KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1912-1913
- Issue
- Heft 3 (1.12.1912)
- Date
- 1912-12-01
- Page
- Seite 59 (sequence 7)
- Language
- German
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die lUjrmadjerct, die Pußmacherei, die Glaserei etc., und ich sage wiederum: daran ist nichts zu Vedanern, eS ist gut so. V. Der jüdische Weicbtnm und die Aoklisivirtslraft. a) Segall contra Sombart. Weit stärker als die andern kansmäunische, gewerbliche und industrielle Unternehmer; weit stärker im Angestelltenstande und gerade, wieder stärker in dessen bestbezablten Oberschichten; in der breiten Blasse der Arbeiterschaft kaum vertreten : Danae!) dürste das Bild über die Einkommensverhäitnisse klar liegen. Sie werden sich weit über diejenigen der andern Bolksschichten erbeben. Svmbart bat den zahlenmäßigen BeiveiS dafür zu erbringen versucht; Segall erklärt dieses Bvrgeben für unzulässig, weil „die notwendigen Unterlagen fehlen". Sombart bat für Städte die Gesamtstenersnmme der Inden festgestellt, sie prozentual nmgerechnet und der Gesamtstenersnmme der übrigen Bevölkerung gegennbergestellt; dann ergibt sich meist das Bielfache des E i n k o m m e n s gegenüber den Nichtjnden. Bezüglich des Vermögens hat Svmbart sich nur an Baden gehalten; auch hier ergibt sich meist relativ das ü—tifache des Vermögens der Aichtj nben. Segall greift diese Tabellen als zu günstig an und geht dabei wieder nach, der andern Seite zu weit; er behauptet, das; unter den Inden ..der Mittelstand immer stärker wird, das Heer der Angestellten, die. nur mit einem bestimmten Einkommen rechnen können, wächst, durch die Annahme der akademischen Berufe in den großen Städten sich allmählich ein geistiges Proletariat entwickelt, die Inden ans dem Geldhandel, dem einträglichsten Berufe, hinanSgedrängt werden') und der wirtschaftliche Antisemitismus ') Mit dem ..Hinansdrängen and dem Geidhande!" üt>} ülniiVMto auch nicht fo schlimm. Tie Iaht der Juden hat »ich darin gerade während der Hnuptperiude der Bantkvn',entrativn noch »m vermehrt: die Bermehrnng gellt gerade liier sogar über die Gesamtvermehrnng der männlichen E rn> e rbs tä t i ge n diu ans (und es lrandett sich dei den anden im Bankgewerbe zu nm männliche Erwerbstätige', baue Bermindernng in der Ja bl der Selbständigen liegt vor. aber sie ist rvieder schwächer als bei den andern, freilich: :UN7 indische Bankdirektvren gibtS nicht, hier hat Segall sich versehen und irrtümlich sämtliche indischen Bankangestellten den Diretwren gerechnet. X’lbor hier staben wir rvieder ans eine sehr eklatante Unzulänglichkeit der Statistik. Wer ist denn heute im Bankgerverbe ..selbstäirdiger Unternehmer"^ (Gerade die praßten Banken sind samt nnd sanders Attiengesellschaften. ihre ..Eigentniner" sind die Aktionäre. Diese aber sind statistisch überhaupt nicht zu ermitteln. Sv rvird die Anbrik ..Eigentümer" in der Bernssstatistik immer mehr illusorisch: nur die kleinen Eigentümer iverden noch ersaht, die großen, die Hanptattivnäre, bleiben ans ihr völlig fern, vvr allem ihre KonsessionSzugehörigkeit ist nicht zu ermitteln. Desden Jttden sowohl im kaufmännischen wie industriellen Betriebe das Fortkommen erschwert... Wir fiitb der Meinung, daß die Juden den Höhepunkt ihrerwirschaftlichen Entwicklung bereits überschritten haben ..." Der ganze Abschnitt des Buches zeigt eine entschieden pessimistische Tendenz; das Bestreben, eine. Assiinilation zu sehen, wirkt unbewußt bei Segall auch ans die wirtschaftlichen Betrachtungen stark ein, nnd so tadelt er bei Svmbart hauptsächlich : 1. daß er die geringere Kinderzohl der Jttden nicht berücksichtige, obwohl diese schon an und für sich das Einkommen pro Kops höher erscheinen lasse, als es pro Haushalt in Wirlichkeit sei; das ist richtig, beweist aber nichts gegen Svmbart: Eben weil sie weniger Kinder und folglich verhältnismäßig mehr Erwerbstätige haben, gehts dem deutschen Inden besser als der andern Bevölkerung. Segall tadelt 2. daß Svmbart vvr allem die Großstädte herangezogen habe, auf dem Lande gehe es den Juden viel schlechter, zumal im Osten. Das sucht Segall dadurch zu erhärten, das: er anführt, es würden dort in einer großen Buhl von Gemeinden allein an Kultnsstenern 2<X)—.‘iOO°/u der Staatsstellern bezahlt, all einzelnen Stellen gar 4f><)"/«,. Beides ist wohl nicht sehr schlüssig. Einmal lveist ja Segall selbst nach, daß auf dem Lande ulld in Kleinstädten bis zu 20 (XX) Einwohnern nur wellig mehr als V.t aller preußischen Inden wohnt; die überwiegende Mehrheit der preußischen Juden wohnt in 'Großstädten. Sombart hat ja aber mlr behauptet, daß die Inden durchweg reicher seien als ihre Umg e b il ii g sich würde lieber sagen : ein höheres Einkommen hätten), nicht daß sie alle große Beichtümer besäßen. Das scheint mir aber auch für den Osten znzntressen. Wenn ilärklich Landgemeinden für ihren Kultus 45,0"/» der Staatssteuer ansgeben, dann beiveist das doch eigentlich mir, daß sie sehr klein, aber nicht, daß sie arm sind. Im Gegenteil! Die wirklich sehr armen katholischen Diaspora-Gemeinden sind in zahlreichen Fällen überhaupt zur Pflege ihres lueflcu Ijat Sombart den Huncu Umweg gewählt, die Beteiligung der Juden an den Anfsichtsralsinilen pl untersnchcn, mn sv lvenigsteus einen indirekten Schluß über den wirklichen Einfluß der Inden in den Aktiengesellschaften Zn gewinnen: das (Ergebnis siebt wesentlich anders ans als bei Segall: 24,4 Prozent der Aufsicht-) raksposten ist in jüdischen Händen. Wohl hat der Anteil der Juden an der unteren Ange'telltenschicht des Bankwesens — die immer mehr bureautratische Arbeiten zu leisten hat — sich prozentual, nicht absolut, verringert; aber von einem KainanSdrimgen" kann schon angesichts des rein zahlenmäßigen Inriehmens keine Aede sein; der wirkliche Einsluß ans die Leitung des Geldhandels und der Anteil am Ertrage ist bei den Juden l aller Bermutung nach nicht schlechter als früher.