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KC-Blätter · 1913-01-01 · Heft 4 (1.1.1913) · p. Seite 79

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 4 (1.1.1913)
Date
1913-01-01
Page
Seite 79 (sequence 3)
Language
German
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79 Wer so Nasse nur auf Blut stellt, must für Zugehörigkeit zu seiner gleichen Nasse Gemeinsamkeit deS Keimplasmas fordern. Den Begriff der llrraffe will ür. Keup da in Wirkung treten taffen, uw wir auf dem Wege vom Artbegriff des homo sapiens zum Iamilieubegriff zürn ersten Male auf ein in die Augen springendes Teilungsprinzip stvsten iz. B. meiste Urrasse, zu der auch die Juden gehören) und einen engeren Begriff der m a s s e da iestlegen, wo wir alledem umgekehrten Wege üver Familie, Sippe, tzstaunn zrun lebten Male bei einer Gruppe einen größeren, augenfälligen Komplex gemeinsamer körperlicher und psychischer Eigenschaften bemerken, die auf gleiche Blutszusammeusetzung hindenten. Demgegenüber hat Dr. Zollschan nachgewiesen, daß eS zunächst um die Augenfälligkeit der gemeinsamen, körperlichen Merkmale übel bestellt istsie mögen mm Schädelindex, Pigment, Körperstatur oder sonstwie heißen. Die psychischen Nassenenergien sind aber unter die verschiedensten Völker verteilt, bald strebt hier, bald dort der künstlerische, philosophische, religiöse Instinkt empor. Dies sind eben keine aus dem Blute stammenden, ewigen, spezifischen Grnndkräfte, sondern sie sind künstlich erweck- und übertragbar. Ein so schicksalsreiches Volk, wie die Juden, lvird wahrscheinlich auch die reichste Psyche, die stärkste Bariabilitätsbreite besitzen, aber mit dem jüdischen Blute hat das gar nichts zu tun. Zwischen Germanen und Semiten erkennt Zvllschan nur noch den Unterschied der 2anthochro6 und Melanochrotz an und meint: nicht hie Indogermanen, hie Semiten, habe man zu fragen, sondern hie Kulturleistungen der blonden, hie der brünetten Völker. Zu den ersteren rechnet er die schöpferischen Errungenschaften der modernen Kultur, zu den letzteren alles, was Smnero-Akkader, Babylonier, Assyrer, Perser, Hettiter, Phönizier, Inden, Aegypter, Griechen, Nömer und Araber hervorgebracht haben.-Wer sieht nicht in den Errungenschaften der letzteren den gewaltigen Unterbau für die moderne Welt? lind da sollte die letztere allein Jüdischen heterogeil sein, insbesondere soweit sie deutsch ist? Haben nicht die Deiltschen an der jüdisäien Bibel buchstabieren gelernt, verdanken sie nicht ihre Gemütsbildung der Bibel, lvie ihre Geistesbildung Hellas und Nom? Und nun müßte jede Annäherung der beiden Nassengrnppen wie die Pest gemieden rverden, sollte Assimilation des Juden an den Deutschen, und d. h. natürlich auch des Deiltschen an bcti Juden, ein todeswürdiges Verbrecher! sein? Merkwürdig - der Vorgang selbst schreit angeblich gegen die Natur und ist im Grunde unvollziehbar- — warum bedarf es da sv starker Schuhwehren, um das Unmögliche zu verhindern? Wenn Geister wie Heinrich Heine, Ludwig Bamberger u. a. den jüdischen und den deutschen Geist sogar für wahlverwandt ansahen, so huldigten sie vielleicht einem liebenswürdigen Irrtum. Wenn I)r. Keup aber der beiden Rassengrnppen als eine wissenschaftliche Tatsache ansgibt, dann hat leidenschaftlicher Wille hier an Stelle kühler Überlegung gewaltet. Würde der Nassenautisemitismus muh nur fiir eine Stunde die Kraft allsbringen, die Dinge anders zu sehen, vielleicht zunächst im Sinne Sornbarts, der die Jude», das Schicksal der Deutschen nennt, und sie beileibe nicht missen möchte, es wäre der Irage der Stachel genommen. III. So lange das subjektive Gefühl vorherrscht, das den Willen auslöst, durch Ka,nps gegen die Nassefremdheit der Juden den Bestand der eigenen 9iasse zu sichern, sind lvir von einer Verständigung meilemveit entfernt. Was Schlagivorte, wie „Nassensremdheit", im politischem Leben bedellten, hat zur rechter! Zeit Dr. A. Ehristenien in seinem Buche „Politik und Massenmoral" dargelegt fLeipzig, bei Tenbner, 1012); wo er auch die alte Erfahrung bekräftigt, dast gerade dann die meisten Argumente gegen den Gegner znsamnrengetragen lverden, lvenn man zrr einem vernichtenden Schlage nusholt. Vielleicht um diesen« Verdachte zu entgehen, behandelt Dr. Keup ziemlich ausführlich auch die der seinigen entgegengesetzte Milieutheorie, die jüngst Dr. Iranz Oppenheimer auf den« Soziologentage in Berlin verteidigt hat. Sie stammt letztlich von Lamarck rrnd Sr.Hilaire und wiü besagen, daß auf das Keimplasma, also den rverdenden Älkenschen, nicht allein die Abstammung, sondern vorzüglich die Umgebung den entscheidenden Einfluß allsübealso das Klima, Ilora und Ianna, Ernährung, sonne alsdann Sprache, Erziehung, Kultur der Umlvelt. Damit in Verbindung steht die Erkenntnis, dast auch errvorbene Eigenschaften, Veränderungen, Fähigkeiten die Tendenz haben, sich fortzuerben. Die Blutfanatiker möchten dieser Tatsache ans dem Wege gehen, indem sie die Nichtvererbbarkeit arnputierter Beine und Arnle oder angezüchteter Athletennlnskeln darlegen. Alleirr ein anderes sind zufällig erworbene Schäden oder aus Neigung Einzelner nusgebildete Gliedmasten, und ein anderes der Erwerb neuer Eigenschaften und Kräfte seitens einer ganzen Gruppe, die, in ein fremdartiges Milieu versetzt, gezwungen rvar, sich zu behaupten sDarwins Kampf umS Dasein), oder besser, sich innerlich anzupassen, umzubilden, zu entwickeln — dllrch Spontaneität des Lebendigen (mmi vergleiche N. C tto, Naturalistische und religiöse Weltanficht, Tübingen, bei Mohr, I.Aufl., 1904,S.137). Atanfasttden Begriff der Entrvicklung durch hie Umwelt zu eng, wenn

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