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KC-Blätter · 1912-12-01 · Heft 3 (1.12.1912) · p. Seite 58

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 3 (1.12.1912)
Date
1912-12-01
Page
Seite 58 (sequence 6)
Language
German
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föinten. Die Industrie ist heute in weitem Maßstcibe iu den Händen der Kanflente; der „kaufmännische Leiter" ist der Führende, wenn er auch statistisch «1$ „Industrieller" erscheint. Die Juden haben, weit entfernt, ihre spezifischen Fähigkeiten, eben den „Handelsgeist", zn verlieren oder abzuschwächen, ihn in die Industrie hinübergetragen. Je mehr im Handel veralte.Handelsgeist verloren geht, je mehr er kleinlich, zersplittert, „mittelständlerisch" wird, umsomehr verlassen ihn die Juden, — trog der Ausbreitung des Handelsgebietes —, und umso mehr erfüllen sie mit ihrem Weifte die Industrie. Den Beweis dafür? Einher den von Sombart znsammengetragenen noch ein paar Tatsachen: In Aachen, einem uralten Zentrum der Tertil indnslrie, durfte vor 1797 kein Jude (auch kein Protestant) ivvhnen. Heute ist ziemlich genau ' n der Fabriken in jüdischen Händen, ein zweites Drittel in protestantischen, nnd kaum 1.1 ist den Katholiken verblieben, obwohl sie auch heute noch weit inehr als"/«« der Bevölkerung ansniachen. Den Weg. den diese Fabrikanten gemacht haben, konnte ich einmal bei historischen Studien verfolgen. Die nach flachen gekommenen Inden bezeichneten sich 18lO zur Franzosenzeit als ,,ec»lpnrteur", d. h. Hausierer. 1K‘J0 als „Viehhändler". 'Zwischen is:K>—r»0 tuenden sie sich denr Mannfakturwarenhandel zu. tverdeir dann Grossisten, nnb zn Beginn der 70er Jahre erscheinen dann die ersten jüdischen Fabrikanten. Heilte gibt es noch eine Anzahl gutgehender jüdischer Detailgeschäfte iu Aachen: aber von fast keinem Inhaber ist es bekannt, daß seine. Kinder sich demselben Berufe znwendelt wollen; soweit sie ilicht ftubiereu, wenden sie sich dem Großhandel nnd der Industrie zu. Ein anderes Bild: Jn der Schlihwarenindustrie ist eitle große Umwälzung im Gange. Sie kommt voll bcu Massen-Filialbetrieben. die sich ans dem Handel entwickelt haben; diese sind großenteils in jüdischell Händen, und auch die christlichen Inhaber bevorzugen vielfach jüdische Filialleiter. Wenau so liegt es in der Korsettenbranche; das Eigarreitdetailgeschäft wird aitf dettl Wege der Filialbetriebe stellellwcise von Judell mm erobert tstatistisch sitld diese Inhaber „Fabrikanten"): der gleiche Vorgang beginnt gegenwärtig tm Lebensmittelbandel, in dem die Inden früher tlllr sehr gerillge Bedeutmrg hatten, im Eierhaitdel usw., und all das wird statistisch von der Berufszählung nie erfaßt werden. Der jüdische „Handelsgeist" läßt sich statistisch nicht wegbeweisen, gerade hier täuscht der Schematismus der Statistik, er ist noch da, ist so stark wie je — nnb das ist gut so. Aber stehen damit nicht die 40000 jüdischen Haildwerker im Widerspruch? IV. J>as jüdische Handwerk. Waren es bisher nur volkswirtschaftliche Meillllngsverschiedenheitell. io habe ich hier mit Segall eine statistische Disierenz. Die Berufs zählung scheidet ilicht zwischen Handwerk ilnd Fabrik. Um aber doch einlnal dem Handwerk und feiner Entwicklung nahezukommen. hat Böhniert eine ^lteihe „handlverksmäßiger" Ge. iverbe ansgesondert und in der Berufsstatistik llntersucht. Segall ivagt jeht dasselbe für die Judell und geht beim it doch wohl viel zu weit. Die Tabelle vom „jüdischen Handwerk" (2. 44) ist nur mit Vorsicht anzuwendeu. Segall hat zn den „Schneidern" die sämtlichen Inhaber jüdischerKonfektionsfabriken gerechnet (man denke an Berlin. Stettin. M. Gladbach); sie alle zählen famt ihren Direktoren. Reiß.chen und der«! Büropersonal iu dieser Tabelle .um Schneiderhandwerk! Wenn man annehmen darf, daß jüdisches Büropersonal der Hauptsache nach bei jüdischen Ehefs beschäftigt ist. dann beschäftigen diese jüdischen „Schneider" über 40< *» Personen auf ihren Kontoren. Zu beu jüdischen „Gold nnd Silberschnlieden" sind auch die Inden in Prageailstalten gerechnet, beim Bürstenmacher-„Handwert" erscheinen and) die Vinselfabrikanten. die einen der wenigen Trusts hi Deutschland gebildet haben. j-Jii den jüdischen Maurern werden auch die Bauunternehmer gestellt, sogar die Architekten treten als „Handwerker" mit auf. und unter der 'johl der „Schuhmacher" erscheinen allch die säurtlichen jüdischen Schuhwarenfabrikanten samt Reisenden und Kontorfräulein? Ich bill weit entfernt davon, den Juden die Befähigllng zum Handwerk absprechen zu wollen — dafür gibts nicht nur zn viele jüdische Handwerker in Rußland, tllumiinien und Galizien, sondern ganz zweifellos auch iu Dentschlaud — aber so groß wie sie nach der Segallschen Tabelle erscheinen müßte, ist ihre Zahl auch nicht annähernd. Ich glaube, daß wir die 58tX) Angestellten ganz ruhig samt etwa ebensvvielen Ehefs aus der Zahl der „Handwerker" heransnehmeu können, daß die weiblichen ..Handwerker" — ich zähle ihrer in nur 7 ^iuhrifeu der Segallschen Tabelle nach Abzug der '.veibl. „Angestellten" immcu noch rund 9400 - doch auch nicht nnter den üblichen Begriff des Handwerks fallen und auch noch abgerechnet werden konnten, und die Zahl der jüdischen Handwerker wird immer noch reichlich hoch angenomen sein. Dabei wolle man berücksichtigen, daß ein großer Teil dieser „Handwerke" sich immer mehr kommerzialisiert, also dem Handel annähert: Die Schneiderei wird znm Konfektionsnnd Maßgeschäft, die Fleischerei wird durch den Groshchlüchtereibetrieb je länger je mehr zum kaufmännischen Geschäfte, genau so

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