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KC-Blätter · 1912-12-01 · Heft 3 (1.12.1912) · p. Seite 67

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 3 (1.12.1912)
Date
1912-12-01
Page
Seite 67 (sequence 15)
Language
German
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aber im Wefiifjle seines Fertigseins unterdrückt.- Wahre Wissenschaft erblüht jedoch nur dort, wo ehrliches Ringen imb Streben sich zeigen, und darum ist auch von diesem Gesichtspunkt ans bei dem Versuche, die Welträtsel zu lösen, der wahre, wissenschaftliche Weg jener, den die Religion weist. Die erfreuliche. Phon allenthalben bemerkbare Reaktion gegen die Schäden des Manismus hat freilich an einem anderen Punkte eingesetzt. Sie ging aus von der charakteristischen Mißachtung und Zurücksetzung alles Seelischen auf Kosten der rohen Materie. Tie anfangs verblüffende These, die alles bis dahin anerkannte nmkehrte, und dem Stoffe wie den Kräften allein Ewigkeit zusprach, das Geistige und Seelische dagegen zu vergänglichen Attributen des Stoffes degradierte. konnte solange wirken, wie die Scheinkraft des Paradoxen auch sonst vorhält. Inzwischen freilich hatte diese Seite des Monismus viel zerstört, unter ihrem Einfluß war bei ganzen Geschlechtern der Heranwachsenden Jugend der natürliche Keim zum Idealismus erstickt, Genußsucht und Verachtung vor geistigen Werten großgezogen ivorden, und daß ein solches Geschlecht der Religion, die sich auf Selbstlosigkeit und Aufopferungsfähigkeit aufbaut, nicht nur gleichgiltig. fouberu geradezu feindselig gegennberstand, braucht nicht hervorgehoben zu werden. Der Monismus wußte gegen alle Werte Skepsis zu erregen, die bis dahin Geltung gehabt hatten, und er konnte nichts auch nur annähernd so Gutes an ihre Stelle setzen. Darum hat er in den Köpfen der großen Masse, der er durch seine f cf) c i 11 b a r e Einfachheit imponierte, der er durch die Anerkennung der Kraft des menschlichen Verstandes schmeichelte, nichts wie Unheil angerichtet. Die ernsthafte Philosophie hat sich freilich niemals vom Monismus sonderliche Einwirkungen gefallen lassen, inib auch auf das halbgebildete Volk märe der Einfluß nie so groß geworden, wenn nicht mit dem Schlagwort gearbeit worden unirc’ daß die R eligio n das Volk in der Dummheit erhalten wolle, der Monismns es zur Freiheit führe, daß die Religion darum das Denken nach Möglichkeit hindere, der Monismus sich allein auf die Kraft logischen Denkens aufbane. Rur daß diese blendende auf die demokratischen Volksinstinkte zugeschnittene These einen kleinen Fehler hat! Der Unterschied besteht in Wahrheit darin, daß der Monismus das Zweifeln und die Kritik allein als Deukeu auffaßt und verlangt, die Religion aber fordert, daß Zweifel und Negation nicht Abschluß des Forschens und der Weltanschauung sein dürfen, sondern daß auch über dieses Stadium hinaus weiter geistig gearbeitet werden muß, bannt der Mensch wieder auf den Boden einer positiven Betrachtung der Dinge gelangt. Wenn er auch bei seinem Zweifeln, das einem gesunden Geiste natürlich und angemessen ist, vielleicht seinen naiven Kinder glauben, vielleicht auch das Vertrauen zu manchem historischen Dogma verliert, jedenfalls kann er bei konseguentem Weiterdenken zu nichts anderem kommen, als zu dem Monotheismus, wie ihn das Judentum lehrt, zu dein unerschütterlichen Glauben an den einig-einzigen Gott! Keine Beschränkung des Denkens verlangt die Religion. Der Monismus will, daß man denkt, die Religion, daß man zu Ende denkt, und sie erhebt diese ehrliche Forderung in dem. sicheren Gefühle der Kraft des Gottesbewußtseins in der Menschenseele. Der jüdische Monotheismus führt das Beiwort „ethisch", und hierin kommt zum Ausdruck, daß das „sittliche liefet; in mir" lebendiges Zeugnis für seinen göttlichen Ursprung ablegt. Auch der Unglaube und der Monismus können Ethik lehren; der Unterschied ist nur, daß die Religion absolut zwingende ethische Vorschriften gibt, die im Gen,Ute empfunden werden, die unabhängig sind von Menschen und Zeitverhältnissen und darin ihren Ewigkeitscharakter dokumentieren, wohingegen der Monismus nur ein Verstandesprodukt darbieten kann, eine Zweckmäßigkeits- und Rützlichkeitsethik mit allen ihren Fehlern. In dein sittlichen Lehrspstem des Monismus lebt der längst totgeglaubte „ contract social" vonRousseau wieder auf, der das sittliche Handeln nicht als Folgerung der seelischen Empfindung, sondern als ein Uebereinkommen zwischen den Menschen zum Zwecke eines möglichst becmemen Gemeinschaftslebens begreifen wollte. Der Ethik des Monismus fehlt die Anerkennung der sittlichen Bedeutung des Gewissens, und ihre Vorschriften sinken darum ans das Riveau eines staatlichen Strafgesetzbuches herab, das den Erfolg der Tat und nicht die Gesinnung des Handelnden trifft. Das aber ist das erste Erfordernis wahrer Ethik, daß sie ihr Dasein nicht ans Gründen der allgemeinen Ordnung herleitet, sondern daß sie der 3relc innewohui, die sie ganz unabhängig vom allgemeinen Interesse zum Guten erziehen will. Eine Ethik, die sich nur ans Verstandest iiigkeit aufbaut, kann nur für die Gesamtheit etwas bedeuten, der Einzelseele aber nichts gebieten und nichts bedeuten; eine andere kann aber der Monismus mit seiner starken Ueberschätzung des Denkens und seiner Mißachtung des Gefühlmäßigen überhaupt nicht geben. Eine Erbauung der Seele, die Erziehung zur Sittlichkeit um der Sittlichkeit willen. kann nur aus dem. Gemüt erstehen, und diese e m p fu n d e u e Ethik erwächst nur auf dem Boden der Religion. Diese absolute Ge-

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