KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1912-1913
- Issue
- Heft 3 (1.12.1912)
- Date
- 1912-12-01
- Page
- Seite 60 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Kultus uicht i« der Lage: wer 4öO"/n der Staatsstener (düs find m den unteren Stufen 4—ID»/., des Einkommens) neben atten andern Abgaben noch tragen kann, der must schon ein für ländliche Verhältnisse recht beträchtliches Einkommen haben. Eegall weist dann 4. barauf hin, das; Toni hart nur die von den physischen Zeustten aufgebrachten Steuersmmnen heranzieht. Dadurch kämen die grasten Gervi'.n;e der Montanindustrie. deren Aktien meist nicht in jüdischen Händen feien, nicht in Ansatz. Wenn mau aber diese den nichtjüdischen Einkommen hinznaddiere, so sinke die wirtschaftliche Neberlegenheit ans ein bescheideneres Blaß. ''Aber die grasten Einkonnnen treten doch auch bei den physischen Zeustten, ans die sie sich schliestlich verteilen, hervor: bei der Segall'schen Addition werden sie also oft zweimal gerechnet, ^Außerden; bestreite ich aufgrund persönlicher Beobachtungen entschieden, das; die Juden nicht an; Montanbesitz beteiligt sind: in Kirren wird im A'heinlande von Juden stark spekuliert und investiert. Der 4. Borwurf gegen Sombart geht dahin, das; er einen Durchschnitt durch die Gesamten;- kommen gezogen, die verschiedenen Klassen des Einkommens also nicht berücksichtigt habe. Run sei aber bei der nichtjüdischen großstädtischen Bevölkerung ein großes Proletariat, das bei den Juden fehle: (damit gibt dann Segall freilich doch wieder die Ausnahmestellung der Juden z;p>: es könne ja aber auch so sein, das; einzelne Rieseneinkommen den Durchschnitt viel höher erscheinen kiesten, als er in Wirklichkeit sei. Segakk gebraucht dabei das Beispiel eines Warenhauses? würde man dort das Gesamteinkommen aller Beschäftigte!; (einschließlich der Chefs und der Cberbeantten) addieren ui;d dai;n den Durchschnitt ziehen, so wäre das Ergebnis zu günstig für die groste Masse, also cutftcUt. Das ruft den Eindruck hervor, als seien die Einkcnnmensverhältllisse der Juden b e fand e r s differenziert, als ständen wenigen Rieseneinkonunen große Masstn; kleiner Einkonnnen gegenüber. Auch das ist nicht zu halten. Im folgenden stelle ich für eine rheinische Großstadt die Prozentzah! zusammen, wie sich jüdische ur;d Gesamtbevölkerung bei Dreikasseuwahl gegenüberstchen(1911): (Sesamtbevölkernng Juden I. Klasse 0,9 10,1 ll. .. 10,7 5Ü.K in. .. 8N.4 07,1 100,0 100,0 Es ist also kein Zufall von rvenigen großen Einkommen, daß die jüdische Steuersumme dieser Stadt besor;derS hoch ist, sondern die starke Besetzung der höheren Einküimnenschichten durch die /Juden ist eine Regelerscheinung; als Gesamtheit heben sie sich auch in dieser Hinsicht von der nichtjüdischen Bevölkerung stark ab — freilich miederun; stärker von der katholischen, als von der protestantischen Volks nrasse. Eine abnehmende Tendenz in dieser Richtung ist auch nicht festznstellen: für westdeutsche Städte ließe sich sogar, aus längere Zeiträume berechnet, eine zunehmende Besetzung der höheren Wühlerklassen durch die Inden konstatieren. Ich glaube, es hat wenig Wert, die günstige wirtschaftliche Lage der deutschen Juden bestreiten, abschwächen oder wenigstens durch eine „künftige Abnahmetendenz" etwas „mildern" zu wollen. Denn erstens glanbens die andern doch nicht, und obendrein ist es auch noch nicht einmal wahr. b) Die Bedeutung für die Volkswirtschaft. Wenn Inden sich bemühen, diese Tatsachen abznschwächen, Antisemiten sie aufs höchste übertreiben. sv liegt den; eine ebenso alle wie falsche Vorstellung zugrunde: das; nämlich ein großes Ein kommen den a;;dern gleich' im „weggenowmen" werde. Hätten die Jude;, nicht das Geld, so hättet ihr es, spricht der antisemitische Agitator : wären sie uicht die Tvatnifherren, dann könnten es die von ihnen verdrängten Christen sein. Den;gegenüber sagt uns die nwderne Volkswirtschaftslehre: Es gibt keine feftbestimmte Größe des Nationalvermögens oder Nationaleinkommens. Cli das Volkseinkommen insgesamt vermehrt wird, das hängt davon ab. ob es gelingt, beit Ertrag bir nationalen Arbeit zu steigern. Die Steigerung des Gesamtertrages geht aber vor allen; von denen aus, die in; Konkurrenzkämpfe Höheres leiste;; als ihre Mitbewerber. 'ölrbeitei; sie auch in erster Linie für sich und ihren Vorteil, so bieten sie doch zugleich bei; breiter; Masse;; neue Vorteile, und sie sind es zugleich in erster Linie, welche die volkswirtschaftlich sv dringend notwendige Kapital bildnng leiste;;. Die Eroberung des wirtschaftlicher; Neulandes ist notwendig zur Erhöhung des Volksreichtums; diese aber leisten die werbenden Kräfte in Handel u;;d Industrie in; Binnenlande ebenso wie in Uebersee. In weit höherem Maße als die übrige Bevölkerung leisten die deutschen Inden solche werbende Arbeit als Unternehmer ln;d diesen nahestehende Privataugestellte. Ich bin weit eiusernt, die auSsührende Arbeit in Werkstatt und Büro geringzuschützen. aber volkSwirtschaftlich ist dieUnternehmer - tätigkeit, die eigentlich werbende Arbeit mit ihrer Erschließung neuer Absatzquellen sehr viel wichtiger. Je mehr das deutsche Volk zur Bürokratisierung neigt, umso dringender notwendig sind ihm.