KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1912-1913
- Issue
- Heft 3 (1.12.1912)
- Date
- 1912-12-01
- Page
- Seite 74 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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74 W. Blank, Hauskassenlvart. Nathan. Wirtschaftskasscnwart. E. R. E. R. Lehens, W. Blank, A. Meyer, Alexander, Altmann, Wuidmüller. Inaktiviert »vilrden Mar Meyer und Ernst Erich Kahn (Bav.) Sprevla. Am 2rt. Nov. fand im Bankettsaal des Weinhauses „Rheingvld" unsere Semestcrantrittskneipe statt, die üou unserem VC. H. B. in größere«»« Rahmen als sonst veranstaltet wurde. Unserer Einladung waren fast sämtliche Berliner K. E.er gefolgt und auch die Philisterschaft hatte sich in grober Iahl eingefunden. Die (Valerie konnte die erschienenen Damen, kaum fassen. Der Saal bot ein farbenprächtiges Bild. Evnleur an Eonienr, von der alten Viadriueninütze bis zur jungen, in hoffnnngsfreu digem (Hrün strahlenden Sarobavarenconlenr, dnzioischen Ehargierte in glanzendem Wichs, über allen« eine gehobene Fcstesstinunnng, die noch erhöht «unrde durch die .zahlreichen kernigen und inhaltsreichen Reden, in denen so»vohl Verbandsbrüder als a««ch (Hüfte sich überboten. In« Namen unseres A. H. B. begrüßte .zunächst unser A. H. Werner die Festversannulllirg und «vies darauf hin, daß nicht immer der Sprevia die Sympathie der Philisterschaft so n,«geteilt beschieden gewesen sei: viel«nehr sei «nan der jungen K. E.-Berbindung mit einem nnerklärlichen IndifferentisinuS, ans dem oft der Unterton der Feindseligkeit hervorgeklunge,« habe, gegenübergetreten. Desto erfreulicher sei es, dast man jetzt endlich unser Streben .zu würdigen gelerrrt habe; das Interesse, das uns heute in den «veitesten Kreisen entgegeugedracht «oerde, berechtige zu den schönsten Huffnuiigen für die Ankunft. Tie Tendenzrede hielt A. H. Dr. Nenberg. Ans der Not der Ieit heraus, fo führte er ans, fei unser Verband entsta««den, als ciu Schuluvall gegen die antise«nitifche Hochflut, die in den KOer Jahre«« unser Vaterland n««d nicht.zum mindesten die Universitäten überschlveminte. Heute sei er nicht mehr die quantiifc ndyliyable, für die ihn ««erst selbst unsere freunde .zu halten geneigt geioesen eie««, sondern ein Faktor, mit dein gerechnet werden müsse: das .zeige das stetige Wachse«« unseres Verbandes, der sich «in leisten Jahre loiedernn« um ,z«vei Verbindunge«« ver- .mehrt habe. Er «vaildte sich dann in über.zengeitden Worten gegen die verschiedenen Vorivürfe. die uns vonseitcn unserer (Hcguer gemacht werde««, und «viderlegte besonders die Ansicht, dast unser Iudentnitt eil« reines Trntzjudentun« sei, indem er a««f den Tcndenzparagraphen himvies, der unsere Nkitglieder .zur Selbster.ziehnng nnd .zur Verinnerlichung ihrer Anffassung vom Iudentnn« anleite. So seien nnsere Wege klar nnd deutlich vorgezeichnet: durch Beschäftigung mit jüdischen Fragen geben «vir nnseren Nlitgliedcrn die Mittel in die Hand, nn« den modernen Antisemitismus bekänipfen zu können, geben ihm das geistige Rüstzeug, dast sie selbstbcwustt sei«« können und dürfen. Was die körperliche Seite unserer Ansbildung betreffe, so seien »vir der Ansicht, dast beim jüdischen Studenten nicht genug Flachdruck darauf gelegt »verden könne Es müsse gegen das Vorurteil gekämpft «»erden, als fei der jüdische Student minderivertig. .'zum Schlust gab er der Uebcr.zeugnng Ausdruck, dast unser Verbaitd, der sich seit nunnlehr '£> Jahren in diesen« Sinne betätige, auch in der Inkunst auf diesem Wege »vciterstreben möge, und schlust mit einen« begeistert anfgenoinnlenen Salamander ans den K. E. Für die Kartellverbiuduugen sprach A. H. Dr. (Hrünspach. Er betonte, «vas dem Inden vor allen Dingen fehle, fei das Selbstbewnsttsein. Ter Nknngel an Stolz sei cs. der dem Juden das Vertrauen .zn sich selbst raube. Und auch hier habe die K. E.