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KC-Blätter · 1912-12-01 · Heft 3 (1.12.1912) · p. Seite 71

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 3 (1.12.1912)
Date
1912-12-01
Page
Seite 71 (sequence 19)
Language
German
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71 ijarrcu im Judentum zürnenden. Unser Glaube' wird die Religion der Zukunst nur sein, wenn es bei allein Anströmen geistigen und sittlicheil Lebens sich doch in seiner großartigen geistigeil Isolierung erhält. sobald es sich um die Anflialime freiilder ^lnschannngen handelt. Wir haben zivar oft darauf Hingeiviesen, das; llnsere gesanite Glaubensimb Sittenlehre sich tu erfreulicher Uebereinstiiuuluug mit den Ergebnissen der Wisseuschast von heute befindet, und das; »vir iuilerhalb des engen Gebietes, nllf deiil wissenschaftliche Methode gilt, daraus sogar eine gewisse Bestätigung fiir ihre Wahrheit herleiten können. Das aber kann Nils keinesivegs locken und veranlassen, ihr allch mir einen Schritt entgegenznkommen. Die Uebereiilstimiilung mit der Wissenschaft stellen mir mit einer wohlwollenden Befriedigung fest, iveil dariil eine Ailerkeililllllg für sie liegt. Uns macht diese Gleicliartigkeit nicht stolz, sie ist uns an sich ebenso gleichgiltig und veranlasst uns ebensolvenig zil Schlüssen und Aendernrigen, wie ivenn wir Nils im stärksten G e g e n sa t; zlir Wissenschast befänden. Die Religion trägt den Blaßstab für ihren Wert in sich selber; die Anschaililiigen der Welt können lins eine Probe auf das Erempel sein, beiveiseil uns aber llichts; nicht also ans dem z,var erfreillichen, aber unerheblichen Einklang nlit dem, wozu mau auf dem Wege des kritischeil Denkens gelangt, ivie es oft von jüdischer Seite behauptet wird, sondern alls dem Bewußtsein der eigenen .straft heraus ivollen ivir Inden bleiben. Diese gesicherte Erkenntnis soll uns freilid) keinen Anlas; geben, uur in den höchsten Sphärell der Znkunfrsethik zu leben und dabei beit festen Boden unter den Füßen zu verlieren, Alles fstlknnstshossen kalm uns natürlich nicht das Auge gegen die geistige und leibliche Juden not der Gegenwart verschließen, die beide ein energisches Betonen unserer konfessionellen Eigentümlichkeiten verlängert. Erst die konfessionelle Ausprägung macht den religiösen Gedanken wirksarrr; der Diamant kann erst dann das Glas zerschrreiden, wenn er von fester Fassung nurklannnert und gehalterr wird, und so ist uur in der starken praktischen Form der Konfession der eigentlichen religiösen Grundlage die Betätignngsrnöglichkeit gegeben. Gewiß ist Konfession »licht Selbstzrveck, und das darf niemals, wie es ja heute leider irr jüdischen Kreisen nur zu oft der Fall ist. vergessen werden; sie ist aber ami) nicht Nebensache, denn außer ihr gibt es für die Blasse keinen Weg zur wahren Religion! Unser Judentum treibt bekanntlich keine Mission in dem Sinne wie dieses Wort heute meist verstanden wird. Weder die schießende Flinte noch der.hauende Sabel sind nach jüdischer Anschauung geeignete Mittel zur Berbreitnng einer Religion der Liebe und des Friedens. Wir gehen unseren Weg in unseren! Glauben und lassen im übrigen jeden nach seiner Fac;vn selig werden. Dennoch aber ist es außerordentlich interessant, ohne das; wir uns natürlich in die inneren Streitigkeiten anderer Religionen einmischen oder uns gar Urteile erlauben, dort Umschau zu halten, derni diese stampfe sind für uns sowohl durch die neu entstehenden Glaubensrichtungen wie auch durch die Art ihrer Abwehr lehrreich und bezeichnend. Besonders tnpisch sind die Gegensähe in der evangelischen Kirche. Den Anschauungen eines Harnack, eines Kalthosf. eines Iatho. so verschieden sie auch unter sich sein mögen, erschallt von orthodorer Seite ein einheitlicher »iuf entgegen, der unsere grösste Anfmerksantkeit erregt, die Anklage, sie seien jüdisch! Und wenn wir »räher znschen. können »vir das begreifen! D«nn was haben, jene nicht alles an charakteristischcn Zeichen christlichen Glaubens aufgegeben! Sie Gottheit (5 h r i st i. die L ehre v o u d e i E r b sü n d e und vieles andere inehr, rvobei man noch den Eindruck hat, daß eine noch größere Arinäherung an jüdische Anschauungen erfolgen würde, wenn man nicht vor dem kompromitticri-ndeu Vorwurf „jüdisch" zu sein, eine so entschliche Angst hätte. Ein ähnliches Bild zeigt auch der Katholizismus. in dem heute so viel gegen den Modern isrnns angekümpft wird. Modernismus ist nun nichts wie eine Art von Subjektivismus, urrd das Wesen dieser Richtung besteht in dem Ausbeuten katholischer Dogmen und Sakramente in stimbolischer Art, anstatt sie wirklich und positiv zr» fassen, und was stellt das atrders dar als einen Versuch, ihre Bedeutung mit den Prinzipien und Biethoden der Wissenschaft und des Judentums in Einklang zu bringen? Wir enthalten uns jedes Urteils, jedes auch noch so schwache»! Versuchs einer Veeinflnsinng. wir freuen uns nicht, wenn sich im Durnn des Christentnins Risse zeigen, schon daruin. weil sie uns absolut nichts angehen. I-m «-'egenteil! Wir haben sogar im praktischen Hin blick auf das Zusammenhalteu unserer Scharen, die ein ver- »v ä s se r t es Ehristentum viel leichter an sich zieht, ein ausgesprochenes Interesse daran, daß sich das Ehristentum stark und fest in seiner reinen dogmatischen Ausprägung hält. Aber das Auftreten solcher Differenzen erweist uns. daß wir auf dem rechten Wege sind, ans dem Wege zum Siege. Glicht den; des Jndentunls, denn ein solcher Wunsch spukt nur in den Köpfen unserer Feinde, sondern zu dem unserer sittlichen Ideen! Und in dieser Zuversicht werden wir auch dadurch nicht wankend.

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