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KC-Blätter · 1912-12-01 · Heft 3 (1.12.1912) · p. Seite 68

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 3 (1.12.1912)
Date
1912-12-01
Page
Seite 68 (sequence 16)
Language
German
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fmmtuflvctlrif ist ewig. Sie ist göttlich, und wer nicht allzusehr beeinflußt ist durch die Lehre» des Mallismus uub seine Gefühlsregungen unterdrückt. wird iljreu Einfluß in sich verspüren und auch auf diesem Wege dazu gelaligeu, den ewigen Gatt der Sittlichkeit in sich zu erleben und anzuerkenlleu. Es liegt Ulls hier in der Hauptsache nur an dem Nachweis, lvarum der gebildete Nterlsch, der denkfähig ist uub auch Denken ivill. sich va>l der Neligian »licht zu emanzipieren vermag, und lvarnul sie ivieder. sabald sich die Welt uiun „lallistischeu Taumel erhalt lind den Unwert dieser Anschanng erkailllt hat, ihrell „lächtigen llnd gerechtferligten Einfluß gerade auf jene ausüben lvird, die dllrch ihre Gaben uub deren Ausbildung im geistigen Leben eine führende Stelllmg eilUlehlnen. Der großen Masse der weniger klugen und gebildeten Nkenschheit mltß selbstverständlich „die Neligian erhalten werden"! Aber nicht aus bem Grunde, den Ulan .paar llicht allsspricht, den mau sich jedoch hällfig deilkt, um daillit ein Knebelungsinittel in der Hand zu haben, um leicht entzündliche Leidenschaften einzndämmen, um einer herrschenden Kaste dadurch die Gewalt über das Volk zu sichern, das; mau es in der Dumluheit erhält! Sallderil darnln muß ihnr die Neligian erhalten bleiben, lveil man nur auf diese Weise das Natürliche uub Ursprüngliche, das eigentliche frische Wesen seiner Denk- und Gefühlsart beivahrt. freilich fall »nan dabei auc!) nicht vergessen, daß heute nach fast ebenso lvie im Mittelalter die höhere geistige Kultur, die Wissenschaft und die Kunst, auf keine alldere Weise an die großen Valksmassen herankalnnlt als einzig liab allein durch die Vermittlung der Neligian, und es steckt eine tiefe Wahrheit in delll bekannten Warte Scherrs: „Die Neligian ist der I d e a l i s m » s d e. sValkes, u n d s i e i st n n d bleibt das einzige Atittel, wodurch es sich lnit der idealen Welt in Beziehung sehen kalili, wenn auch liach so unznl ä n g l i ch ll ll d i n n a ch s a g r a t e s k e u 5v a r lll e n." Sa hat für bou Menschen van heute, welcher Bildungsschicht er auch angehören möge. die llteligian ihre Bedeutung nach lange nicht verloren. und das erkellnt num um so deutlicher, je höher man sich über ben Feitanschanungen seinen Standpllllkt zli wählen vermag, je mehr man sich van den Vorurteilen der aus der naturwissenschaftlich -monistischen Denkweise fließenden .Ueberschäßnng der geistigen Kraft befreit. Und die Neligian ist nicht unentbehrlich in dem Sinne, daß sie — um das frivole Wart Voltaires zu variierell — erfunden werden müßte, welili sie nicht existierte, sondern sie ist vorhanden und ewig wirksam, wenn auch in i'.muchen Seiten — so auch in der unsrigen — ihr unmittelbarer Einflllß zurückgetreteu ist. So haben wir den» ciucu festen positiven Baden gewannen: die Ueberzeugung. daß der moderne Mensch. sofern er nicht zu den Halbgebildeten gehört, die vorlaute Skepsis und zweifelnde, negierende Ueberhebung fürWeltanschanltng halten, sich auf den Standpunkt der Neligian stelle»! kann und wird. Und erst van dieser gesicherten Grllndiage aus wenden wir uns der zweiten Frage zu, warum wir gerade Jude» sind u u b tun rum wir es bleiben wollen. Glicht wallen wir heute den ga»»ze»l Kampler der Erscheinungen betrachten, den das Judentum in sich begreift; nicht wallen wir davon sprechen, daß wir ansharren müssen auf dem Pastell, auf den uns durch unsere Gcbl,rt das Schicksal gestellt, Nicht wallen wir all die jüdische Nasse beufeu, nicht an die tausende van sozialen ''Ausgaben, nicht an die g l a r r e i ch e G e s ch i ch t e. an das unendliche Martyrium für die Fdeen unseres Glaubens! Wir wallen nicht begeistern, sondern überzeugell, ilnd darlrni greifen wir das eine, das größte und wichtigste heraus und fragen: Was kettet uns besonders au jene Farm der Neligian. die das Fudeunnn angenommen hat? Warllln miiffeu wir. sw ald wir die Wichtigkeit der Neligian an sich eiiannt haben. Wert darallf legen, uns gerade zur jüdischen Art des (Glaubens zu bekenneny Warum betrachten wir unsere Zugehörigkeit zur jüdischer! stteligian »licht als ein unabänderliches Geschick, das wir eben hinnehlnen und mit dem wir uns so gilt wie möglich abzufinden versuchen, sondern als eilie Tatsache, die uns »nir Stolz und Freude erfüllt? Die Gründe hierfür liegen in Vergangenheit, in Gegenwart und Fukunft, und dieses Einteilungsprinzip m kein äußerliches, denn es kanunt darin zum Ausdruck, daß wie für die Vergangenheit auch für Gegenwart nud 'stlkunft die Neligian die Grundlage der sittlichen Menschheitsgeschichte bedeutet, Nur darum, weil nur van Gegenwarts- und Fnkunftsgründen zu reden vermögen, »veil das Fndentum lebt und leben lvird, dürfen wir uns auf das berufen, was einst gewesen ist. Denn an und für sich ist das Poche»! auf die Priorität und der Streit um sie nichts, was absterbende Gebilde in ihrer Daseillsfähigkeit heben und ilärken kann, nichts van ausschlaggebender praNischer Bedeutung, und es verschafft der Muinie rvahrlich keinerr Einfluß ans die Geschicke der Feit, wenn sie auf ihr ehrwürdiges Alter hiillveisen kann. Der Stolz, init dem mir auf die Bergangen- I heit der jüdischen Religion blicken, ist darum so

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