenn wir bedenken, daß wir — je nachdem — Bayern und Württemberger,

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