-Tendenz schon viel (Hutes gervirkt; indem sie nämlich in erster Linie .zur Achtung vor sich selbst erziehe, führe sie den Einzelnen zur Selbsterkenntnis und z«t«n Selbstvertra««en. Diese segensreiche Wirkullg unserer Tendenz zeige sich gerade hier in Berlitz besonders auffällig, wo man es sich »wch vor 2 Jahrzehnten nicht zur Ehre angerechnet habe, Jude zu fein, und »va jetzt auch das Prinzip der Persönlichkeit mehr und mehr Fust gefaßt habe. Er schloß mit dem Wunsche, daß es der Sprevia gelinge«« möge, dieses Prinzip in der jüdischen Bürgerschaft noch mehr zu propagieren und zu zeigen, daß die Aktivität bei ihr die beste Vorbereitung fürs Leben fei^ (Hrosten Beifall fand auch die 'Hebe des Herrn AmtSgerichtSrats Kalischer, der sich in beredten Worten gegen de«« Vorwurf «vandte, es mangele dem Juden a«« Mut und Ehrgefühl, und auf die K. E.-Verbindnngen himvies, die den besten Gegenbeiveis lieferten. Den Reden folgte ein Seluesterreiben, dessen »vitzige Toaste große Heiterkeit criveckten Ten Höhepunkt erreichte diese bei der von A. H. Werner verfaßten, prachtvoll gespielten Bierinimik. die gleichzeitig den Uebergang z»«r Fiduiität bildete, die uns noch bis lange nach Mitternacht in feuchtfröhlicher Tafelrunde versam»»«elt hielt. A. N. Hyurlngla. Trotz der geringen Anzahl unserer Aktiven gestaltete sich das Innenleben in der Verbindung bisher äußerst gemütlich und harulvnisch. Nnsere Kneipen erfahren jetzt durch «nnsitalische und rezitatvrische Vorträge, die vorher von seiten eines wöchentlich «vechselnden Kneipleiters vorbereitet »verden. eine erivünschtc Abivechslung. n««d »vir hoffen, durch diese Neuerung stets am Sonnabend eine große Anzahl von A. H. A. H. nnd Kb. Kb. bei uns begrüßen zu können. A»n Mittwoch den ti. Roveinber fand der erste K. E- Abend in diesem Setnester statt. In unserer Freude «varen fast sämtliche K. E.er amvesend. Jeden Mittwoch nach dem ersten sindet jetzt ein solcher K. E.-Abend statt. Die definitiven Ehargeuivahlen ergaben folgendes Resultat: Tischler X F. W. Scheller X < S. W. F. W. f. E. Pinrsohn XXX K. W. (Holdschmidt I. W. Bruno (Holdstem F. Nt. f. T. E. Di. E. R. Tischler. (Holdstein, Echeyer, Kupferberg, Pillksohu. Wolsf. Wkadrina-Aarmstadt. Unsere Aktivität vermehrte sich in diesem Monat noch durch nusern lieben Bundesbruder Alfred Kray, der von einer l. K. V. Licaria zn ur«s ka»n. Die definitiven Ehargeutvahlen ergaben: Edmund Aron X Vertr. im Ausschuß. F. W. n. a. Victor Iezierski Xx F. Nt. f. E. Felir Simso«« XXX F. Nt. n. i. A. H. Dr. Laznr»«s F. Ai. f. T. Karl Levy K. W. Alfred Kray S. Üt*. E. R. E. R- Aron Iezierski, Simfo««. Levy.Kadden,Bruck. Wie stets, zeigte sich auch in dieser Ieit die enge ZusalNluengehörigkeit unserer kleinen Aktivüas. die das Verbindnngsleben außerordentlich augenehm gestaltete. Ein besonderes, belebendes Ereignis bildete die Antrittskneipe, zu der eine große Anzahl unserer l. Kb. Kb. ans Heidelberg «lird andere liebe (Hüfte zn ««»«s nach Darmstadt kamen. Einmal in diesen« Atonal hatte«« «vir (Helegenheit. die Verbindung öffentlich zn repräsentiere»«, und zwar bei de»«« traurigen Anlaß des Begräbnisses eines russischen Kommilitonen, der nach voraus,zegangenen Reibereien von eine»»« trunkenen Studenten erstochen «vurde. Die ganze Studentenschaft nahm an den« Begräbnisse offiziell teil und doknmentierte auch dadurch ihre Entrustnug über das tranrige Vorkommnis. Inn« Ieichen der Trauer beschloß die Studentenschaft in einer Versa«n»»«lnng, in der sie n. a. mich ihrer tiefsten Entrüstung über das (Heschehene Ausdruck gab. den üblichen Kommers zum (Heburtstage S. Kgl. Hoheit des (Hroßherzvges ausfallen z»« lassen. Es fand so»nit n»«r ein Festakt in der Aula statt, dem eine Auffahrt der Korporationell vor dem Schlosse folgte. A. K.