KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1912-1913
- Issue
- Heft 4 (1.1.1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 81 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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81 wachsevereinzelte jüdische Rassenfanatiker zählen wir auch bereits, mit denen ein schlichter Jude nicht Schritt halten kann. Um uns zu schrecken, wird an die lodernden Flammen des Rassenhasses in Amerika lgegenuber den Negern) und in China lgegenüber den Deutschen!!) erinnert. Chinesen und Deutsche Arm in Arm in der Abwehr der Raffesremden) ein Bild für (Mütter. Der Rasseninstinkt sei fliMuultifl wie die Mutterliebe, ja wie die Vtobo überhauptalso Haß ans Vicbel Nterk- »vürdige Verirrung, zu glauben, das; die Liebe sich instinktmäßig answirken dürfe, während sie doch gerade durch heilige Geseke »nnhegt und umzäunt wird, damit ihre Reinheit und Kraft bewahrt bleibeli. In diesen» Ztlsaminenhang fällt anch ein Wart gegen den „Geistmenschen", der das gemeine Triebleben zu iiberlvinden fordere, lline illue kurimae. Dort Geist, hier Blut! Cs ist im Grunde nicht sv arg mit der Rassensremdheit. Die instinktive Abneigung gegen die rassefreniden Inden z. B. hat »»»ancher verarnrte oder verliebte Kavalier rein arischen Bllltes überwunden. Aber der Geist ist gefährlich. Und da redet Dr. Keup vvl» einer tiefen Durcharbeitung des Volkes zl>r Ciliheitlichkeit atlch in bezng auf Religion salso wie in Spanien?), Sitte und Kultur, wo alles dlirch die Fäden des Bllltes ellg verbllnden sBlut darf nicht fehlen), in das Ganze willig sich einsügt. Ja, wird delln Kultur von» Instinkte gemacht, oder gehört auch einiger Geist dazu? Und wenn schon monistisch oder materialistisch gedacht Blut und höchstes Gehirnphänomen eine einzige Kette bitdell, stehen darnn» somatische luld geistige Prozesse unter den gleichen Gesetzen, oder liicht vielleicht »Ulter völlig entgegengesetzten? Aber dahin gelangt mall, rvenn man den Menschen dem Tiere gleichgesetzt hat. Wir wissen, das; der Mensch am Tiere teilhabe,' uns reicht aber seine Idee viel weiter) lvir sehen ihn auch von seiten seiner geistigen Kräfte, die ihl» erst zur Menschheit erhebet», »«»d a»»S denen alles Nichttierhafte hervorgeht: Sitte, Recht, Staat, Wissenschaft, Kllust, Literatur, nicht zuletzt Äieligion. Diese hätte L)r. Keup unerwähnt lassen sollen, llachdem er es mit seinen» Borstos; gegen den gläubigen Christel! mit ihr verschüttet hat. Allerdings lvird der gläubige Christ sich befremdet fragen: Silld christliche Weltanschauung und Rassenhaß vereinbar? Aber Dr. Keup unterschätzt wahrscheinlich die Iah! der so Fragellden, und überschätzt die Werbekraft seiner eigenen Lehre. Cr gehe mit dieser einmal in eine Arbeiterversamullung und predige dort seine Lehre vom Rasseninstinkt, und die Leute würden sagen: lieber Herr, wir haben verschiedene sehr starke Wünsche, Triebe und Neigungen, aber die Rassefremden rnit Knütteln vder moralisch totzuschlagen — der Instinkt ist tot! Dr. Keup weiß das auch) er tröstet sich damit, daß Herr Dr. Theilhaber den deutschen Juden selber ihren Untergang prophezeit hat, und hofft ein wenig kannibalisch, daß sie „in ihrem eigenen Blute ersticken werden", vorausgesetzt, dös; inan die Landesgrellzell geschlossen halte, damit keine Zußlhr jüdischen HluteS erfolge. Selbst das neueste Schlagwort des Anti» semitisllllls bleibt lllls nicht erspart, das ein unbedachter Jiollist in seine»»» Artikel „Deutschjüdischer Parnaß" lKnnstwart von» März 1Ü12) gebraucht hat, das Wort von der jüdischen Anmaßung, deutsche Kulturgüter zu verwalten Ulld dadurch zu verfälschen. Professor Julius Goldsteilt hat seine»»! Ran»ensvetter Dr. Moritz Goldstein bereits die treffende Antrvort erteilt. Der Darmstädter Gelehrte hat auch in seinem Bortrage „Deutschtnm »ll»d Judentn,»»" svgl. K. C.-Blätter, 2. Jahrgang, S. 16l» ff.) über geistige Assinlilation das Beste gesagt, was sich vorbringeil läßt) — er hat daran erinllert, daß Assimilation, von» Pslanzenleben hergenommen, eil»e auf Arbeitsleistung beruhende Aufnahme nährender Stoffe, ebenso »»»atcrieller wie geistiger Art sei, so daß auch der Deutsche erst durch Arbeit undSelbstbildung sich den» wahren Deutschtum assimiliere, »mb noch lange nicht alles in Höherem Sinne deutsch sei, was irgendein Zufall 'deutscher dafür ausgebe! In dieser Auffassung liegt Wahrheit, in ihr liegt die Ueberwindung der Schmach des Jahrhunderts. Wir erheben uns aus den Niederungei» des Rassenantisemitismus zu den Gipfeln lvahrer deutscher Kultur, von denen herab die feierlichen Worte vo»n Göttlichen im Menschen klangen: Cdel sei der Mensch, Hilfreich und gut) Denn das allein Unterscheidet ihn von allen Wesen, Die »vir kennen. * * * Der Uamps gegen die zwei Fronten! Bon Dr. Jur. Ernst Hochschild (Ähibelliniae), Colmar i.E. Der Ausdruck ist aus den» politischen Leben wohlbekannt. Er deutet dort auf die fchrvierige Lage des »nodernen Liberalisnurs hin, der von Natur ans seinen Feind rechts sitzen hat, und der sich jetzt doch gegen die äußerste Linke »vegen des Vorwurfs, er gehöre zu der euren reaktionären Masse, auch verteidigen muß. Cin solcher Ka»nps gegen zwei extreme Gegner ist natürlich aufreibender und gefährlicher als der Kampf - gegen eine Front, nicht allein weil die Kräfte sich zersplittern, sondern weil eine Mittelpartei I n ■-'r* - '5;» '•■r v ■'iatea-.-^wefciinlwwi'i'twiM|i|nn1 fflUHm l'lll ill i