KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1912-1913
- Issue
- Heft 4 (1.1.1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2268830-2268832-2268837--0699-2269911- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
in der Agitation sich nie einen so urwüchsigen Charakter geben kann, wie eine extreme Partei. In diese unerwünschte taktische Stellung, die den Gegner linfe und rechts hat, ist der .St. C. im Lause der lebten Jahre immer mehr hineingekommen, trotzdem er bei seiner Gründung auch eine extreme, abseitige Stellung hatte. Gegen die antisemitisch gewordenen großen Verbände ergab sich in den Irühlingsjahren des St. C. seine Position nl» einziger jüdischer .Stampfverband voll selbst. Bon den Inden soweit sie den St'.lS. damals kannte», als aktivster Abwehrverein auerkamlt, hatte der St. li. naturgemäß seinen studentischen llnd geistigen .Stampf nur gegen die Judenfeinde zu richten. Deshalb war die Stellung des St.(S., mag sie reitl tatsächlich Mich noch so sehr zu heftigen Zusammenstößen mit den judenfeindlichen Elellleuten der klniversitäten geführt haben, eine relativ einfache und deshalb taktisch glückliche. Die alten .St. C.-er hatten in erster Linie zu beweisen, daß die jüdische»» Studenten den nichtjüdischen in jeder Tilgend ebenbürtig imd würdige Träger des deutschen Namens feien. Das; die St. C.er gute Jude»» seien, das erschien dantalS jedent so selbstverstältdlich, das; darüber weder von außen noch von innen je ein zweifelndes Wort bekannt wurde. Inzwischen ist es anders getvorden. Zn der Behauptung der Antiseniiten, das; lvir im St.C. keine rechten Deutschen seien, ist mm von gewissen Seiten die Behauptung hinzugetreten, das; wir keine rechten Inden seien. Wir also, die wir deutsche Jllden fein wollen, sind, wenn beide recht haben, eigentlich gar nichts. Indem wir unser Deutschtum nach allsten hin behaupten, sollen »vir unser Iudentllm abgestreift haben und anderseits, indem wir unser Illdentum Hochhalten und nicht preisgeüen tvollen, sollen wir auch keine echten Deutsche sein. Bon vorileherein, das wird jeder Unbefangene .plgeben, hat der Borwurf, die Mitglieder deS St.C. feien keine rechten Inden, etwas Absllrdes lmd Stiutstliches an sich. Wem: der, der sich als Ilide fühlt, als Jude sich in einer zur Tallfe geneigten Zeit bekennt imb als Jude sich eilte Organisation geschaffen hat, kein Jude sein soll, so lnus; hier ein ganz besvllders enger und strenger Begriff des Juden ausgestellt sein, unter den der bewährte St. C.-Iude auf einmal nicht fallen soll. Der St. C.er selbst, der sein Judentum als etwas Selbstverständliches ansah. fühlt sich unvermutet im Rücken angegriffen. Er fühlt instillktiv, das; er, der seilte Irvnt außen sah, einen neuen, unenvarteten Gegner am eigenen Herd gesunden hat. Bon dieser neuen Iront soll hier die Nede sein. Cs soll der Borwurs, den hauptsächlich die sogenannten Nationaljnden erheben, wir deutsthen Juden seien keine richtigen Juden, auf seine Nichtigkeit geprüft werden. Eine äußere Aehnlichkeit zwischen unseren antisemitischen und nationatjüdischen Gegnern fällt sofort auf. Beide bciucqctt sich in Extremen, die sich berühren, lind ziehen eine äußerste Stonseguenz aus der von Ulis bestrittenen Ausstellung, daß die Stusse das allein feliamachende Trennungsmerkmal der Ällenschheit bilde. Der deutsche Antisemit behauptet, nur den unbestrittenen Ger»nanen als „völkischen" Stammesgenofsen und echten Deutschen anerkennen z»l können. Der Illde sei daher ein Isremdling in deutschen Lailden. In völliger Verkennung des Uriterschiedes zwischen dem Begriffen „Nasse" und „^tativll" behauptet der dlarionaljude von sich selbst, er sei ein Iremdling, iveil er kraft seiner Nasse nur mit Juden znsarumen eine Nation bilden könne. Er kommt demselben Nesultat »vie der extremste Antisemit. Und lvie jeder extreme Nassenrheoretiker verlangt nun der Nationaljude die allgemeine Anerkennung seiner Entdeckung, tutb er mnnt den Indelt, der nicht nationaljüdisch fühlt, einen schlechten, unerfahreilen, unerfjteii Jllden. Der St. C. wird daher, »veil er nationaljüdische Ideen ablehnt, von dem „Verband echt jüdischer Männer" verächtlich abgetan und eine Vorfrucht zur Taufe genannt. Der St. C. ist also auf einlna! zwischen zwei Ixeuer geraten llnd muß sein Judentum mm auch Juden gegenüber verteidigen. Die Nationaljuden, die in Verkennung der ganzen historischen Entwicklung nichts als Juden sein lvvllen, sind, lvie alle extremen Parteien, im Besitze eines großer» Vorteils. Das ist der, daß sie aus einem Ilebelstand, den auch der St. C. als solcher anerkennt, rmd bem er seine Entstehung verdankt, die äußerste Stollseguenz ziehen und ihn auf radikalste Weise heilen »vollen. Auf den Vvrwllrf der Fremdheit hin rmd auf die vielen Scheidemauern, die in Deutschlalid errichtet sind, reagieren sie dadurch, daß sie lediglich auf ihre 'Clualitiit als Nässe-Juden Rücksicht nehmen und diese jiidische Qualität bis zur letzten Stonseguenz betollen lmd mlsballen. Sie wahren sich gegen den Antisemitismlls, indem sie ihm recht geben und mm selber — letzter» Endes doch eines äußeren Druckes lvegerr — ihre Iremdheit und andere Nasse anerkennen. Die allerletzte Stonseguenz, die aus dieser aus Pessimismus geborenen Resignation entspringt, ist der Zionismus, der alle mehr oder minder bedrängten Illderr sammeln und in Anknüpfung an eine zweitausend Jahre zurückliegende Vergangenheit in Zion den allumfassenden Illderlstaat »nieder errichten will. Wir geben die eiserne Stonseguenz, die in solchem T»m liegt, zn. Wir bestreiten aber die Richtigkeit des Ausgangspunktes imb wir wehren uns, »vie wir uns früher gegen die Antisemiten allein wehren »Nttßten, gegen den Vorwurf der National-