KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1912-1913
- Issue
- Heft 3 (1.12.1912)
- Date
- 1912-12-01
- Page
- Seite 66 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2268830-2268832-2268836--0676-2269887- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
chronisch und unheilbar werden und für das ganze Leben Vorhalten müssen. Der materialistische Monismus, zu dessen hervorragendsten Vertretern Häckel gehört, ist zu dem Untergründe geworden, auf dem sich die geistige Erziehung und Charakterbildung des größten Teiles jener Welt erhebt, welche sich selber so gern die gebildete nennt. 9hm ist freilich dieser Monismus nicht jo leicht abzntnn, wie inan es besonders in manchen philosophischen und vielen theologischen Preisen liebt, indem man voll den Schlagworten „seicht", „flach" unb „überlebt" einen «lehr als reichlichen Gebrauch macht. lieber Männer, ivie Ostwald unb Höckel kann man keillesfalls mit einer Handbewegung zur Tagesordnung übergehen, ilnd der Kampf, bou mau ausschließlich mit den Mittelil einer allscheinend vornehlnen und iiberlegeneil Verachtung führt, verrät nur die Schwäche der eigenen Stellung. Das hindert aber trotzdem nicht, es offen ausznsprechen. daß durch halbverstandene Lehrsätze des Monislnns in den unreifen Köpfen der halb gebildeten Welt — und diesen Kreis fauit mau sich garnicht groß genug vorstellen — eine Verwirrung und zugleich eine Ueberhebling eingerissen ist, die welliger für die Religion — sie ist groß llnd einig ulld vermag Zeiterscheinullgeil zll überwinden — als für die Anhänger ioncr gleißenden Lehre eine furchtbare Gefahr darstellt. Die Ueberhebllng, das charakteristische Aierknml des Mollislnus, geht mm zurück auf die gewaltige Ueberschätznng, die er dem menschlichen Verstände und seiner Erkenntnisfähigkeit zll Teil lverden läßt. Für diese Lehre ist das Geillüt etrvas Nebensächliches, und die Bedentllllg des Denkoermögcns vergrößert sie in so hervorrageilder Weise, daß ihr anscheinend größter Vorzug — die scharfe logische und wissenschaftliche Betrachtllng der Dinge — zugleich ihr grundlegender Fehler wird! Unser menschlicher Verstand ist vom erkenntnistheoretischell Standpunkte alls schwach lind nicht aüzllweit reichend. Wer hätte das llicht, auch ohne sich mit philosophischer Arbeit näher beschäftigt zu haben.' all sich erfahren. sobald er über irgelld ein metaphvsisches Probleill nachdachte, ja. wer hätte nicht gerade danll die Ohnnlacht seines Verstandes erkannt. welln es sich mit das Erfassen von Begriffen handelt, die sich so leicht und so oft allssprechen, wie den der Ewigkeit oder der Zeit oder des Raumes! Freilich motlell wir nicht ill den Fehler verfallen, den man so hällfig macht, lind den Gkallbeil dort, gewissermaßen als Lückenbüßer, eintreten lassen, ivo die Wissenschaft versagt. Das würde die Religion herablvürdigen, denn Gott ist dem Religiösen keine Hypothese sondern eine empfundene Ueberzeugung. Nur das eine sei daraus abgeleitet, daß nämlich der Monismus mit seiner Methode und seinen Ergebnissen seiner Grundlage gemäß eine unversiegbare Quelle von Irrtümern und Trugschlüssen dnrstellen muß, und ebenso wenig wie irgend eine aildere Weltanschauung imstande ist, uns in die Geheinluifse dessen zu führen, ivas jenseits menschlicher Erkenntnis liegt. Das ..i^norabimus", das eillst Dllbois-Reymond so tapfer in Bezug auf die Rätsel von Materie und Kraft aussprach, illnß auf die tausende von anderen Welträtselu ausgedehllt lverden, uub die Erkenntnis dieser Tatsache alleill wird für den wirklich gebildeten Melischen bcu Moilismns ans seiner Stelle als herrschender Weltanschannlrg heransdrängen. Es soll llichts ailderes erreicht lverden. als daß die Scheuklappeil des Bccmisnuis von ihrer Stelle in der modernen Denkweise genommen werden, dalllit sie wieder empfänglich sein kann für das n n t ü rlich e Gefühl der Seele, das nichts anderes ist als Gottesbervnßtsein, die Erkenntnis GotteS im Geistigen rmd auch — waS trotz so vieler moderner Systeme der Theologen und Philosophen keinesfalls verkannt und übersehen lverden darf — in der Ri aterie! Gott kann nicht bewiesen werden, weder ans wissenschaftlichem noch anderem Wege. Wer es dennoch versucht, beachtet nicht die betonte Schwäche des Erkenntnisvermögens. Galt wird von der schlichten unbefangenen und unverdorbenen Seele, die ein Teil von ihm ist. instinktiv empfunden, und Psendowissenschaft wie wirkliche können dieses Bewußtsein wohl betäuben und einhüllen : aber nicht völlig zu ersticken und zu zerstören vermögen sie das eingeborene Empfinden, das iil der Gottheit mit den Worten unserer Allen den Schöpfer, Lenker itub Erhalter des geistigen und materiellen Alls sieht, die unendliche Höhe, ill der die sittlich ulld mechanisch wirkfame>l Kräfte des Weltalls sich vereinen. Wenn wir auf wissenschaftlichem Wege bei dem Versuche eiller Erklärung der Weltlätsel unfehlbar auf das .,ignorabimusl£ gestoßen sind, wenn wir die Ohnmacht des Verstandes in diesen Tiligen erkanllt haben, danll ist der Voden für die Wahrheit geebnet. Dann wem uns unsere Seele darauf hin. ill allem Geschehen daS Wirken einer Beacht zu sehen, bereu letztes schöpferisches Tun freilich nnerforfchliches Geheimnis ist und bleibt. Tie Weltratfel zll begreifen als ''Ausfluß Gottes, lehrt zugleich die menschliche llnzlllä'nglichkeit und darnnl allch Bescheidenheit. Diese Eigenschaft erweckt und fördert mm den Wunsch nach Bervollkomlnnllng uild Erkennlriis. soweit sie irgendwie mit unseren Mittelil erreichbar ist, wohingegerl der Standpnilkt des Monismus, der fast am Ellde alles Erreichbaren zu sein glaubt, dieses Streben nicht lveiter begünstigt, es oft